Erst Coach, dann Endgegner: Teenie-Traumreise am Rothenbaum endet im deutschen Duell
Das war sie also, die große Traumreise des deutschen Top-Talents Max Schönhaus (18). Sein Sensations-Lauf ins Hauptfeld der Bitpanda Hamburg Open endete in der ersten Runde nach einem langen Kampf gegen den 16 Jahre älteren Yannick Hanfmann. Der 34-Jährige verriet nach dem Match, dass er Schönhaus in der Qualifikation mit Ratschlägen unterstützte. Trotz der Niederlage im deutschen Duell am Rothenbaum erreichte Schönhaus gleich mehrere persönliche Bestwerte. Topspieler Alex de Minaur tat sich derweil im „vorgezogenen Finale“ schwer.
Vor dem Turnier erwirtschaftete Teenager Schönhaus in seiner noch so jungen Karriere insgesamt 49.348 Dollar an Preisgeldern. Allein für die Teilnahme an der ersten Runde bei den Hamburg Open kamen nun 17.310 Euro obendrauf – Rekord für ihn. Gegen Hanfmann kämpfte er nicht nur um den Einzug in die zweite Runde, sondern auch um 32.460 Euro sowie 50 Punkte für die Weltrangliste. In der stand er noch vor acht Monaten außerhalb der Top 1000. Durch seinen Quali-Lauf steigerte er seine bisherige Bestplatzierung (470) in der Live-Rangliste bis auf Rang 382. 50 Punkte mehr wären gleichbedeutend mit einer vorübergehenden Steigerung auf Platz 302 gewesen.
Schönhaus kämpfte gegen Hanfmann bis zum Schluss
Gegen Hanfmann war für den 18-Jährigen dann aber Schluss am Rothenbaum. Der beste Deutsche des Turniers erspielte sich im ersten Durchgang zwei Breakbälle – und verwandelte beide zum entsprechenden 6:3. Beim Stand von 6:3, 5:4, 30:30 fehlten Hanfmann nur noch zwei Punkte für den Einzug in die zweite Runde. Doch Schönhaus kämpfte sich zurück und konnte wenig später seinen zweiten Breakball des Matches zum 6:5 nutzen. Hanfmann gelang zwar das Rebreak, im Tiebreak konnte Schönhaus den Satz jedoch mit 7:6 (7:5) für sich entscheiden.
Es ging also tatsächlich in den entscheidenden dritten Satz. Ganz zur Freude der Fans, die den Kampfgeist des Youngsters mit tatkräftiger Unterstützung belohnten. Seit Mitte des zweiten Satzes warteten derweil zahlreiche Kinder hinter den Spielerbänken und hofften auf Autogramme.
Hanfmann bringt Break am Rothenbaum ins Ziel
Im finalen Satz ging Hanfmann früh mit einem Break in Führung. Anschließend hatte Schönhaus vier Chancen zum Rebreak, konnte das 0:40 bei gegnerischem Aufschlag jedoch nicht nutzen. Danach ließ sich Hanfmann die Führung nicht mehr vom Schläger nehmen und gewann schlussendlich mit 6:3, 6:7 (5:7), 6:4. Nach 2:15 Stunden ließ er sich von den Zuschauenden als Sieger des deutschen Duells am „German Tennis Day“ feiern. Erst jedoch wurde Schönhaus mit einem gebührenden Applaus vom Center Court verabschiedet. Hanfmann trifft in der zweiten Runde auf den Sieger des Matches zwischen Luciano Darderi (16.) und Roman Andres Burruchaga (66.)
„Max hat richtig gut gespielt, das war heute richtig, richtig schwierig, damit umzugehen. Gegen jemanden, der jung ist, hier frisch aufspielt und auch eine richtig gute Quali gespielt hat“, widmete Hanfmann unmittelbar nach der Partie lobende Worte an Schönhaus. „Ich bin stolz, dass ich das hingekriegt habe.“
Hanfmann über Schönhaus: „Der wird kommen“
Kurios: Hanfmann war persönlich am Quali-Lauf von Schönhaus beteiligt. „Ich habe mit seinem Coach Petzschner (Junioren-Bundestrainer Philipp Petzschner; d. Red.) über die letzten beiden zwei Matches geredet“, verriet er nach seinem Sieg. „Wir haben da analysiert, haben geguckt, was er machen kann, um die zu schlagen. Ich bin dann auch in der Corner von ihm.“ Als sie von dem Aufeinandertreffen erfahren haben, habe Petzschner ihn angerufen und gefragt: „Kann ich Max coachen gegen dich?“ – „Ja natürlich“, sei die Antwort gewesen. Auch das konnte Schönhaus nicht ganz zum Sieg verhelfen.
Hanfmann verglich das deutsche Talent mit Richard Gasquet. „Er ist nicht nur ein guter, sondern auch ein interessanter Spieler. Er spielt ‘ne einhändige Rückhand, geile Stops. Ich habe heute glaube ich kein einziges Highlight für mich sehen können.“ Er sei sich sicher: „Das ist ein Spieler, der wird kommen, da freue ich mich auch drauf.“
Schönhaus zeigte sich derweil keineswegs niedergeschlagen. Vielmehr sei er „extrem happy“ über seine Spiele. Über Hanfmanns Worte freue er sich sehr. „Mein Coach war ein bisschen im Austausch mit ihm, er ist ein mega lieber Mensch und ein toller Tennisspieler“, sagte Schönhaus auf der Pressekonferenz nach dem Match. „Es war eine Ehre, gegen ihn zu spielen.“ Hanfmanns Worte seien eine „kleine Bestätigung, dass wir die Sachen gut machen. Natürlich motiviert das nochmal mehr, wenn man sowas von den größeren Spielern hört.“
De Minaur gewinnt „vorgezogenes Finale“
Zuvor fand auf dem Center Court bereits das von Turnierdirektor Enric Molina ausgerufene „vorgezogene Finale“ statt. Zunächst tat sich der an drei gesetzte Alex de Minaur (8.) gegen den Argentinier Francisco Cerundolo erheblich schwer und verlor den ersten Satz mit 3:6. Anschließend fand er besser ins Spiel und drehte souverän auf 3:6, 6:4, 6:3. Für de Minaur war es der erste Sieg seit über einem Monat und drei Niederlagen in Folge.
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„Es waren ein paar harte Situationen auf dem Platz in den vergangenen Wochen“, sagte der Australier wenige Minuten nach dem Match. Jetzt sei er „sehr stolz“ auf sich, ein solches Spiel für sich entschieden zu haben. „Ich habe die letzten Wochen viel gelitten und war nicht glücklich mit meinem Spiel. Ich bin einfach glücklich, mich selbst wieder gefunden zu haben.“ Für de Minaur geht es in der zweiten Runde gegen Alejandro Davidovich Fokina, der sich souverän gegen Corentin Moutet durchsetzte.
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