Bad-Bunny-Show überstrahlt Super Bowl – Trump findet es „absolut widerlich“
60. Super-Bowl-Jubiläum in San Francisco Bay, genauer in Santa Clara im Silicon Valley. Ein sportliches Fest war diese 60. Auflage des Football-Giganten-Gipfels nur auf den zweiten Blick. Denn die sportliche Leistung der Seattle Seahawks, die die New England Patriots mit 29:13 schlugen, wurde von der Halbzeitshow um Latino-Megastar Bad Bunny überstrahlt.
Zu sagen, die Halbzeit war das Beste, was ein Spiel zu bieten hatte, ist gemeinhin als ironische Herabwürdigung des jeweiligen Sportereignisses zu verstehen und gemeint. Im Fall der Super Bowl LX war allerdings das, was sich zwischen dem dritten und vierten Viertel des Super-Bowl-Duells abspielte, einfach so bemerkenswert, dass es das Spiel schlicht ausstach.
Kenneth Walker III wird zum Matchwinner beim Super Bowl
Denn die beste Verteidigung der NFL spielte genauso, wie es sich für das wichtigste Spiel des Jahres gehört. Der völlig überforderte Quarterback der Patriots, Drake Maye (23), hatte, trotz einiger lichter Szenen einen rabenschwarzen Abend. Gleich sechsmal wurde er von Seattles eiserner Verteidigung rund Mike Macdonald gesackt, also von einem Abwehrspieler zu Fall gebracht. Die ultimative Demütigung gegen Ende des Spiels führte dann auch unmittelbar zum Ballverlust und einem Touchdown für Seattle. Zweimal warf Maye dazu noch direkt einen Fehlpass. So wurde es nichts mit dem jüngsten Champion-Quarterback aller Zeiten. Die Seahawks-Abwehr blockte so kühl und konstant, dass Maye nichts Weiteres blieb, als selbst mit dem Ball zu laufen, um das Angriffsspiel seiner Mannschaft in Schwung zu bringen. Allerdings führte auch das eben in Summe nur zu zwei Touchdowns – und das war zu wenig.

Auch der Angriff der Seahawks war keine Offenbarung an diesem frühen Abend im Levi’s Stadium Interceptions. Allerdings gab es eben einen spielentscheidenden Mann: Seattles Runningback Kenneth Walker III rannte mit seinen 135 Yards an Raumgewinn die Patriots über den Haufen – und selbst zum Titel als MVP des Super Bowls, als wertvollster Spieler („Most Valuable Player“). Auch deshalb darf Seattles Quarterback Sam Darnold, der schon als Fehleinkauf galt, jetzt einen Ring tragen. Die ganze Offensive der Patriots übrigens brachte es auf gerade einmal 79 Yards während des Spiels – ein durch und durch jämmerlicher Wert.

Da aber auch den Seahawks nur zwei Touchdowns gelangen, gab es bei diesem Offensivschwächeln einen faktisch genauso wertvollen Spieler auf Seiten der Seahawks: Seattles Kicker Jason Myers. Da es mit dem ersten Touchdown des Spiels bis zum vierten Viertel dauerte, war der Mann mit dem Goldfüßchen und seinen Fieldgoals praktisch Alleinunterhalter. Mit vier Treffern schraubte er in den ersten drei Vierteln den Spielstand auf 12:0. Insgesamt traf er fünfmal zum Fieldgoal – und stellte damit einen Super-Bowl-Rekord auf. Walker übrigens ist mit Spielende in Santa Clara vertragslos …
Halbzeit-Show um Bad Bunny wird zum Highlight
Aber das Spiel war ja, wie erwähnt, wohl nicht das Wichtigste an diesem besonderen Abend. Seattle holt seinen zweiten Titel, die Patriots verpassen den siebten Rekordtitel. Damit ist alles erzählt. Bis auf die Halftime-Show. Im Vorfeld hatte es schon Ärger um die Wahl von Bad Bunny als Halbzeitstar gegeben. Seit Jahren bepöbelt US-Präsident Donald Trump den 31-jährigen Puerto-Ricaner. Dessen Auftritt fand der Commander in Chief auch prompt „absolut widerlich“. Sie sei „ein Affront gegenüber der Bedeutung Amerikas“ Das sahen die 70.823 Zuschauer im Stadion komplett anders. Bad Bunny zauberte seine Heimat Puerto Rico auf die wohl größte Bühne der Welt. Die größte, weil Sponsor und Ausrichter Apple Music die Halbzeitshow auch zum Herunterladen anbietet.

In Minutenschnelle entstand auf der Spielfläche die Kulisse: eine puerto-ricanische Kleinstadt mit Laden und Barbier, umgeben von Zuckerrohr und saftigem Buschgrün. Dazu fantastische Choreografien – Bad Bunnys intellektuell verspielt-vielschichtige Musik trifft Herz, Hirn und Beine. Der 13 Minuten und 42 Sekunden kurze Auftritt war Konzertabend und Performance im Zeitraffer. Eine Show im Zeichen des P: Puerto Rico, Perfektion, Präzision, Politik und Poesie. Zwölf Lieder packte Bad Bunny in seine Show: „Tití Me Preguntó“, „Yo Perreo Sola“, Safaera“, „Voy a Llevarte Pa’ PR“, „Monaco“, „Die with a Smile“, „BAILE INoLVIDABLE“„NUEVAYoL“, „LO QUE LE PASÓ A HAWAii“, feat. Ricky Martin, „El Apagón“, „Café Con Ron“, „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“. Der Lady-Gaga-Titel „Die With a Smile“ wurde zum umjubelten Gastauftritt der Lady. „LO QUE LE PASÓ A HAWAii“ war ein Duett mit Landsmann Ricky Martin.
Klare politische Botschaft der Show
Fröhlich und dabei mit Haltung: Der Megastar Bad Bunny ist jedenfalls ein Kommunikationswunder, brachte das Stadion in Santa Clara zum Kochen. Es war die politischste Halftime-Show aller Zeiten. „God bless America“, rief Bad Bunny zum Schluss – und begann dann, alle Staaten des Kontinents aufzuzählen. In einem fröhlichen Flaggenzug aller Länder des Doppelkontinents verließ er dann das kleine puerto-ricanische Bühnenstädtchen und dann das Stadion. Auf der Riesenleinwand prangte ein Gruß nach Washington: „The only thing more powerful than hate is love“ (Das Einzige, was mächtiger ist als der Hass, ist die Liebe“)
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Das war eine klare Botschaft nach Washington – so wie die gesamte Zeit in San Francisco. Auf der Fahrt ins Stadion war fast jede Autobahnbrücke voll mit Demonstranten und Parolen gegen den Regent in Washington. Kalifornischer Widerstand? Ja. Aber die mächtigste Liga der Welt expandiert schließlich weiter. Dieses Jahr erstmals nach Australien. Andere Länder sollen folgen. Da kann man Nationalismus und Engstirnigkeit nicht gebrauchen. Auch so lässt sich der diesjährige Super Bowl lesen. Es hätte schlimmer kommen können.
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