Matthias Große bei einer Pressekonferenz

Matthias Große verteidigte auf einer Pressekonferenz das Hausverbot gegen Hajo Seppelt und Jörg Mebus. Foto: imago/Matthias Koch

„Die größte Schande“: Verbands-Präsident rechtfertigt Ausschluss von ARD-Journalisten

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Der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft, Matthias Große, hat das Hausverbot für die Sportjournalisten Hajo Seppelt und Jörg Mebus an einer Pressekonferenz verteidigt und von einer „Schmutzkampagne“ gegen seinen Verband gesprochen. „Das, was passiert ist, ist die größte Schande. Jeder kann mit mir sprechen außer Jörg Mebus und Hajo Seppelt“, sagte Große bei der Pressekonferenz im Berliner Müggelturm. Der Lebensgefährte der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein sprach von einem „Hassspiel“ gegen den Verband, sich und auch seine Partnerin.

Ein „Sportschau“-Bericht hatte zu Beginn der Olympischen Winterspiele über angebliche Unregelmäßigkeiten bei der DESG und ein belastetes Verhältnis zwischen einigen Athleten und der Verbandsspitze berichtet. An diesem Bericht waren maßgeblich Seppelt und Mebus beteiligt. „Die ARD und Hajo Seppelt haben uns die Olympischen Spiele gecrasht und das lassen wir nicht zu. Das geht so nicht“, sagte Große.

ARD kritisiert Ausschluss von Seppelt und Mebus

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky reagierte mit Empörung auf den Ausschluss von Seppelt und Mebus. „Die Nicht-Zulassung ausgewählter Berichterstatter zu einer offiziellen Pressekonferenz verstößt eklatant gegen Grundsätze einer freien und unabhängigen Berichterstattung und ist aus unserer Sicht grundsätzlich nicht akzeptabel.“ Es sei ein für einen deutschen Sportfachverband beispielloser Fall, sagte Balkausky. „Es ist ein einmaliger Vorgang, der bei uns auch Fragen zu der Haltung des Bundes und anderer Institutionen hinterlässt, die die DESG finanzieren.“ Der Vorgang werfe „wesentliche rechtliche Fragen auf, die wir prüfen werden“, so Balkausky weiter.

Der Deutsche Olympische Sportbund als Dachorganisation kritisierte das Hausverbot durch die DESG. „Wir erwarten von unseren rechtlich eigenständig und autonom handelnden Mitgliedsorganisationen, dass sie die Pressefreiheit in gleicher Weise respektieren, wie wir das tun“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Pressefreiheit sei ein „essenzielles Gut unserer Demokratie, das der DOSB selbstverständlich respektiert und wertschätzt“.

Journalistenverbände wehren sich: „Klarer Eingriff in die Pressefreiheit“

Zu dem Hausverbot erklärte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV), dass es selbstverständlich sei, dass auch Kritiker zur Pressekonferenz eingeladen werden müssten. „Das Hausverbot gegen die ARD-Kollegen ist ein unglaublicher Vorgang“, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster. „Es geht nicht an, eine Pressekonferenz wie einen closed shop zu organisieren.“

Auch der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) protestierte. „Die Nichtzulassung der Kollegen werten wir als klaren Eingriff in die Pressefreiheit“, schrieb der Verband in einem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Ihre Gemeinschaft wird mit öffentlichen Geldern gefördert, an die daraus erwachsende Verantwortung möchten wir hier eindringlich erinnern.“ Dem Versuch, kritischen Sportjournalismus zu reglementieren, trete man „vehement entgegen“, schrieb der VDS.

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Auf der Pressekonferenz wollte die DESG um den umstrittenen Präsidenten Matthias Große Stellung zu dem Bericht beziehen. Der Berliner Müggelturm gehört Große. (dpa/trh)

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