Andrea Rothfuss lächelt bei den Paralympics in die Kamera mit ihren Skiern in der Hand.

Für Andrea Rothfuss sind es ihre letzten Paralympics – doch ihre Karriere will sie noch nicht beenden. Foto: imago/GEPA pictures

„Ich war richtig abgestumpft“: Paralympics-Star spricht über schwere Depressionen

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Plötzlich war die Verbindung weg. „Der Kopf und der Körper waren getrennt, haben überhaupt nicht mehr miteinander kommunizieren können“, erklärt Andrea Rothfuss. Doch die alpine Skirennfahrerin macht einfach weiter – dass sie psychisch erkrankt ist, wird ihr erst viel zu spät bewusst.

Knapp zwei Jahre vor den Paralympischen Winterspielen „ging eigentlich gar nichts mehr“, sagt Rothfuss. Rückblickend, so die 36-Jährige, „habe ich da schon komplett in der Depression dringesteckt“.

Andrea Rothfuss zog in Depression die Reißleine

Es dauert, doch Rothfuss zieht die Reißleine. Sie bricht die Saison ab, auch im vorparalympischen Winter geht die Badenerin nicht auf die Piste. „Ich war einfach richtig abgestumpft“, erzählt Rothfuss, die 14 Medaillen bei Paralympics gewann, darunter einmal Gold in Sotschi 2014, und am Montag in Cortina im Super-G (ab 9.30 Uhr) in der stehenden Startklasse an den Start gehen wird.

Auch der Alltag macht Rothfuss zu schaffen. Kleine Erledigungen wie Einkaufen oder der Haushalt wurden „plötzlich zu einem riesigen, unüberwindbaren Berg“, sagt sie: „Ich habe auch extrem schlecht geschlafen, konnte nicht wirklich abschalten. Und egal wie lang ich geschlafen habe, war ich morgens immer noch erschöpft.“

Die Aussicht auf die Paralympics motivierte sie

Schließlich sucht sie einen Therapeuten auf, der ihr hilft, die Tiefen des Lebens zu überwinden. Im September steht Rothfuss wieder in individuellen Einheiten auf Skiern. „Das war so intensiv und hat mich danach extrem aus den Latschen gekippt“, erinnert sie sich, „es hat mich mental sehr beschäftigt.“

Doch auch diesen Rückschlag steckt Rothfuss weg. Der Gedanke an die Paralympics in Mailand und Cortina d’Ampezzo treibt sie an. „Es war immer etwas, was mich während der ganzen Depression motiviert hat“, sagt Rothfuss. Dass sie die Qualifikation geschafft hat, beschreibt die Freudenstädterin, der seit der Geburt die linke Hand fehlt, als „Märchen“.

Vor 20 Jahren gab Rothfuss ihr Paralympics-Debüt

Im November kehrte Rothfuss ins Mannschaftstraining zurück, „es lief von Anfang an super. Ich hatte überhaupt keine Probleme mehr“, sagt die dreimalige Weltmeisterin. Einen Monat später fährt sie wieder Rennen, es dauert nicht lange, bis sie die Norm für die Paralympics knackt. 

In Norditalien schließt sich nun der Kreis. 2006 in Turin war Rothfuss erstmals bei Paralympics am Start, die Spiele in Cortina werden ihre sechsten und letzten sein. „Das hat sich einfach nach etwas Rundem angefühlt. Das hat mich unterbewusst schon gepusht“, sagt sie.

Karriereende ist für sie trotzdem noch nicht in Sicht

In den Bergen von Venetien peilt Rothfuss einen Platz unter den besten acht an. Das sei „im Bereich des Möglichen“, sagt sie. Ihre Karriere will sie anschließend noch nicht beenden, nur zu den Paralympics wird Rothfuss nicht mehr fahren.

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„Was ich sicher weiß, ist, dass ich nicht nochmal vier Jahre dranhänge“, sagt sie: „Ich weiß nicht, ob ich das mental und psychisch nochmal schaffen würde.“ (sid/ea)

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