„Dann werden die Hetzer kommen“: Heftige Kritik am Sabalenka-Duell gegen einen Mann
Am Sonntag duellieren sich zum vierten Mal in der Tennisgeschichte ein Mann und eine Frau im „Battle of the Sexes“. Nicht alle sind begeistert.
Man nehme eine Weltranglistenerste sowie einen verletzungsgeplagten Ex-Wimbledon-Finalisten und stecke sie in einen Flieger Richtung Dubai. An diesem Ort ohne große Tennistradition lasse man sie dann gegeneinander antreten – und schon ist sie fertig: die Neuauflage des „Battle of the Sexes“. 52 Jahre nach dem legendären Sieg von Billie Jean King über Bobby Riggs.
Aryna Sabalenka spielt am Sonntag gegen Nick Kyrgios
Es scheint die Massen noch immer zu faszinieren: das Duell Frau gegen Mann auf dem rechteckigen Court. So dürfte auch das Match zwischen Aryna Sabalenka und Nick Kyrgios, das am Sonntag (16.45 Uhr/Sporteurope.tv) über die Bühne geht, zahlreiche Menschen vor die Fernsehschirme locken. Und doch fragen sich im Vorfeld nicht wenige in der Tenniswelt, was das eigentlich soll.

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Der Erkenntnisgewinn – er wird sich in Grenzen halten. Und auch die Auswahl der Kontrahenten sorgt für Fragezeichen. Er finde das Showmatch zwar „grundsätzlich gut“, erklärte etwa Boris Becker kürzlich im Podcast Becker Petkovic, „aber warum bitte Nick Kyrgios? Nimm doch einfach einen, der aktiv spielt, der auf der Tour ist“.
Boris Becker und Andrea Petkovic äußern Kritik
Die Ansetzung hat sicher viel damit zu tun, dass die beiden Kontrahenten von der gleichen Management-Agentur vertreten werden. Aber das Frauentennis, findet Becker, könne auf diese Weise „eigentlich nur verlieren“.
Die einstige Top-Ten-Spielerin Andrea Petkovic schlug in dieselbe Kerbe und sprach von einer „Lose-Lose-Geschichte“. Verliere Sabalenka, prognostizierte die 38-Jährige, „dann werden natürlich wieder irgendwelche Hetzer kommen und sagen, ‚guck mal, die kann nicht mal gegen den alten, verletzten, nicht spielenden Kyrgios gewinnen’“.
Kygrios in der Weltrangliste nur noch auf Platz 671
Der exzentrische Wimbledon-Finalist von 2022 nämlich ist, freundlich ausgedrückt, von seiner Topform ein gutes Stück entfernt. Kyrgios hat schon lange mit Verletzungen zu kämpfen und in den vergangenen drei Jahren auf der Tour nur ein einziges Match gewonnen. Im März war das, beim Masters in Miami. Das Jahr 2025 wird er als Weltranglisten-671. beenden.

Hinzu kommt, dass Sabalenkas Spielfeldhälfte neun Prozent kleiner sein wird als die von Kyrgios. Beide haben zudem im Match mit zwei Gewinnsätzen keine zweiten Aufschläge zur Verfügung. Das alles aber hält Kyrgios, der sich in der Vergangenheit nicht gerade als Feminist hervortat, nicht davon ab, sich vor dem Match in gewohntem Duktus zum Favoriten auszurufen.
Kyrgios tönt: Sabalenka wird keine Chance haben
„Sie wird mich nicht schlagen. Denkst du wirklich, ich müsste 100 Prozent geben?“, sagte er im Podcast von Tourkollege Alexander Bublik: „Ich bin voll fokussiert, weil ich die Männer repräsentiere.“ Sabalenka gibt sich ebenfalls siegessicher. „Ich werde da herausgehen und alles geben, um ihn zu schlagen“, sagte sie – und auch: „Ich habe großen Respekt vor Billie Jean King und dem, was sie für das Damentennis geleistet hat.“

Schließlich ist die Frauensport-Ikone King die bislang einzige Vertreterin des weiblichen Geschlechts, die in einem solchen Match gewinnen konnte. Dreimal gab es das „Battle of the Sexes“ bislang. Zweimal 1973, als der 55 Jahre alte Bobby Riggs erst die heutige Grand-Slam-Rekordsiegerin Margaret Court schlug und wenige Monate später eben bei der meistbeachteten Ausgabe gegen King verlor. Und noch einmal im Jahr 1992, als der US-Amerikaner Jimmy Connors Martina Navratilova in zwei Sätzen bezwang.
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Nun also folgt Ausgabe Nummer vier. Ohne dabei überall für Vorfreude zu sorgen. „Wenn es jetzt gegen einen anderen Spieler wäre, dann könnte man das cool machen“, sagte Petkovic: „Aber so ist es halt schwierig.“ (sid/mp)
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