„Riesige Sauerei“: Wintersport-Disziplin vor Olympia-Aus – Athleten wollen kämpfen
Vinzenz Geiger hat große Sorgen um seine Sportart, Nathalie Armbruster ist gefrustet, die ersten Stars sind schon abgewandert: Für die Nordische Kombination beginnt am Freitag ein Schicksalswinter, an dessen Ende über die olympische Zukunft entschieden wird. „Unser Sport steht unter Beobachtung“, sagt Olympiasieger Geiger, der bis zur Entscheidung „viel Werbung“ für die traditionsreiche NoKo machen will.
Denn es droht ein Horror-Szenario. Schon bei Olympia 2026 in Mailand wird die Kombination die einzige Sportart sein, bei der keine Frauen am Start sind. Armbruster, die wie Geiger in der vergangenen Saison den Gesamtweltcup holte, ist daher sauer. „Es tut richtig, richtig weh“, sagte die 19-Jährige zuletzt im Eurosport-Interview: „Dass Frauen im 21. Jahrhundert noch immer nicht gleichberechtigt sind“ sei „eine riesige Sauerei“.
IOC denkt über Streichung aus Olympia-Programm nach
Doch es könnte noch schlimmer kommen, denn die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geforderte Gleichstellung der Geschlechter könnte für 2030 auch durch die Streichung der gesamten Sportart erreicht werden. Eine Entscheidung will das IOC erst nach den Winterspielen in Italien treffen – und vorher die Lage beobachten.
„Das IOC schaut genau, wie hoch das Zuschauerinteresse sowohl live an den Strecken als auch im linearen Fernsehen und online ist“, sagte DSV-Sportdirektor Horst Hüttel im DOSB-Gespräch. Geiger hat dazu eine klare Meinung: „Ich bin verärgert über das IOC, weil es für mich nicht nachvollziehbar ist, dass diese Diskussion geführt wird.“
FIS-Präsident will für Nordische Kombination kämpfen
Immerhin: Es gibt positive Signale. FIS-Präsident Johan Eliasch bezeichnete die Kombination unlängst als „Teil der DNA der FIS“, er werde die Disziplin und ihre Athleten „weiterhin unterstützen – nicht nur mit Worten, sondern auch durch Taten, Investitionen und Fürsprache“. Geiger sprach im Podcast „Ski happens“ von einem „guten Zeichen“.
Die Kombination ist seit der Premiere 1924 immer bei Olympischen Spielen dabei. Nach Ansicht des IOC feierten zuletzt aber zu wenige Nationen Erfolge. Die FIS hält dagegen, dass die Zahlen bei den teilnehmenden Athletinnen und Nationen seit Jahren steigen.
Geiger befürchtet Athleten-Abgänge
Die ersten Auswirkungen gibt es aber schon: Die Norwegerin Gyda Westvold-Hansen, immerhin viermalige Weltmeisterin, tritt in dieser Saison bei den Spezialspringerinnen an, um sich den Traum von Olympia zu erfüllen. Geiger fürchtet den Verlust von weiteren Athletinnen: „Wenn man 16 oder 17 ist, fragt man sich vielleicht schon, ob man wirklich in der Kombination bleibt.“
An den Ambitionen von Geiger und Armbruster ändert das nichts. Allerdings verpasst der 28-Jährige verletzt mindestens die ersten beiden Wochenenden. Im Kampf um den Gesamtweltcup sei es „eigentlich unmöglich, das noch aufzuholen“, sagt er. Immerhin: Sein größter Konkurrent Jarl-Magnus Riiber (Norwegen) hat aufgehört.
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Besser sieht es bei Armbruster aus, die erst eine Woche nach den Männern in die Weltcupsaison startet. Die dreimalige WM-Zweite hat seit dem Frühjahr endlich das Abitur in der Tasche – und nach dem vorläufigen Abschied von Westvold-Hansen ebenfalls eine starke Konkurrentin weniger. Ein Vorteil, auf den Armbruster allerdings gerne verzichtet hätte. (dpa)
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