Andreas Wolff ballt die Faust

Torhüter Andreas Wolff ist der Rückhalt der deutschen Handballer. Foto: WITTERS

„Anti-Handball“: Österreicher reagieren giftig auf Wolff-Kritik

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Die deutschen Handballer drängen auf den Start. Nach der mehrstündigen Fahrt von Hannover ins dänische Silkeborg blieb kaum Zeit zum Durchatmen. Aus dem Bus ging es direkt in den Videoraum, dann durch die Winterlandschaft Jütlands zum ersten Training. Vor der wohl schwersten EM seit Jahren zählt jede Minute.

„Wir sind jetzt im Turniermodus angekommen“, erklärte Kapitän Johannes Golla, der sein Team zum ersten deutschen EM-Gold seit 2016 führen will. Um die schwierige EM-Mission nicht frühzeitig zu gefährden, ist ein Patzer zum Auftakt am Donnerstag (20.30 Uhr/Dyn/ARD) gegen Österreich quasi verboten. „Unser Ziel ist hochgesteckt, das heißt Halbfinale“, kündigte Bundestrainer Alfred Gislason mutig an.

DHB-Profis bremsen: Auslosung ein „Albtraum“

Nils Lichtlein, der das Fußball-Aufwärmprogramm seiner Teamkollegen abseits auf dem Ergometer verfolgte, dürfte aufgrund seiner Fußverletzung definitiv ausfallen. Entwarnung gibt es dagegen vorerst bei Renars Uscins: Der 23-Jährige scheint seine Blessur aus dem Kroatien-Spiel überstanden zu haben und war beim Warmlaufen und Fußballspiel dabei – wenn auch im Tor.

Trotz der gestiegenen Zuversicht nach zwei Testsiegen gegen Vize-Weltmeister Kroatien ist das deutsche Team bemüht, die Erwartungshaltung zu dämpfen. Wolff nannte die Auslosung einen „Albtraum“. Spielmacher Juri Knorr bezeichnete das Turnier als das härteste seiner Karriere. Und Kapitän Johannes Golla mahnte, dass das Halbfinale keine Selbstverständlichkeit sei.


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Auch wenn die Vorrunde mit Österreich, Serbien und Spanien ihre Tücken hat, gilt sie für Deutschland als Pflichtaufgabe. Die eigentliche Bewährungsprobe wäre die Hauptrunde, wenn Duelle mit Olympiasieger Dänemark, Frankreich sowie dem WM-Vierten Portugal und Norwegen drohen. „Man kann eine Niederlage vielleicht verkraften, aber keine zweite“, erklärte Gislason.

Da die dänischen Überflieger quasi als unbesiegbar gelten, würde ein Patzer gegen Österreich den Traum von einer Medaille früh zunichtemachen. Und das mit Bundesliga-Spielern gespickte ÖHB-Team von Trainer Iker Romero weiß, wie man Deutschland ärgert. Zwei der drei letzten Duelle endeten unentschieden.

Andreas Wolff kritisiert Österreichs Spielstil: „Sehr unattraktiv“

Zusätzlichen Zündstoff erhält die Partie durch Wolffs Kritik am Spiel des Gegners. „Die Österreicher spielen natürlich absoluten Anti-Handball. Das möchte auch eigentlich keiner sehen. Das ist sehr unattraktiv“, befand Andreas Wolff mit Blick auf das Sieben-gegen-Sechs des DHB-Gegners. Dabei ersetzt ein Team seinen Torwart durch einen siebten Feldspieler.

„Sie haben mit Lukas Hutecek und Mykola Bilyk zwei absolute Alphatiere, die das Angriffsspiel in all ihrer Hässlichkeit leiten und dafür sorgen werden, dass es kein Leckerbissen wird“, warnte Wolff, der neben Rune Dahmke und Jannik Kohlbacher schon beim EM-Triumph 2016 dabei war.

Österreichische Presse prophezeit „Handball-Cordoba“

Eine Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. So schrieb der „Kurier“, dass Wolff „seit kurzem alles, nur kein Sympathieträger“ sei. „Heute.at“ titelte in Anlehnung an die Niederlage der deutschen Fußballer gegen Österreich bei der WM 1978, die als Schmach von Cordoba in die Geschichtsbücher einging: „Deutscher Tormann poltert vor Handball-Cordoba“.

Auch Österreichs Keeper Constantin Möstl reagierte irritiert auf die harsche Wolff-Kritik. „Ich hoffe, er weiß selber, dass die Wortwahl nicht die richtige war. Wenn jetzt noch der letzte Spieler Motivation gebraucht hat, soll er sich nochmal das Video anschauen, dann sind die letzten Prozentpunkte da, um 100 Prozent zu geben“, konterte der ÖHB-Keeper vor dem Aufeinandertreffen an diesem Donnerstag bei Sport1.

ÖHB-Keeper Möstl: „Wortwahl war nicht die richtige“

„Es geht eher um die Wortwahl. Teils war es schon nicht richtig, wie man über den Gegner spricht. Aber es ist uns wirklich scheißegal. Wenn es zum Sieg hilft, ist es mir wurscht“, befand Möstl weiter.

Auch Deutschlands Spielmacher Juri Knorr empfand Wolffs Aussagen als „ziemlich offensiv“. Das spiegele nicht das wider, was die Österreicher in den vergangenen Jahren gemacht hätten und wie sie sich entwickelt hätten. „Ich denke, Andi wollte damit eigentlich ausdrücken, dass er höchsten Respekt hat vor dem österreichischen Handball. Vielleicht wollte er auch ein Warnsignal an unsere Mannschaft schicken, denn wir haben uns in den vergangenen Spielen sehr schwergetan“, befand Knorr.

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Während das Selbstvertrauen beim DHB-Team kaum größer sein könnte, herrscht in Österreich nach drei Niederlagen in der EM-Vorbereitung Tristesse. „Es ist lange her, dass wir ein Spiel gewonnen haben“, sagte Kreisläufer Lukas Herburger von den Füchsen Berlin. Aber im Handball ist es wie im Fußball: Gegen den großen Nachbarn ist man besonders motiviert. „Wir wollen es endlich schaffen, nicht nur ein gutes Spiel zu machen oder unentschieden zu spielen, sondern einmal Deutschland zu schlagen“, betonte Bilyk.

Das DHB-Team um Kapitän Johannes Golla sieht sich gewappnet für den EM-Start. imago/Laci Perenyi
Johannes Golla ballt die Faust und lächelt
Das DHB-Team um Kapitän Johannes Golla sieht sich gewappnet für den EM-Start.

Deutschland ist klarer Favorit. Die Euphorie im Team ist nicht vergleichbar mit der Katerstimmung bei der WM vor einem Jahr. „Die Voraussetzungen sind anders. Kohlbacher war verletzt, Golla war fit, aber musste immer spielen. Julian Köster kam krank an und konnte nicht trainieren. Renars war völlig am Ende nach Olympia“, erinnerte sich Gislason, der sich diesmal über einen breiten Kader freut.

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Dank Neulingen wie Miro Schluroff, Tom Kiesler oder Matthes Langhoff lässt sich die Belastung besser verteilen. „Wenn Golla, Köster oder Knorr von der Bank kommen können, kann die Bank unsere Lebensversicherung werden. Wenn wir das einbringen, könnten wir einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Mannschaften entwickeln“, befand DHB-Manager Benjamin Chatton. (kk/dpa)

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