Er zog aus und eroberte die Welt: Was den Hamburger Hollatz am EM-Triumph so freut

Justus Hollatz mit seiner Familie bei der Basketball-EM
Justus Hollatz feiert den EM-Triumph mit seiner Mutter Manuela, seiner Freundin Carina, seinem Vater Dirk und seinem Agenten Milan Nikolic.

Weltmeister 2023. Europameister 2025. Der Hamburger Justus Hollatz kann den Doppel-Triumph der deutschen Basketballer selbst kaum fassen. Bevor er mit Bayern München gegen seinen Ex-Klub Veolia Towers Hamburg antritt, hat er mit der MOPO gesprochen.

„Am Dienstag habe ich erst mal alle aus der Familie angerufen, die ich noch nicht gesehen hatte“, erzählt Hollatz der MOPO einige Tage nach dem EM-Finalsieg gegen die Türkei: „Es ist immer noch sehr surreal. Es klingt komisch, dass man beides geschafft hat. Das kommt im Sport ja nicht so oft vor.“

Justus Hollatz startete in der Schule mit Basketball

Diesen Doppelerfolg hätte sich der 24-Jährige aus Harburg kaum träumen lassen, als er als kleiner Junge zum ersten Mal auf Korbjagd ging. „Meine beiden älteren Brüder haben mit der Basketball-AG begonnen, da bin ich einfach mal mitgegangen“, erzählt Hollatz von seiner Grundschulzeit. Das Schulprogramm setzte sich in der Freizeit fort: Im Garten wurde Zwei-gegen-Zwei gespielt – Justus an der Seite von Vater Dirk gegen Jacob und Joshua.

Justus Hollatz in einem Spiel für die Hamburg Towers
Mit 17 debütierte Justus Hollatz für die Towers, mit 21 wurde er für sie zu groß.

Justus Hollatz spielte auch Fußball beim FC St. Pauli, entschied sich dann aber für das größere Spielgerät. „Dass Basketball ein wichtiger Teil meines Lebens sein würde, wusste ich relativ früh“, blickt er zurück: „Dass ich Profi werden könnte dann mit Ende 16, Anfang 17.“ Damals spielte er für Rist Wedel in der dritthöchsten Klasse und mit den Piraten Hamburg in der Nachwuchs-Bundesliga – und wurde 2018 von den Towers verpflichtet.

Nach dem prompten Aufstieg spielte Hollatz in Wilhelmsburg drei Jahre Bundesliga. „Auf dem Parkett präsentiert er sich wie ein erfahrener Veteran“, urteilte die MOPO im Mai 2021 über den damals 20-Jährigen. Ein Mittelfeld-Team wie die Towers war auf Dauer zu klein für die Fähigkeiten des mehrfach zum Bundesliga-Nachwuchsspieler des Jahres gekürten Hollatz. 2022 wechselte er erst nach Spanien, dann in die Türkei, ehe er im Sommer beim deutschen Meister aus München anheuerte. „Jede Erfahrung hat dazu beigetragen, was für ein Spieler ich bin“, zieht Hollatz Bilanz: „Bei Bayern München will ich jetzt den nächsten Schritt machen.“ Dort spielt er an der Seite der Ebenfalls-Europameister Oscar Da Silva, Leon Kratzer, Andreas Obst und Johannes Voigtmann.

Justus Hollatz verletzte sich bei der Basketball-EM

Bei der EM biss sich Hollatz am Ende durch. Aus Riga brachte er nicht nur Gold, sondern auch eine Verletzung mit. Im Viertelfinale gegen Slowenien knickte er beim Versuch der Balleroberung um und musste aufs Halbfinale gegen Finnland verzichten. Im Endspiel stand er dann wieder für knapp sechs Minuten auf dem Parkett. „Gut sieht es immer noch nicht aus, aber ein Finale will man natürlich nicht verpassen“, sagt der Point Guard, der beim WM-Triumph 2023 im Endspiel gegen Serbien zuschauen musste und sich die neuerliche Gelegenheit partout nicht entgehen ließ. Insgesamt brachte er es bei der EM auf 81:35 Minuten Spielzeit mit 18 Punkten, zehn Assists und 13 Rebounds – Werte eines wichtigen Ergänzungsspielers hinter den Stars um Kapitän und NBA-Profi Dennis Schröder.

Justus Hollatz wirft einen Korb bei der Basketball-EM
Justus Hollatz (1,95 Meter) zeigte bei der ​​​​​​​EM auch seine Dunking-Qualitäten.

Basketball boomt. Der überraschende Weltmeister-Titel vor zwei Jahren, epischer Halbfinal-Thriller gegen die USA inklusive, hat einiges bewegt. „Man merkt, dass die Hallen einfach voller sind und das Interesse für Länderspiele gewachsen ist“, freut sich Hollatz: „Wenn man dann guckt, wie viele kleine Kinder da sind … das ist genau das, was wir wollten.“ Größere Hallen wären schön, findet er – aber auch bessere Körbe auf Spielplätzen und Freizeitanlagen, um den Nachwuchs auf den Geschmack zu bringen. „Ich hoffe, dass die Entwicklung weitergeht und wir zeigen können, dass Basketball ein cooler Sport ist. Die ganze Zeit passiert etwas – und die Spieler sind sehr bodenständig und nahbarer als in anderen Sportarten.“

Familiär geradezu. Wie bei den Hollatz’, von denen sich am 5. Oktober zwei Familienmitglieder gegenüberstehen werden. Justus empfängt mit den Bayern die Veolia Towers Hamburg, bei denen Jacob als Co-Trainer arbeitet. Der heute 26-Jährige verließ schon mit 14 das Elternhaus, um in der Oldenburger Akademie ausgebildet zu werden. Mit Oldenburg gewann der ältere Bruder dann auch das letzte Bundesliga-Spiel Hollatz gegen Hollatz.

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„Jacob war ein Vorbild, auch weil er früh von zu Hause weggegangen ist“, sagt Justus Hollatz gut zwei Wochen vor dem Duell mit seinem Ex-Klub. Auf einen Höhepunkt wie bei der EM folgt meist der Alltag – aber manchmal hält auch der einiges parat. „Gegen den Heimatverein zu spielen, ist besonders – und vielleicht auch ein bisschen komisch“, erwartet Hollatz, der sein erstes Duell gegen die Towers im April 70:74 verlor: „Nicht nur meinen Bruder, auch den Cheftrainer und ein paar Jungs dort kenne ich schon lange.“ Für die Towers ist die Reise nach Bayern noch weit weg. Am Mittwoch (20 Uhr, Inselparkhalle) erwarten sie in der ersten Pokalrunde die Bamberg Baskets.