Handball-Torhüter Andreas Wolff ballt jubelnd die Faust

Torhüter Andreas Wolff war bei der EM der überragende ​​​​​​​Spieler im deutschen Team. Foto: picture alliance / Maximilian Koch

„Die Rakete ist gestartet“: Wie der Handball das TV neu erobern will

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Der Silber-Coup der Nationalmannschaft, die Welle der Begeisterung, Spitzen-Quoten im TV: Der deutsche Handball will den EM-Erfolg als Schwung für die Bundesliga und die Heim-WM im Januar 2027 nutzen und die Sportart hierzulande ganzjährig auf ein neues Level heben. Wie kann das diesmal – anders als nach dem WM-Titel 2007 – gelingen?

Der Deutsche Handball Bund (DHB), der Ligaverband HBL und TV-Partner Dyn gehen in die Offensive und wollen aus dem EM-Erfolg und TV-Hype (bis zu 13 Millionen Zuschauende im Finale) Kapital schlagen. „Wir haben jetzt wirklich den Wind im Rücken“, sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Liga, bei einem Medientermin in Hamburg. „Der DHB und die HBL müssen den Handball nach vorne bringen.“

Handball-EM soll die Sportart auch im TV voranbringen

Die EM war ein Glücksfall für die Sportart hierzulande, wenngleich DHB-Vorstandsboss Marc Schober betont, dass das Turnier ein großer Erfolg war, „aber auch anders hätte laufen können“ und es für die Heim-WM 2027 „keine Erfolgsgarantie“ gibt. Das aktuelle Medaillen-Hoch (auch die DHB-Frauen holten bei der WM Silber) bietet Chancen.

„Handball ist nicht mehr auf der Abschussrampe, sondern die Rakete ist schon gestartet und verlässt die Base“, sagt Christian Seifert, Chef von TV-Streamingdienst Dyn. Der Sender ist TV-Partner der HBL und hat auch die EM gezeigt (neben ARD und ZDF). „Die nächsten 18 Monate werden über die Zukunft des Handballs entscheiden, über die Frage: Kommt der Handball auf das nächste Level? Die Zutaten sind alle da.“

ProSiebenSat.1-Gruppe sichert sich zahlreiche TV-Rechte

Die Nationalmannschaft zieht, EM- und WM-Turniere bringen jährlich hohe Millionen-Quoten. Kein Wunder, dass sich jetzt die Sendergruppe ProSiebenSat.1 die Rechte an den kommenden Weltmeisterschaften für die Jahre 2027, 2029 und 2031 gesichert hat und darüber hinaus noch für bis zu 60 Länderspiele.

Das Problem: die Zugkraft der HBL, die als „stärkste Liga der Welt“ gilt und von Bohmann als „NBA des Handballs“ bezeichnet wird, ist nicht annähernd so groß. „Wir müssen die Präsenz der Liga in der Öffentlichkeit erhöhen“, sagt Schober. Sie muss sichtbarer, populärer werden, Topspiele müssen an guten Terminen im Free-TV zu sehen sein und mittelfristig regelmäßig siebenstellige Quoten erreichen, damit das nächste Level tatsächlich erreicht wird.

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Die Liga nimmt die Klubs in die Pflicht, fordert mehr Marketing und Offenheit der Verantwortlichen und Spieler, um für mediale Inhalte zwischen den Spieltagen und damit Aufmerksamkeit zu sorgen. Dass gerade jetzt mehr kommen muss, „haben alle verstanden“, so Bohmann.

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