„Offensichtlicher Beschiss“: Skisprung-Idol Weißflog rechnet mit seinem Sport ab
Ex-Tournee-Sieger Jens Weißflog rechnet mit den Trickserien im Skispringen ab. Vor der Vierschanzentournee erklärt der 61-Jährige, was ihn an der vergangenen Saison besonders wütend gemacht hat – und warum er die neuen Regeln trotzdem richtig findet.
Für Jens Weißflog ist der Anzug-Eklat rund um das norwegische Team nur die Spitze des Eisbergs. „Die Norweger haben das Maß überschritten, da gibt es kein Vertun“, sagt der ehemalige Vierschanzentournee-Sieger in einem Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“.
Norwegen als Auslöser – aber nicht das einzige Problem
Gleichzeitig macht Weißflog klar: Der Skandal habe vor allem gezeigt, wie lange im Skispringen schon getrickst wurde – und dass das nicht nur ein Problem einzelner Teams gewesen sei. Es habe offenbar diesen Anlass gebraucht, „um den offensichtlichen und vom Ski-Weltverband mitgetragenen Beschiss zu beenden“, so Weißflog.

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Bei der WM in Trondheim war es zum Eklat gekommen: Manipulierte Anzüge der Norweger hatten die Titelkämpfe überschattet. Auf anonym gefilmten und veröffentlichten Videos war zu sehen, wie das norwegische Team Wettkampfanzüge auf unzulässige Weise bearbeitete.
Demnach sei eine nicht erlaubte Naht angebracht worden – sie soll dem Springer in der Luft mehr Stabilität beim Fliegen geben.
Anzug-Skandal bei der WM in Trondheim
Weißflog beschreibt die vergangene Saison als Zustand, den viele gesehen – aber niemand gestoppt habe. „Es hat ganz vielen Leuten im Skispringen sauer aufgestoßen, dass die Anzüge teilweise unten an den Knien hingen, jeder diesen Missstand gesehen und keiner etwas dagegen getan hat“, sagt der 61-Jährige.
Sein Eindruck: Fast jeder habe betrogen – und zu viele seien damit auch noch durchgekommen.
„Größe der Anzüge war nicht mehr normal“
Besonders kritisch sieht Weißflog die Dimensionen. „Die Größe der Anzüge war ja nicht mehr normal“, sagt er. Und es sei nicht bei zu großen Anzügen geblieben: Kurz vor dem Sprung seien die Anzüge teils bewusst nach unten gezogen worden, um in der Luft mehr Auftriebsfläche zu bekommen. „Da gab es oft das Drei- bis Vierfache zu viel an Spielraum“, so Weißflog.

Die inzwischen erfolgten Regeländerungen bewertet Weißflog grundsätzlich positiv. Engere Anzüge und strengere Kontrollen findet er sinnvoll. Trotzdem glaubt er nicht, dass damit automatisch Ruhe einkehrt.
Neue Regeln: enger, strenger – aber der Druck bleibt
Denn: „Aber es wird natürlich weiterhin versucht, neue Auftriebsflächen zu finden und das Reglement auszureizen“, sagt Weißflog.
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Der frühere Skispringer gehört zu den größten Namen des Sports: Weißflog gewann die Vierschanzentournee 1984, 1985, 1991 und 1996. (dpa/mp)
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