Kiels Torhüter Andreas Wolff reckt jubeln die Fäuste empor

Gut gebrüllt, Wolff! Der Torwart-Gigant des THW Kiel hielt den Sieg seiner Mannschaft fest und sicherte in letzter Sekunde den Finaleinzug Foto: IMAGO/Philipp Stevens

EHF Finals in Hamburg: Wolff rettet Kiel ins Endspiel, Melsungen schockt Flensburg!

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Traumfinale bei den EHF Finals geplatzt! Kein Handball-Derby der Nord-Rivalen im Volkspark um eine die Trophäe der European League. Während der THW Kiel ablieferte und ins Finale am Sonntag einzog, erwischte Titelverteidiger SG Flensburg-Handewitt einen rabenschwarzen Tag und ließ sich von der MT Melsungen vor 11.000 Zuschauenden in der Hamburger Barclays Arena phasenweise vorführen. Die Pleite dürfte Trainer Ales Pajovic am Saisonende den Job kosten. Die Melsunger „Partycrasher“ greifen jetzt nach der Krone, wollen auch Kiel schocken und neben dem ersten Pokal der Vereinsgeschichte den nicht minder wertvollen Bonus-Preis einheimsen: die Teilnahme an der Champions League.

Es wird nicht einfach für die beiden Final-Rivalen, sich im Vorfeld des Endspiels am Sonntag (18 Uhr) aus dem Weg zu gehen, denn beide Mannschaften und die Delegationen aus Melsungen und Kiel haben für das Wochenende der Endrunde im Leonardo Hotel in Altona eingecheckt und sind quasi Mitbewohner. Im Fußball undenkbar, im Handball geht so etwas.

Ungewöhnlich war auch, dass die Paarungen im Halbfinale am Samstag identisch mit denen der EHF Finals 2025 an gleicher Stelle waren. Mit dem gravierenden Unterschied am Ende des ersten Tages, dass diesmal beide Duelle andere Sieger hatten – Überraschung inklusive.

Handball: Kiel bei EHF Finals in Hamburg im Endspiel

Im ersten Semifinale hatte diesmal der deutsche Rekordmeister Kiel gegen Montpellier HB die Oberhand behalten. In einem harten und hitzigen Handball-Krimi kämpfte der THW den französischen Topklub mit 29:28 (15:12) nieder und ließ die rund 2000 THW-Fans in der Arena jubeln.

Held des spannenden Schlagabtauschs war Nationalkeeper Andreas Wolff, der in den letzten Sekunden der Partie Sekunden nacheinander zwei Würfe der Franzosen entschärfte und nach der folgenden Schlusssirene von seinen Mitspielern stürmisch gefeiert wurde.

„Wir müssen uns bei Andi bedanken“, lobte THW-Rechtsaußen Lukas Zerbe die entscheidenden Paraden der Nummer eins und atmete tief durch. „Es war ein verrpücktes Spiel. Aber das ist Handball – es geht so schnell hin und her.“ Rückraum-Routinier Domagoj Duvnjak nannte seine Kieler die „glücklichen Sieger“.

Andreas Wolff sichert Sieg von Kiel mit Doppel-Parade

Unter den Augen von Bundestrainer Alfred Gislason hatte der THW nach ausgeglichener und auf beiden Seiten hektischer Anfangsphase nach 20 Minuten absetzen können und sogar eine Fünf-Tore-Führung (15:10/26.) herausgespielt. Doch dann ging im Angriff lange sio gut wie gar nichts mehr. Duvnjak & Co. gelangen halbzeitübergreifend nur noch ein Tor und Montpellier gelang der 16:16-Ausgleich (37.). Fünf Minuten später führten die Franzosen sogar 20:18.

Die Kieler stellten im Angriff auf Sieben gegen Sechs um und kamen mit einem zusätzlichen Feldspieler anstelle eines Torwarts wieder besser ins Spiel, konnten die Partie wieder drehen und sich auf 25:22 (50.) absetzen, aber auch diese Führung schmolz wieder zusammen, sodass am Ende Wolff den Sieg und Finaleinzug retten musste.

Wolff hält drei Siebenmeter, Franzosen treffen dreimal Alu

Verrückt: die Franzosen verballerten sage und schreibe sechs (!) ihrer insgesamt acht Siebenmeter. Drei Würfe parierte Wolff, drei landeten an Pfosten und Latte. Das Torhüter-Duell verlor Wolff (13 Paraden) allerdings gegen Montpelliers Nationalkeeper Remi Desbonnet, der 17 Würfe entschärfte. Im entscheidenden Moment zeigte Deutschlands Nummer eins aber seine Extra-Klasse mit der Doppelparade. Erfolgreichster THW-Schütze war Eric Johansson mit sechs Toren bei allerdings 16 Versuchen.

