17 Typen, ein Ziel: Handball-Legende Jogi Bitter stellt unser EM-Team vor

ARD-EM-Experte Johannes Bitter
Bei der EM ist Johannes Bitter als Experte für die ARD im Einsatz.

Aufregung, Spannung, Vorfreude. Mittwoch starten Deutschlands Handballer gegen die Schweiz in die Heim-EM. Was ist drin für die DHB-Auswahl beim Mega-Turnier? Wer sind die Typen, die von einem Medaillen-Coup träumen? Johannes Bitter (41), Hamburgs Keeper-Riese, Ex-Nationalspieler, Weltmeister von 2007 und bei dieser EM als ARD-Experte im Einsatz, stellt das Team exklusiv für die MOPO vor gibt auch seine EM-Prognose ab.

TOR

Andreas Wolff (32 Jahre/ 145 Länderspiele/ Verein: Kielce): „In Topform ist Andi einer der besten Keeper der Welt. Diesen Anspruch hat er auch an sich selbst. Nach seiner Verletzung ist er zum Glück rechtzeitig fit geworden. Andi geht immer mit dem höchstmöglichen Ziel an Turniere heran – und artikuliert das auch. Als Persönlichkeit hat er sich weiterentwickelt. Früher war er Rammbock-mäßig unterwegs. Das ist mittlerweile anders. Ich habe ihn auch von seiner sensiblen Seite kennengelernt, die ich sehr schätze.“

Andrreas Wolff
Deuutsche EM-Hoffnung: Torwart Andreas Wolff

David Späth (21/4/R-N Löwen): „Die klare Nummer zwei – mit riesigem Potenzial. Späth ist ein Diamant, der noch gar nicht richtig geschliffen ist. Die EM ist eine große Chance. Ich bin sicher, dass er alles aufsaugen und viel lernen wird, ohne sich zu verstecken, und auch sportlich eine Rolle spielen kann. Mich erinnert die Konstellation mit Wolff an meine Situation bei der EM 2006 und WM 2007 hinter einer klaren Nummer eins Henning Fritz.“

Weltklasse! Bitter ist von einem Magdeburg-Star begeistert

LINKSAUSSEN

Lukas Mertens (27/31/SC Magdeburg): „Sprungwunder und Speedy. Sein Signature Move ist der angetäuschte Wurf in der Luft, bei dem er anschließend voll durchzieht. Das können nicht viele. Ansonsten spielt er mit wenig Sperenzchen. Andere Außen mögen trickreicher sein, aber wer beim Champions-League-Sieger Leistungsträger ist, der verdient meines Erachtens den Stempel Weltklasse.“

Rune Dahmke (30/59/ THW Kiel): „Auf Linksaußen die Nummer 1 B. Mit dem THW hat er alles gewonnen und alles erlebt, was ihn auch als Persönlichkeit wichtig für das Nationalteam macht. Rune ist ein positiver Typ. Uns verbindet, dass wir im Januar 2022 gemeinsam in einer Hals-über-Kopf-Aktion zur verrückten Corona-EM nachgereist sind.“

Gummersbachs Köster müsste für Bitter mehr im Fokus stehen

RÜCKRAUM LINKS

Julian Köster (23/34/VfL Gummersbach): „Einer der entscheidenden Spieler. Für das, was er kann und leistet, steht er zu wenig im Fokus, finde ich. Eigentlich bringt er alles mit, um ein Star zu sein. Er hat enorme Fähigkeiten, ist in der Abwehr Weltklasse, hat einen ähnlichen Instinkt wie Hendrik Pekeler. Auch im Angriff hat Köster sehr viel drauf, einen starken Wurf, ist ein sehr guter Entscheider und Assist-Geber. Ein krasses Gesamtpaket. Manchmal ist er fast zu lieb, könnte das Spiel mehr an sich reißen, Würfe nehmen.“

Sebastian Heymann (25/21/FA Göppingen): „Ein Athlet vor dem Herrn! Körperlich bringt er alles mit, hat einen phänomenalen Wurf. Heymann ist nach seiner Verletzung spät auf den EM-Zug aufgesprungen und sucht noch Sicherheit. Ich wünsche ihm, dass er mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten bekommt, denn die sind unglaublich. Er kann eine Waffe sein – wenn der Kopf mitspielt.“

Wird Hanne eine der Entdeckungen der Handball-EM?

