Für die Familie: Die beste deutsche Skispringerin (29) beendet ihre Karriere
Abschied im besten Skisprung-Alter: Katharina Schmid beendet nach dieser Saison mit 29 Jahren ihre aktive Laufbahn als Profisportlerin. „Ich bin mega, mega dankbar, dass ich das Privileg hatte, in diesem Sport groß zu werden und mit diesem Sport zu wachsen“, sagte die Oberstdorferin in Fischen und damit in unmittelbarer Nähe ihrer Heimat bei einer emotionalen Pressekonferenz des Deutschen Skiverbands (DSV). „Ich durfte so, so viel erleben. So eine mega Zeit haben“, sagte Schmid mit brüchiger Stimme.
Die Olympischen Winterspiele im Februar in Italien werden der letzte große Höhepunkt ihrer außergewöhnlichen Karriere. „Ich will nicht nur dabei sein. Ich will wirklich bereit sein und da um die Medaillen mitkämpfen können.“ Schmid wird im deutschen Team eine riesige Lücke hinterlassen.
Kein überraschender Abschied
Der Abgang der siebenmaligen Weltmeisterin und zweimaligen Olympia-Silbergewinnerin kommt nicht allzu überraschend. Sie hatte sich die Option in den vergangenen Jahren und vor allem seit ihren drei WM-Goldmedaillen von Planica 2023 immer wieder offengehalten und dabei auch an die Familienplanung mit ihrem Mann Patrick gedacht.
Auch die Aussicht auf eine erstmalige Vierschanzentournee für Frauen, für die der Weg im kommenden Winter frei ist, ändert ihre Pläne nicht.
Enorme Anerkennung für Schmid
Schmid debütierte in der Saison 2011/12 mit 15 Jahren im Weltcup und prägte gemeinsam mit der 2022 abgetretenen Carina Vogt das deutsche Frauen-Skispringen. DSV-Sportdirektor Horst Hüttel sprach von einem „Riesenverlust“. Die Entscheidung sei aber nachvollziehbar und zu respektieren.

Olympiasieger Andreas Wellinger sagte voller Anerkennung: „Sie ist eine verdammt gute Athletin. Was sie über die vergangenen Jahre erreicht hat, ist bemerkenswert.“ Der nach dem vergangenen Winter zurückgetretene Markus Eisenbichler nennt Schmid „eine coole Socke“.
Die Frauen-Tournee, für die Schmid jahrelang gekämpft hat, kommt für die Allgäuerin nun knapp zu spät. Einen Traum kann sie sich dagegen noch erfüllen: Es beim Skifliegen auf „die magischen 200 Meter“ schaffen – dazu hat sie am Ende der Saison in Norwegen und Slowenien letztmals die Gelegenheit.
Schmid kämpfte für Gechlechtergerechtigkeit
Schmid verstand sich permanent als Kämpferin für mehr Geschlechtergerechtigkeit im Skispringen. Viele Verbesserungen wie dichtere Wettkampfkalender, ein aufgestocktes WM-Programm und größere mediale Aufmerksamkeit waren wichtige Schritte auf dem Weg dorthin.
Unterschiede beim Preisgeld im Vergleich zu den Männern sowie das jahrelange Warten auf die Vierschanzentournee mit den vier Stationen Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen sorgten aber auch für Verdruss.
Pferdegestütztes Mentaltraining und Masken nähen
Schmid liebt die Berge und ihre Heimatgemeinde Oberstdorf, kümmert sich in der Freizeit gerne um Tiere und spricht offen über pferdegestütztes Mentaltraining, das sie betreibt.

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In einem ARD-Interview charakterisierte sie sich einmal mit den Begriffen „bodenständig, recht fröhlich und unkompliziert“. Als der Profisport im Frühjahr 2020 von der Corona-Pandemie gestoppt wurde, nähte Schmid Schutzmasken. Sie helfe, wo sie kann, sagte sie damals. Für den aktiven deutschen Skisprung-Sport gilt das ab dem Frühjahr nicht mehr.
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Der Disziplin könnte sie allerdings in anderer Funktion erhalten bleiben. „Vielleicht hast du nicht ohne Grund deine Trainerlizenz abgelegt letztes Jahr“, sagte Hüttel direkt an Schmid gerichtet. „Ich könnte mir schon vorstellen, dass ich auch als Trainerin der Sportart erhalten bleibe“, sagte sie selbst und dachte dabei an eine Stelle im Nachwuchs. (dpa/lam)
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