„Wir wollten unbedingt in dieses Finale“, betonte Duvnjak, der viele Jahre für den HSV Handball in der Barclays Arena gespielt hat und sich in der Halle im Volkspark nach wie vor zu Hause fühlt. „Wir werden noch einmal 60 Minuten Vollgas geben. Ich hoffe, es wird ein gutes Spiel.“

MT Melsungen schockt Titelverteidiger Flensburg

Alles andere als ein Krimi war das zweite Halbfinale – aber ganz anders, als dies von vielen erwartet worden war. Nicht etwa die favorisierten Flensburger dominierten die zweite Halbzeit, sondern die Melsunger, die einen Sahnetag erwischten und mit 37:30 (15:14) überraschend deutlich triumphierten.

Die SG, die nicht nur im Vorjahr, sondern auch schon 2024 den Titel der European League gewonnen hatte, war früh mit 4:8 (14.) ins Hintertreffen geraten und diesem Rückstand lange hinterhergerannt. Mitte der zweiten Halbzeit wuchs er aufgrund der Paraden des starken MT-Torhüters Nebjosa Simic (15 Paraden) auf sechs Tore an und in der Folge hielten die Nordhessen den Vorsprung konstant, weil sie ihre Angriffe gut ausspielten, die Chancen eiskalt nutzten und die schwachen Flensburger, die in Simon Pytlick ihren besten Schützen (8 Tore) hatten, einfach nicht mehr herankommen ließen.

Flensburg enttäuschend, Keeper Buric und Møller schwach

Der Titelverteidiger ließ es nicht nur an der nötigen Intensität und Aggressivität vermissen, sondern auch an Ideen und vor allem an Emotionen, die nur selten zu sehen waren. Zu wenig Dampf, zu wenig Gier, zu wenig Feuer. In all diesen Kategorien waren die Melsunger, die sich auch durch die frühe Rote Karte von David Mandic nicht beirren lassen hatten, deutlich überlegen. Die Flensburger spielten weit unter ihren Möglichkeiten, individuell und auch im Kollektiv. Eine Enttäuschung auf ganzer Linie.

„Das ist eine Riesen-Enttäuschung“, ärgerte sich SG-Keeper Kevin Møller, der wie so viele Flensburger weit von seiner Normalform entfernt gewesen war und lediglich zwei Bälle in 18 Minuten Einsatzzeit parieren konnte. Sein Kompagnon im Tor, Benjamin Buric, machte es mit dürftigen sechs Paraden nicht viel besser und die Abwehr half dem Duo nicht besonders. „Wir waren nicht auf unserem Niveau“, ärgerte sich Buric und fluchte: „Das war ein Scheißspiel, muss ich sagen.“ Kapitän Johannes Golla urteilte: „Wenn wir so spielen wie heute, dann haben wir das Finale auch nicht verdient.“

MT Melsungen nach Sieg und Finaleinzug „total geflasht“

Überglücklich waren dagegen die Melsunger nach ihrem Coup. „Das ist ein Super-Gefühl“, sagte Rechtsaußen Timo Kastening mit einem Strahlen im Gesicht. „Wir sind alle total geflasht von unserem Spiel und freuen uns, dass wir ein Finale spielen dürfen.“ Die Frage, ob den Melsungern die Rolle aus Außenseiter bei dieser Endrunde liege, wischte Kastening einfach weg. „Es ist uns egal, wie man uns sieht oder wo man uns sieht. Wir wollen das Ding gewinnen. Beide Teams kennen sich aus dem Effeff. Die Tagesform wird entscheiden.“

Während Melsungen mit aller Macht den ersten Titel der Vereinsgeschichte gewinnen will, ist das Endspiel für den lange Zeit Trophäen-verwöhnten THW Kiel die große Chance, eine enttäuschende Saison (aktuell nur auf Tabellenplatz fünf) noch zu retten. „Wir wollten unbedingt in dieses Finale“, betonte Duvnjak. „Wir wollen gewinnen und werden noch einmal 60 Minuten Vollgas geben. Ich hoffe, es wird ein gutes Spiel.“ Das hoffen auch die neutralen Handball-Fans in der Arena, die auf ein Traumfinale der Nord-Rivalen gehofft hatten.

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