Samuel Fitwi mit einer Deutschland Flagge nach seinem Zieleinlauf

Samuel Fitwi erreichte seine persönliche Bestzeit mit 2:04:45 Stunden. Foto: witters / FrankPeters

Nach 27 Jahren: Deutsche Sensation beim Hamburger Rekord-Marathon – Jackpot geknackt

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Ob im Bus, in der Bahn oder auf der Straße: Wer in Hamburg am Sonntagvormittag aus dem Haus gegangen ist, wird aller Voraussicht nach sportliche Menschen mit roten Beuteln gesehen haben. „Haspa Marathon Hamburg 2026“, stand darauf. Die 40. Ausgabe des Hamburger Klassikers hat seinen 42,195 Kilometer langen Weg in die Geschichtsbücher gefunden. Durch zahlreiche Rekorde und eine deutsche Sensation wird der Jubiläumslauf lange im Gedächtnis bleiben.


Zusammenfassung:

  • Am Sonntag fand die 40. Ausgabe des Haspa Marathon statt.
  • Insgesamt starteten bei allen Läufen zusammen 46.000 Teilnehmende.
  • Samuel Fitwi erreichte den deutschen Streckenrekord und den zweiten Platz.

Die gesamte Veranstaltung war eine bunte und vor allem eine fröhliche sowie gemeinschaftliche. Neben den Läufern standen zahlreiche Menschen neben der Straße und feuerten die Laufenden an. Mit Schildern, Kostümen und Worten gaben auch die Supporter alles. Für den ersten Rekord sorgten die 46.000 Teilnehmenden, die bei allen Läufen zusammengerechnet an den Start gingen. Mit bestem Wetter und damit besten Voraussetzungen läutete Sportsenator Andy Grote um 8.30 Uhr die Glocke und schickte damit das Elitefeld ins Rennen.

Holpriger Start beim Marathon Hamburg – dann wird es schnell

Ganz rund lief es zu Beginn trotz der guten Bedingungen nicht. Schon im ersten Kilometer stand in einer Kurve der Karolinenstraße ein defektes Auto direkt auf der Strecke. Entsprechend wurden die Laufenden umgeleitet und liefen um das Hindernis herum. Auch eine defekte Uhr an einem weiteren Auto sorgte zeitweise für Verwirrung, da sie rund 50 Sekunden mehr anzeigte als die eigentliche Zeit. In der Folge wurde diese Uhr abgestellt. „Das Führungsfahrzeug hat erst eine falsche Zeit angezeigt, dann habe ich gar nichts mehr gesehen. Ich wusste nicht so richtig, wo ich bin“, berichtete Aaron Bienenfeld nach seinem Debüt-Lauf.

Schon beim Zehntellauf der Kinder und Jugendlichen wurde kräftig angefeuert. WITTERS
Verkleideter Mann feuert an
Schon beim Zehntellauf der Kinder und Jugendlichen wurde kräftig angefeuert.

Die erste Gruppe lief die ersten fünf Kilometer noch vergleichsweise langsam (15:00 Minuten). Anschließend steigerten die Topsportler das Tempo, standen zum Halbmarathons-Split bei 1:02:04 Stunden und näherten sich damit dem Streckenrekord (02:03:46 Stunden). Anders als angekündigt, konnte Bienenfeld zunächst entsprechend in der führenden Elitegruppe mit Samuel Fitwi und Co. mitlaufen, ehe er sich in die vorgesehene Verfolgergruppe zurückfallen ließ.

Wenige hundert Meter nach dem Start blockierte ein Auto die Strecke beim Marathon in Hamburg. picture alliance/dpa | Markus Tischler
Ein defektes Auto blockiert die Strecke beim Hamburger Marathon
Wenige hundert Meter nach dem Start blockierte ein Auto die Strecke beim Marathon in Hamburg.

Auch nach der magischen 30–Kilometer-Marke waren noch 20 Läufer Teil der Spitzengruppe. Darunter auch Fitwi, der nach wie vor auf Kurs persönliche Bestzeit (2:04:56 Stunden) war. Dann kam die erste richtige Attacke innerhalb der Führungsgruppe, die die Gruppe auf 13 Läufer minimierte. Einer davon war ein Pacemaker, der die Gruppe auch noch nach 35 Kilometern anführte und die Geschwindigkeit vorgab. Auch der zweifache Hamburg-Sieger Bernard Koech und sein Kumpel und Trainingspartner Kennedy Kimutai waren sieben Kilometer vor Schluss ganz vorn mit dabei.

