Matschige Angelegenheit: Hamburger Rad-Talent im WM-Fieber

Eike Behrens bei der deutschen Radcross-Meisterschaft
Am 10. Januar krönte sich Behrens zum deutschen U23-Meister.

Im niederländischen Hulst soll es erst am Sonntag regnen. Hamburgs Radsport-Talent Eike Behrens startet schon am Samstag bei der Cyclocross-Weltmeisterschaft, in der U23-Kategorie der Querfeldein-Titelkämpfe. Es könnte, ob nun mit Matsch oder ohne, der Beginn einer Karriere als Profi-Radsportler werden.

„Es sollte eine Eins vorne stehen“, hat sich der 20-Jährige für die WM zum Ziel gesetzt. Platz 10 bis 19 also, es wäre eine klare Steigerung zum 32. Rang im Vorjahr. Immerhin reist er als frisch gekürter deutscher U23-Meister in die Niederlande: Am 10. Januar lief und fuhr er im hessischen Bensheim unter widrigen Bedingungen allen davon. „Der gefrorene Boden ist aufgeweicht und war dann richtig lehmig, das war extrem schwer“, blickt Behrens zurück und lacht: „Zum Glück habe ich ein bisschen längere Beine als die Konkurrenz. Mir gefällt das Laufen schon sehr gut.“

Eike Behrens ist noch ein Cyclocross-Neuling

Cyclocross-Wettbewerbe dauern eine knappe Stunde, in der die Teilnehmer einen Hindernisparcours mehrfach absolvieren müssen. An manchen Stellen muss das Sportgerät – „Mountainbike und Straßenrad fusioniert“, beschreibt Behrens – ohnehin geschultert werden. Je schlechter die Bedingungen, desto häufiger. Da profitiert der Lokstedter von den Erfahrungen als 800-Meter-Läufer, die er noch vor seinem Umstieg aufs Rad sammelte. Als Sechstklässler nahm er an einem Cyclocross-Projekt der Stadtteilschule Stellingen teil, seitdem ist er mit dem Rad querfeldein unterwegs. Seit Donnerstag in Hulst, um sich an die dortige WM-Strecke zu gewöhnen.

Porträt von Radsportler Eike Behrens
Eike Behrens startet für das Stevens Racing Team.

Die Querfeldein-WM hat eine lange Tradition, bei der Premiere 1950 gewann mit dem Franzosen Jean Robic gleich ein ehemaliger Tour-de-France-Sieger. An diesem Wochenende ist die „Eins“ ohne Ziffer dahinter bei den ganz Großen wohl dem siebenmaligen Champion Mathieu van der Poel vorbehalten, der sich mit einem weiteren Triumph zum Rekordweltmeister krönen würde. Der 31-jährige Niederländer wurde 2023 auch Straßen-Weltmeister und gehört zu den Superstars des Radsports.

Mathieu van der Poel ist der Star der Cyclocross-Szene

„Wie er in sehr kurzer Zeit eine Lücke entstehen lässt, das hat er vom Cyclocross“, erklärt Behrens, wie van der Poel seine Querfeldein-Fähigkeiten auch auf der Straße nutzt. Antritte in der Kurve, Antritte am Berg … auf kurzen, intensiven Streckenabschnitten hängt van der Poel die Konkurrenz gerne ab. „Ich bin ein ähnlicher Typ“, sagt Behrens: „Hochintensive Dinge kann ich gut.“

Eike Behrens bei der deutschen Radcross-Meisterschaft
Matsch macht Behrens nichts aus: „Zum Glück habe ich längere Beine als die Konkurrenz.“

Der Hamburger steht am Anfang einer Profi-Karriere, über die die nächsten Jahre entscheiden werden. Nach seinem Abitur konzentriert er sich zunächst voll auf den Radsport, ab März geht es mit dem Team Lotto auf der Straße weiter. Das Eintagesrennen „Le Samyn“ in Belgien wird zur ersten großen Prüfung, auch der seit 1896 ausgetragenen Klassiker Paris–Roubaix im April steht in seinem U23-Rennkalender. „Man hat beim Training auch ruhigere Zeiten und kann viel besser andere Leute kennenlernen“, preist Behrens die soziale Komponente in seinem Sport.

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Behrens sei ein Bewegungstalent, das sich immer an den Stärksten orientiere, beschreibt Trainer Jens Schwedler vom Stevens Racing Team seinen Schützling vom Harvestehuder Radsportverein. Bei der WM-Generalprobe in Hoogerheide fuhr er als 22. ins Ziel. Drei Plätze schlechter als sein Minimalziel in Hulst. Aber eines ist gewiss: Auch bei schönem Wetter wird Behrens nach den Lücken suchen.