Kontrolleur erklärt Vierschanzen-Disqualifikation – so reagiert der Bestrafte
Skisprung-Kontrolleur Mathias Hafele kannte auch bei drei Millimetern keine Gnade. „Regel ist Regel. Da kann man keine Ausnahmen machen. Ausnahmen machen wir nicht“, sagte der Österreicher. Er hatte den Slowenen Timi Zajc beim Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf wegen eines nicht regelkonformen Anzugs disqualifiziert und ihn damit um Platz zwei gebracht. Stattdessen rutschte der Deutsche Felix Hoffmann auf Platz drei.
Knapp zehn Monate nach dem Anzug-Skandal um die Norweger kamen Erinnerungen an die WM-Bilder von Trondheim hoch. Doch die Situation um drei Millimeter Anzuglänge war diesmal eine ganz andere als in Norwegen, als die Gastgeber unerlaubt ein steifes Band in den Anzug eingenäht hatten. Dadurch wurden bewusst die Regeln gebrochen, um den Anzug tragfähiger zu machen.
Zajc nimmt es mit Humor
Der Anzug von Zajc war am Bein um drei Millimeter zu lang. Ein größerer Anzug bietet mehr Fläche, sorgt damit für mehr Auftrieb und weitere Sprünge. „Lasst uns den Anzug ein bisschen stretchen, vielleicht ist dann in Ga-Pa alles okay“, schrieb der 25 Jahre alte Zajc auf Instagram mit Blick auf das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen.

Die strenge Reaktion beim prestigeträchtigen Wettbewerb in Oberstdorf kam im Skisprung-Tross gut an. „Ich find’s gut. Das setzt ein Zeichen“, sagte Ex-Profi Markus Eisenbichler als Eurosport-Experte. Hafele selbst sagte, der Anzug habe bei der ersten Prüfung noch gepasst. „Aber was die danach mit den Anzügen machen. Ob sie die ziehen oder irgendwas, können wir nicht kontrollieren. Das ist absolut unmöglich“, sagte der Österreicher.
Horngacher erfährt im Interview von Podiumsplatz
Skisprung-Bundestrainer Stefan Horngacher erfuhr mitten im Interview vom späten Glück für seinen Schützling Felix Hoffmann. Dieser rückte durch die Disqualifikation des Slowenen Timi Zajc beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee noch von Platz vier auf Rang drei vor. Von dieser Nachricht wirkte der deutsche Chefcoach aus Österreich zunächst etwas irritiert, bevor er im Auslauf der Schanze am Schattenberg in Oberstdorf freudig ausrief: „Das ist der Falsche.“

Horngacher zielte auf den überlegenen Tagessieger Domen Prevc – einen Teamkollegen von Zajc – ab und machte selbstredend einen Scherz. Denn während die Disqualifikation von Zajc zwar ein Tagespodium für Hoffmann zum Auftakt der Vierschanzentournee brachte, drohen die deutschen Adler mal wieder an einem Dominator zu verzweifeln. Prevc hat bereits nach der ersten von vier Stationen umgerechnet mehr als zehn Meter Vorsprung auf Hoffmann und den Fünften Philipp Raimund.
Raimund: „Domen macht einen wahnsinnig guten Job“
Auf die Frage, ob es beim Schanzenspektakel rund um den Jahreswechsel nur um Platz zwei hinter dem Dominator gehe, antwortete Raimund: „Gut möglich. Der Domen macht einfach einen wahnsinnig guten Job. Es ist eine gute Lücke dazwischen.“
An Silvester (16 Uhr/ZDF und Eurosport) steigt in Garmisch-Partenkirchen die Qualifikation für den zweiten Wettbewerb. Bundestrainer Horngacher betonte, dass die Große Olympiaschanze sowohl Hoffmann als auch Raimund besser liege als die WM-Anlage in Oberstdorf.
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Als er seine Interview-Aussagen im Glauben an Tagesrang vier beendet hatte und von Hoffmanns Aufrücken auf Rang drei erfuhr, sagte Horngacher: „Dann darf ich ja doch noch zur Siegerehrung.“ Neben Sieger Prevc und dem Dritten Hoffmann komplettierte Österreichs Titelverteidiger Daniel Tschofenig als Zweiter das Podium. Zuvor hatte er sich Rang zwei mit dem punktgleichen Zajc geteilt. (dpa/hmg)
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