„Ein Popstar“: Weltmeister-Athletiktrainer verrät sein Bessermacher-Geheimnis
Wenn eine Mannschaft im Sport ein Turnier gewinnt, dann heißt es danach oft, „ohne unseren Staff“ wäre das nicht möglich gewesen. Und meistens bleibt einigermaßen unkonkret, um wen es sich dabei eigentlich handelt. Als die Basketball-Nationalmannschaft im vergangenen Jahr Weltmeister wurde, da verhielt sich dies ein wenig anders, insbesondere ein Mitglied aus der Riege an Masseuren, Busfahrern und Köchen erlangte Bekanntheit: Fitnesscoach Arne Greskowiak.
„So ein richtiger Athletiktrainer-Popstar“ sei Greskowiak, sagte kürzlich NBA-Star Moritz Wagner über den 39-Jährigen. Anlass der Einlassung: Der Fitnesstrainer hat ein Buch über seine Arbeit geschrieben, Titel: „Bessermacher“. Ob er das sei, ein Bessermacher, was ja eine durchaus selbstbewusste Zuschreibung wäre? Oder sind damit all diejenigen gemeint, die ihn besser gemacht haben? „Es ist beides gemeint“, sagt er im Telefongespräch mit der MOPO. Er sei natürlich nicht der alleinige Bessermacher und für jeden gemacht, „aber ich glaube, wer mit mir arbeitet, wird auf irgendeine Art und Weise besser“. Andersherum habe er von all den Menschen, mit denen er selbst gearbeitet habe, „unfassbar viel gelernt“.
Greskowiak ist während des Gesprächs auf Ibiza, Saisonvorbereitung mit Dortmund-Stürmer Youssoufa Moukoko, im Hintergrund zwitschern die Vögel. „Ich kann mich nicht beschweren“, sagt er.
Schröder über Greskowiak: „Hätte ich ihn früher kennengelernt, würde ich bis 50 spielen“
Was man grundsätzlich sagen kann über seine Fitnesstrainerkarriere, die ihren Anfang bei der Bundeswehr nahm. Beim Gebirgsjägerbataillon habe er gemerkt, „dass ich ganz gut bin, wenn es darum geht, die Arschbacken zusammenzukneifen“. Und, dass er gute Fähigkeiten habe, „Leute zu motivieren und mitzuziehen“. Es folgte ein einjähriges Praktikum im Fitnessstudio, ein Studium der Sportwissenschaften, 2011 dann gründete er ein Zentrum für Personal-Training in Köln.
Und ging derweil Schritt für Schritt seinen Weg in den Profisport. Jugend-Footballnationalmannschaft, Judo, Feldhockey, Drittliga-Basketball. Inzwischen betreut er unter anderem die Eishockey-Nationalmannschaft und Stürmer Leon Draisaitl, bei Turnieren die Basketball-Nationalmannschaft und abseits davon ihren Kapitän Dennis Schröder. „Ich bin jetzt 30 Jahre alt und fühle mich wie 23“, sagt Schröder über das Wirken seines Coaches. „Und hätte ich ihn schon früher kennengelernt, würde ich wahrscheinlich bis 50 spielen.“
Deutsche Basketballnationalmannschaft trifft am 13. Juli in Hamburg auf die Niederlande
Greskowiak wird auch dabei sein, wenn sich das Team von Noch-Trainer Gordon Herbert in Hamburg auf die Olympischen Spiele in Paris (26. Juli bis 11. August) vorbereitet. Am 13. Juli trifft der Weltmeister in der Barclays Arena auf die Niederlande.
Greskowiak wird die Mannschaft vorbereiten, wie er es immer tut, man kann das am besten überschreiben mit: Zuckerbrot und Peitsche. Der Kölner nennt ein Vertrauensverhältnis zu seinen Athleten „das primäre Ziel bei allem, was ich tue“; er führt Interviews mit ihnen und postet sie auf Instagram, alles locker, Zuckerbrot. „Es kann auch freundschaftlich sein, aber ich bin nicht mit denen befreundet“, sagt er. „Das Training soll ihnen nicht unbedingt Freude bereiten. Es soll nicht jeden Tag Spiel, Spaß, Spannung sein.“ Peitsche.
Greskowiak: „Es gilt, die Pokalbilder aus den Whatsapp-Profilbildern zu löschen“
Und „ein Balanceakt“, wie Greskowiak sagt, der sich selbst als „ein bisschen lauter, intensiver als andere“ beschreibt. „Wenn ich dir auf den Keks gehe, dann nur zu deinem Wohlwollen. Wenn ich dich anschreie, dann nicht um dir zu schaden, sondern nur, damit du gewinnst“, erklärt er. Das verstünden Athleten, bei dem einen gehe das schneller, bei anderen – wie Schröder – „hat es sehr, sehr lange gedauert“. Aber am Ende doch geklappt, man konnte das sehen bei der WM.
Und bei Olympia? Worauf wird es in Paris ankommen für Greskowiak und die Basketballer? „Es gilt, die Pokalbilder aus den Whatsapp-Profilbildern zu löschen“, sagt er, das Vergangene müsse man „ins Regal stellen“. Und bestenfalls können sie nach dem olympischen Turnier eine Medaille dazulegen.
„Bessermacher“ ist bei Herder erschienen und kostet 20 Euro.