„Ich will keine Zombies“: Hamburg freut sich auf den spektakulärsten Trainer der Liga

Przemyslaw Frasunkiewicz macht in der Halbzeit-Ansprache laute Ansagen
Przemyslaw Frasunkiewicz fordert von seinen Spielern immer 100 Prozent.

Derby-Time in Wilhelmsburg! Die Towers haben am Samstagabend die Chance, in der Tabelle an den Rostock Seawolves vorbeizuziehen. Die Voraussetzung: ein Sieg gegen den Tabellenneunten. Crunchtime im Inselpark. Und da dürfte auch wieder ein Mann heiß laufen, dessen Name jeder Kommentator vorher dreimal unfallfrei aufsagen sollte, bevor das Spiel beginnt: Przemyslaw Frasunkiewicz. Oder auch kurz: Coach Franz.

Der ehemalige polnische Nationalspieler übernahm im Sommer die Seawolves, die sich in der vergangenen Saison erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt gesichert hatten. Und der gebürtige Danziger, der zuvor ausschließlich in Polen gespielt und gecoacht hatte, brachte vor allem eine Sache nach Rostock: Energie!

„Coach Franz“ Frasunkiewicz ist der Ruhende vor dem Sturm

Keine Frage: Auch die Towers haben mit Benka Barloschky einen Trainer, der im Spiel explodieren kann. Im Vergleich zu Coach Franz aber wirkt sein Hamburger Pendant geradezu zahm. Dabei ist Frasunkiewicz neben der Platte keineswegs ein Hitzkopf. Wer sich mit dem 46-Jährigen unterhält, der erlebt einen Menschen, der betont, wie wichtig ihm die Stille ist. Vor Spielen wird er zum Ruhenden vor dem Sturm. „Wenn man sich am Spieltag zu aufgeregt verhält, wird man im Spiel nicht abliefern können“, sagt er im Gespräch mit der MOPO.

Aufladen. Entladen. Das scheint ein Prinzip des 2,01-Meter-Mannes zu sein. Leidenschaft. Ehrgeiz. Wut. Das fordert er ein. Das bringt er ein. Immer zu 100 Prozent. „Ich fordere kein bestimmtes Skillset“, sagt er. „Ich fordere 100-prozentigen Einsatz.“ Mit vollen Emotionen. „Ich bevorzuge emotionale Spieler und keine Zombies – wie ich sie nenne“, betont er, „mit so einer Art von Persönlichkeit kann ich nicht arbeiten.“ Diesen Anspruch sieht er in der BBL deutlich stärker erfüllt als in der polnischen Liga. „Ich liebe meine deutschen Spieler“, sagt Frasunkiewicz. „Sie tun alles, was sie tun sollen und heulen dabei nicht rum.“

Frasunkiewicz: „Ich werde nicht trainieren, bis ich 60 bin“

Die Härte des Coaches wirkt. Die Seawolves spielen die beste Saison ihrer Vereinsgeschichte. Doch der Grat ist schmal, auf dem sich Coach Franz bewegt. Vor drei Wochen ging er einen Schritt zu weit, eine vermeintliche Fehlentscheidung der Schiedsrichter ließ seine Sicherung durchbrennen. Innerhalb kürzester Zeit kassierte Frasunkiewicz zwei technische Fouls, seine Spieler mussten ihn hindern, auf den Schiri loszugehen. Der Coach musste die Halle verlassen. Abkühlen.

Eine Ausnahme, betont er. Das Ganze sei nur passiert, weil er gar nicht mitbekommen habe, dass das erste technische Foul ihm angehängt wurde. Abgehakt. Doch der Vater einer 18-jährigen Tochter und eines zweijährigen Sohnes weiß, dass diese enorme Energie, mit der er coacht, aufreibend ist. Auch für ihn selbst. Die Kraft, die es kostet, ist endlich. „Ich werde nicht trainieren, bis ich 60 bin. Das wäre mir nicht möglich“, sagt Frasunkiewicz. Ein Jugendtrainer, zu dem er bis heute aufschaut, habe ihm schon sehr früh geraten, als Trainer aufzuhören, bevor es zu spät sei. „Denn dieser Job raubt einem so sehr die Energie, dass du am Ende deine Familie zerstören würdest.“

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Noch aber ist sie da, die Energie. Zu 100 Prozent. Und aus diesem Grund: Towers, aufgepasst – jetzt kommt Franz!