Sportmix
Gold! Deutscher Olympia-Held ist Europameister - auch der Achter darf jubeln
Ruder-Olympiasieger Oliver Zeidler holt zum vierten Mal EM-Gold. In die WM in knapp drei Wochen geht er als Topfavorit.
Oliver Zeidler schien beinahe zu fliegen. In unnachahmlicher Manier zog der Einer-Olympiasieger im Finale der Ruder-Europameisterschaften auf dem Lago di Varese gleich nach dem Start der Konkurrenz auf und davon – mit neuer EM-Rekordzeit und einem gewaltigen Vorsprung glitt er über die Ziellinie. Als ihm kurz darauf sein viertes EM-Gold nach 2019, 2021 und 2024 um den Hals gehängt wurde, huschte ein entspanntes Lächeln über sein Gesicht.
Bei seiner Machtdemonstration knapp drei Wochen vor den Weltmeisterschaften in Amsterdam (24. bis 30. August) ruderte Zeidler in einer anderen Welt. Gewaltige 3,55 Sekunden lag der 30-Jährige, der für die 2000 Meter 6:36,39 Minuten benötigte und damit seinen Halbfinal-Rekord verbesserte, vor Titelverteidiger Yauheni Zalaty (Belarus). Der griechische Weltmeister Stefanos Ntouskos, hinter dem Zeidler bei der WM 2025 „Silber mit Goldrand“ gewonnen hatte, lag als Dritter 4,58 Sekunden zurück.
Deutschland-Achter gewinnt Silber
Nach einer Art Übergangsjahr, in dem Zeidler wegen seines Studiums die EM ausgelassen hatte, war die kontinentale Meisterschaft nur „Gradmesser“ für den Ausnahme-Ruderer aus München. Die WM soll sein Saisonhöhepunkt werden, auch in Amsterdam rudert er um seinen vierten Titel. Zeidlers großes Ziel sind die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles, bei denen er nach Paris sein zweites Gold holen will.
Der Achter, der bei der WM vor einem Jahr nur das B-Finale gewonnen hatte, holte nach einer Umbesetzung vor der EM immerhin die erhoffte Medaille. Hinter den favorisierten Rumänen, die ihren ersten EM-Titel im Großboot gewannen, belegte das einstige Flaggschiff des DRV mit 2,9 Sekunden Rückstand Platz zwei. Auf den ersten Sieg bei einer internationalen Meisterschaft seit dem EM-Titel 2020 muss das DRV-Großboot weiter warten.
Achter: Briten und Niederländer waren nicht am Start
Im Finale, das wegen eines Gewitters über der Lombardei mit Verzögerung gestartet wurde, lag der deutsche Achter bis zur 1000-Meter-Marke knapp in Führung, dann zogen die Rumänen Schlag um Schlag vorbei. Olympiasieger Großbritannien und Weltmeister Niederlande waren nicht am Start.
Nach den vierten Plätzen bei den Weltcups in Sevilla Ende Mai und in Luzern Ende Juni hatte der Achter vor der EM eine Umbesetzung vorgenommen: Neu im Boot saß Frederik Breuer, der auch die Position des Schlagmanns übernahm. Mit Breuer ruderten Sönke Kruse, Theis Hagemeister, Olaf Roggensack, Mattes Schönherr, Tassilo von Müller, Julius Christ, Paul Klapperich und Jonas Wiesen.
Deutschland auf Platz zwei im Medaillenspiegel
Für den Deutschen Ruderverband (DRV) war Zeidlers Sieg der zweite in den olympischen Bootsklassen nach dem Goldrennen des Männer-Doppelvierers am Samstag. Silber holten neben dem Achter auch der Frauen-Vierer und der Frauen-Doppelvierer. Im Männer-Vierer sicherte sich das DRV-Boot Bronze. Im bulgarischen Plovdiv hatte 2025 der Frauen-Doppelvierer mit Silber für die einzige deutsche Medaille gesorgt.
In Italien gewannen die Athletinnen und Athleten des DRV außerdem die Titel im Para-Mixed-Doppelzweier, im Para-Mixed-Zweier und im Leichtgewichts-Zweier. Silber ging zudem an Fabio Kress im Leichtgewichts-Einer, an den Mixed-Doppelzweier und den Mixed-Achter. Mit insgesamt zwölf Medaillen (5 Gold/6 Silber/1 Bronze) belegte Deutschland im Medaillenspiegel Platz zwei hinter Rumänien. (sid/mp)
Sie sind bereits M+ Abonnement?