Eiserne Rebecca aus Poppenbüttel erfüllt sich WM-Traum auf Hawaii
Raus aus dem beschaulichen Poppenbüttel, hinaus in die große weite Welt: Auf Triathletin Rebecca Suhr wartet das wohl größte Abenteuer ihres Lebens. Im Oktober startet die 25-Jährige bei ihrem zweiten Ironman – der Weltmeisterschaft auf Hawaii. Schon der Gedanke an die unglaubliche Reise macht Suhr „super nervös“, wie sie sagt. Doch die Herausforderung ist nicht nur körperlich und mental gewaltig – auch finanziell wird das Rennen ein Kraftakt.
„Es hat tatsächlich im Seepferdchen-Kurs angefangen“, erinnert sich Suhr. „Meine Schwester war Wettkampfschwimmerin – und ich wollte immer das machen, was sie gemacht hat.“ Als sie ihre erste Bahn schwimmen konnte, folgte sie ihrer Schwester ins große Becken. Ein Umzug von Flensburg nach Stade brachte sie schließlich zum Triathlon. „Ich hatte die Leichtathletik-WM im Fernsehen gesehen und fand, das sah cool aus“, sagt sie. In ihrem neuen Verein nahm Suhr zunächst am Lauftraining teil, bis ihre Trainer sie zu mehr ermutigten: „Komm, fahr auch noch Fahrrad, dann kannst du den Triathlon machen.“
Triathlon: Rebecca Suhr verbesserte sich immer weiter
Was als spielerischer Einstieg begann, wurde zur Leidenschaft. „Anfangs habe ich gerade so die Schwimmdistanzen – vermindert für Kinder – geschafft. Ich habe mich gerade so über Wasser gehalten und beim Radfahren konnte ich nicht aufsteigen. Ich bin kaum in den Gang gekommen“, erzählt Suhr der MOPO. „Über die Zeit wurde es aber besser. Ich wollte immer mehr und dann habe ich auch die Distanzen erhöht.“
Mit 16 Jahren meldete sie sich in Hamburg gleich für die Triathlon-Sprintdistanz (500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und fünf Kilometer Laufen) an. Zwei Jahre später folgte die Olympische Distanz (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen). „Hamburg ist für mich eine Triathlon-Stadt“, sagt sie. „Fast jeder kennt jemanden, der es auch macht. Auch wenn es eine Einzelsportart ist, habe ich das Gefühl, dass man das mit anderen zusammen macht.“ Im Juli startet Suhr wieder beim Hamburg-Triathlon – eines von vielen Events in der Hansestadt zur Vorbereitung. Die Grundlage dafür legte sie in einem dreiwöchigen Trainingslager auf Mallorca. „Das ist für mich ein Sprungbrett für die Saison“, erzählt sie.
Triathletin Suhr ist im Haushalt auf ihren Mann angewiesen
Die Trainingsmonate der Triathletin sind intensiv: Bis zu 15 Stunden pro Woche stehen im Sommer auf dem Plan. Dabei ist sie auf Unterstützung angewiesen: „Mein Mann nimmt mir viel im Haushalt ab und kümmert sich um 90 Prozent des Essens.“ Nebenbei arbeitet Suhr in einer Physiotherapiepraxis und schreibt ihre Masterarbeit im Studiengang Prävention und Gesundheitsmanagement – Zeit für Freizeit bleibt da kaum. Eine Leidenschaft, die auch ihre Schattenseiten hat, wie sie selbst zugibt.
Nun wartet die ultimative Herausforderung: Der Ironman auf Hawaii. „Schwimmen ist für mich das Warm-up, Radfahren die Herausforderung und Laufen die Belohnung“, beschreibt sie ihre Herangehensweise bei der Königsdisziplin des Triathlons. Doch die Bedingungen auf der US-Pazifik-Insel sind brutal: „Man hat keinen Schatten auf der ganzen Strecke.“ Die Zahlen sind beeindruckend wie furchteinflößend – 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und zum Schluss, eben als Belohnung für Suhr, ein Marathon über 42,195 Kilometer.
2024 beendete Rebecca Suhr ihren ersten Ironman
Wie fordernd das sein kann, erlebte die Hamburgerin 2024 in Frankfurt bei ihrer Premiere. „Circa bei Kilometer 130 auf dem Fahrrad hatte ich ein mentales Loch“, erzählt sie. „Ich habe mir gesagt: Ich bin toll, ich schaffe das und mein Mann wartet im Ziel auf mich.“ Auf Hawaii hofft sie, ihre Zeit von 12 Stunden und 19 Minuten zu unterbieten. „Ein perfektes Rennzeit wäre unter zwölf Stunden“, weiß Suhr. Doch realistisch sei das mit Blick auf die Bedingungen kaum: „Mein Trainer schätzt, dass ich zwischen zwölf und 13 Stunden brauchen werde. Am Ende werde ich glücklich sein, wenn ich es ins Ziel schaffe.“
Neben der körperlichen Belastung muss die 25-Jährige auch finanzielle Herausforderungen stemmen: Unterkunft, Flug, ein Fahrradkoffer für den Transport, dazu 1500 Euro Startgebühr. Sponsoren hat sie bisher nicht gefunden: „Die meisten Firmen unterstützen keine Einzelsportler“, berichtet Suhr. Deshalb sammelt sie nun über einen Spendenlink Geld für ihre Reise.
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Trotz aller Hürden blickt Rebecca Suhr voller Vorfreude auf den Oktober. „Für mich ist schon die gesamte Reise aufregend, weil ich noch nie außerhalb Europas war.“ Und am Ende wartet im Ziel wieder ihr größter Unterstützer: ihr Mann.