Lys ist lucky, Zverev ein Rätsel: Hamburger sorgen für Novum bei den French Open
Wenn an diesem Sonntag in Paris das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres startet, dann gibt es eine Premiere. Erstmals in der Geschichte der Major-Events kommen sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen die jeweils besten deutschen Spieler aus Hamburg. Die Laune mit der Alexander Zverev und Eva Lys zu den French Open reisten, hätte allerdings unterschiedlicher kaum sein können.
Auch wenn es nicht zu sehen ist, das Strahlen von Eva Lys ist durchs Telefon zu erahnen, als sie die MOPO im Stade Roland Garros erreicht. „Es ist unglaublich für mich, erst anzureisen, wenn die Quali schon begonnen hat“, sagt die 23-Jährige, die erstmals direkt im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers steht. „Ich muss noch ein bisschen besser lernen, das zu genießen, aber ich bin mit Blick auf die nächste Woche auf jeden Fall guter Dinge und kann eine Überraschung nicht ausschließen.“
Eva Lys spielte sich in Australien auf die Weltbühne
Lys hatte sich mit einer einmaligen Geschichte bei den Australian Open auf die Weltbühne gespielt. Als Lucky Loser war sie in letzter Minute ins Hauptfeld nachgerückt und dann bis ins Achtelfinale eingezogen. Das hatte es noch nie zuvor gegeben.
Und wer gedacht hätte, Lucky Lys würde als One Hit Wonder schnell wieder von der Bildfläche verschwinden, der sah sich in den vergangenen Wochen und Monaten getäuscht. Lys punktete fleißig weiter, machte im WTA-Ranking ständig Plätze gut und ist inzwischen die Nummer 59 der Welt und die Nummer eins in Deutschland. „Das war ein Ziel, das ich mein ganzes Leben verfolgt habe. Jetzt ist es zum Zwischenziel geworden“, sagt die Strahlefrau, die zuletzt beim Masters-Turnier in Rom die japanische Top-50-Spielerin Moyuka Uchijima mit 6:1, 6:0 vom Platz fegte. „Das war für mich noch mal ein Confidence Booster.“
Bei den French Open spielte sie schon im vergangenen Jahr stark, scheiterte nach drei Quali-Siegen in drei knappen Sätzen gegen die frühere Weltranglistenvierte Caroline Garcia aus Frankreich. Würde sie ein solches Match inzwischen gewinnen? Lys überlegt kurz. „Ich glaube schon“, sagt sie. „Ich habe jetzt die Erfahrung, die mir da noch gefehlt hat. Ich weiß jetzt, dass ich auch gegen die großen Spielerinnen gewinnen kann.“
Hamburgerin Lys blickt optimistisch auf die French Open
Entsprechend habe sie die Auslosung, die ihr in der ersten Runde die Weltranglisten-28. Peyton Stearns (USA) als Gegnerin bescherte, auch ganz entspannt am Donnerstag verfolgt. „Ich weiß, was ich kann und deswegen war es mir wirklich egal, wer kommt“, sagt Lys mit Blick auf ihr erstes Duell gegen die Halbfinalistin von Rom. „Ich freue mich einfach auf ein gutes Match.“
In ihrem Spiel gehe es nun unter anderem darum, „den Aufschlag noch zu verbessern. Da habe ich Potenzial“, sagt die Hamburgerin, die sich auch darauf freut, die Zverev-Familie in Paris wieder zu sehen. „Es macht mir immer riesigen Spaß, bei den großen Turnieren mit den anderen deutschen Spielern zusammen zu sein.“
Zverev schied in Hamburg im Achtelfinale krank aus
Der Spaß war bei Zverev allerdings zuletzt überschaubar. Bei seinem Heimturnier am Rothenbaum hatte der Weltranglistendritte nicht wie erhofft das nötige Selbstvertrauen tanken können. Im Gegenteil. Schon im Achtelfinale scheiterte er stark geschwächt am Franzosen Alexandre Muller, nachdem er sich in der Nacht zuvor mehrfach übergeben und hohes Fieber hatte. Vor dem Start ins Turnier ist der Superstar auch für sich selbst ein Rätsel.
In Paris trifft er zu Beginn auf den 19-jährigen US-Amerikaner Learner Tien. Gegen die Nummer 67 der Welt hat er in diesem Jahr schon in Acapulco verloren. Es war eine von vielen schmerzhaften Pleiten in dieser Saison. Eines aber versprach Zverev vor seiner Abreise aus Hamburg noch: „Ich werde kämpfen.“