Ein HSV-Graffito an der Wand des Hauses in der Schützenstraße 16.

Die Schützenstraße 16 ist Austragungsort eines Stadtderbys fernab vom Rasensport. Seit mehreren Jahren übermalen Fans beider Vereine die Graffiti des jeweils anderen Vereins. Zur Zeit dominiert der HSV. Foto: Alexander Palm

Graffiti-Krieg: Das virale Derby an der Häuserwand

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Der HSV gegen den FC St. Pauli: In Bahrenfeld wird das Hamburger Fußball-Derby nicht auf dem Platz entschieden, sondern an einer Backsteinwand an der Schützenstraße. Seit Jahren tauchen hier immer wieder die Farben der rivalisierenden Clubs auf, werden übermalt, zurückerobert, neu interpretiert. Schicht für Schicht wächst ein kreativer Wettstreit fernab des Rasens heran.

Das jüngste Derby zwischen den beiden erfolgreichsten Fußballklubs der Stadt endete 0:0 – für viele ein ernüchterndes Ergebnis. An der Schützenstraße wirkt das allerdings ganz anders: Dort prangt seit einigen Wochen wieder ein frisches HSV-Logo, so prunkvoll, als hätte der Verein gleich den DFB-Pokal mitgewonnen.

Wie lange es bleibt, weiß niemand. Erfahrungsgemäß nicht sehr lange. Irgendwann wird jemand kommen, die Farbe auf Braun-Weiß wechseln und ein neues Zeichen setzen. Dann beginnt alles von vorn.

Kreatives Derby in Bahrenfeld geht auf Instagram viral

Beobachtet wird dieses stille Kräftemessen aus einem Bürofenster direkt gegenüber. Caspar Domizlaff, 45, Geschäftsführer der Animationsfirma „Moin Motion“, sitzt seit Jahren an seinem Schreibtisch und blickt auf die Wand. Irgendwann begann er, das Geschehen zu fotografieren – erst aus Neugier, dann aus Routine.

Über zwei Jahre hinweg sammelte er Aufnahmen der laut eigener Aussage mehr als 50 Schichten Graffiti und erstellte daraus eine Animation. Zum Derby veröffentlicht, ging das Video binnen weniger Tage viral und erreichte auf Instagram mehrere hunderttausend Aufrufe.

Und unten auf der Straße? Gelassenheit. Eine Anwohnerin sagt, das gehe seit mindestens sieben Jahren so, der Vermieter mache längst nichts mehr weg. Es störe sie nicht, kurze Zeit später sei ohnehin alles neu.

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Fußballfans seien hier die wenigsten, wie ein anderer Anwohner sagt: „Fußball ist für mich ein Idiotensport. 20 Millionäre jagen einem Ball hinterher und zwei wollen mit ihm kuscheln.“

Domizlaff sieht das anders. Er ist Fußballfan, sein Herz schlägt für beide Vereine. „Hate me for it“, sagt er. „Ich wünsche beiden Teams immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel. Nur dem HSV ein kleines bisschen mehr. Und erst recht beim Derby.“

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