Fitwi wird beim Hamburger Marathon Zweiter

Dann startete Hunde Lechisa aus Äthiopien den Angriff, der das Feld weiter auseinanderzog. Nur drei Läufer konnten das Tempo annähernd mitlaufen, einer davon: Samuel Fitwi, der seinem großen Ziel, dem Podium, immer näher kam. Er wollte der erste Deutsche seit 1999 sein, der es unter die ersten drei Plätze schafft. Bernard Koech konnte die gesteigerte Pace nicht matchen. Es entschied sich zwischen Othmane El Goumri (Marokko), Samuel Fitwi (Deutschland), Kennedy Kimutai (Kenia) und Hunde Lechisa (Äthiopien).

Othmane El Goumri lief beim Marathon in Hamburg als Erstes ins Ziel ein. WITTERS
Zieleinlauf Othmane El Goumri
Othmane El Goumri lief beim Marathon in Hamburg als Erstes ins Ziel ein.

Am Ende lief El Goumri als Erster mit einer Zeit von 2:04:24 Stunden ins Ziel ein. Und dann die Sensation aus deutscher Sicht: Fitwi erreichte nicht nur das Podium, sondern gleich den zweiten Platz! Damit schaffte er es als erster Deutscher seit Carsten Eich 1999 auf das Hamburger Podium und stellte einen deutschen Streckenrekord auf. „Das Rennen lief super gut. Die Pacemaker und die Zuschauer waren auch super, alles war optimal“, freute sich der 30-Jährige aus der Vulkaneifel nach dem Lauf. „Das ist unvorstellbar, jetzt auf dem Podium zu stehen, das war das Ziel.“ Zeichen von Müdigkeit konnte man beim Zweitplatzierten auch rund drei Stunden nach dem hart erkämpften Erfolg auf der Pressekonferenz nicht erkennen. „Hamburg ist einfach so besonders, da freue ich mich, auch noch ein bisschen rauszugehen“, sagte Fitwi mit Blick auf den restlichen Tag.


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Koech konnte den Hamburg-Hattrick entsprechend nicht vollenden. Der Kenianer kam als 15. ins Ziel. Zumindest sein Trainingskollege Kimutai kam, elf Sekunden hinter Fitwi, als Dritter aufs Podium. Erstmals kamen damit drei Männer in einem Rennen in unter 2:05:00 Stunden ins Ziel.

Streckenrekord und Jackpot-Gewinn bei den Frauen

El Goumri sicherte sich entsprechend das Preisgeld von 30.000 Euro, das es für den ersten Platz bei einer Zeit von unter 2:07:30 Stunden gibt. Denselben Gewinn ergatterte bei den Frauen Brillian Kipkoech, die völlig überraschend als Erste ins Ziel einlief. Und wie! Ihre vorherige persönliche Bestzeit verbesserte sie um mehr als sechs (!) Minuten. Ihre starke Zeit von 2:17:05 Stunden: Streckenrekord!

Die Keniaerin Brillian Kipkoech war die schnellste Frau mit einer Zeit von 02:17:05. witters / FrankPeters
Siegerin Brillian Kipkoech mit der Kenia Flagge
Die Keniaerin Brillian Kipkoech war die schnellste Frau mit einer Zeit von 2:17:05.

Mit der neuen Strecken-Bestzeit (vorheriger Streckenrekord: 2:17:23 Stunden) erhielt Kipkoech nicht nur die 30.000 Euro für den Sieg in unter 02:21:30 Stunden, sondern auch noch 20.000 Euro Jackpot-Bonus. „Ich fühle mich so gut, das Wetter war toll. Ich bin für eine persönliche Bestzeit gekommen, aber damit habe ich nicht gerechnet“, sagte die Siegerin nach dem Lauf mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Die Leute haben für mich gejubelt, das war fantastisch und hat sich schön angefühlt.“ Zweitplatzierte wurde Rebecca Tanui (Kenia), den dritten Platz belegte Kasanesh Baze (Äthiopien).

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Aaron Bienenfeld vergoldete sein Marathon-Debüt mit einer starken Zeit von 2:08:47 Stunden und lief damit prompt in die deutsche Marathon-Top-10. Der schnellste Hamburger, Jan Kaumanns, lief nach 2:24:05 Stunden ins Ziel ein (insgesamt 36.). Schnellste Deutsche war die Hamburgerin Tabea Themann (insgesamt 8.), die gleichzeitig einen neuen Hamburger Rekord aufstellte (2:30:32 Stunden). Nach zweieinhalb Jahren lief sie erstmals wieder einen Marathon und war entsprechend glücklich. „Die Stimmung war unfassbar. Da sind die Kilometer automatisch schneller, weil man so getragen wird, das war verrückt“, lobte sie die Zuschauenden nach dem Lauf. „Ich war so froh, dass ich wieder an der Startlinie stehen konnte.“

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