Martin Hanne (22/2/Hannover-Burgdorf): „Der Überraschungsmann. Auch für mich. Dass seine ersten beiden Länderspiele die beiden Tests vor der EM waren, sagt alles. Das spricht aber auch für ihn und seine rasante Entwicklung. Hanne ist super im Eins-gegen-eins, hat einen starken Wurf und steht auch in der Abwehr gut. Ich weiß, dass es für die EM Spielzüge gibt, die auf ihn zugeschnitten sind. Das wird spannend. Er kann eine der Entdeckungen werden.“

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RÜCKRAUM MITTE

Juri Knorr (23/45/R-N Löwen): „Auch wenn Juri es nicht gerne hört: Er ist einer der Weltklassespieler im Team, ein Unterschiedsspieler. Er ist mit wahnsinnig viel Talent gesegnet. Das reicht für mehrere Spieler. Da kann er sich jeden Tag beim lieben Gott bedanken. Was mich noch mehr begeistert, ist sein enormer Fleiß und der Wille, jeden Tag besser zu werden. Er ist der bestimmende Spieler im deutschen Angriff, der die Fäden zieht und auch der Go-to-Guy ist. Wenn nichts mehr geht, geht immer noch Knorr.“

Das deutsche EM-Team 2024
Die DHB-Spieler (weiße & gelbe Trikots), h.v.l.: Köster, Golla, Heymann, Fischer, Kohlbacher; M.v.l.: Häfner, Hanne, Steinert, Weber, Knorr, Uscins, Lichtlein;v .v.l.: Dahmke, Mertens, Späth, Wolff, Groetzki (fällt für die EM verletzt aus), Kastening

Zu Magdeburgs Weber hat Bitter schon lange ein gutes Verhältnis

Philipp Weber (31/78/SC Magdeburg): „Flippi ist schon lange Teil der Nationalmannschaft und wir haben uns immer gut verstanden. Er hat bei einigen Turnieren seine Qualität gezeigt, aber nicht immer die Chance dazu bekommen, weil er eben ein reiner Angriffsspieler ist, der auch auf Halb spielen kann. Ich bin überzeugt, dass es für die Mannschaft wichtig ist, einen Spieler mit dieser brutalen Magdeburger Siegermentalität in ihren Reihen zu haben.“

Nils Lichtlein (21/4/Füchse Berlin): „Einer der jungen Wilden, U21-Weltmeister und ein spannender Spieler. Als Linkshänder auf der Mitte ist er eine Besonderheit. Das ist nicht leicht zu verteidigen. Was mir gefällt: Lichtlein spielt mutig und auch mit Kontakt sehr gut weiter. Er hat großes Potenzial. Die EM ist für ihn ein Turnier zum Lernen.“

Groetzkis EM-Aus macht Häfner nun zum Oldie

RÜCKRAUM RECHTS

Kai Häfner (34/137/TVB Stuttgart): „Nach dem EM-Aus von Patrick Groetzki ist er der älteste Spieler im Kader. Seine Erfahrung wird wichtig sein. Häfner ist nicht der Größte, aber macht das mit Dynamik und einem hohen Handball-IQ wett. Er wird eine Bank sein bei diesem Turnier – und das muss er auch.“

Christoph Steinert (33/32/HC Erlangen): „In der Liga lief es zuletzt nicht so für ihn, aber in der Nationalmannschaft hat Steini eine wichtige Rolle, denn er kann nicht nur im Rückraum, sondern auch auf Außen spielen und auf Halb decken. Ein Allrounder. Er wirkt introvertiert, aber ich habe ihn als vielseitig interessierten und interessanten Menschen kennengelernt.“

Hannovers Uscins könnte bei der EM Akzente setzen

Renars Uscins (21/6/Hannover-Burgdorf): „Ein großes Talent und beim Gewinn der U21-WM ein Schlüsselspieler. Er bietet ein gutes Gesamtpaket, spielt für sein Alter einen reifen Handball und wird bei dieser EM hier und da Akzente setzen.“

RECHTSAUSSEN

Timo Kastening (28/49/MT Melsungen): „Ein absoluter Topspieler, der hohes Tempo und trickreiche Würfe kombiniert. Siebenmeter-Schütze Nummer eins. Durch seine Kapitänsrolle in Melsungen ist er auch als Persönlichkeit noch mal gewachsen. Abseits des Spielfeldes ist Timo ein sehr humorvoller Typ, mit dem ich immer viel Spaß hatte.“

Golla ist für Bitter „eine Maschine“!

KREIS

Johannes Golla (26/67/Flensburg): „Eine Maschine. Golla ist Kapitän und eine unserer Säulen. Ohne Frage Weltklasse. Hinten und vorne kann er alles – und entwickelt sich trotzdem noch weiter, weil er ehrgeizig und extrem professionell ist. Ein Vorzeigeathlet. Trotz seiner Masse hat er eine unglaubliche Körperbeherrschung, wie ein Turner. Eisen zieht ihn magisch an. Golla macht sogar am Spieltag morgens noch Krafttraining.“

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Jannik Kohlbacher (28/99/R-N Löwen): „Kraftpaket Nummer zwei. Wenn er erstmal den Ball hat, ist er kaum zu stoppen. In vielen Bereichen ist er Weltklasse, deckt in der Abwehr auf Halb und nicht im Innenblock. Im Verein ist Kohli gesetzt, im Nationalteam ein Rollenspieler, der im Angriff Last von Golla nimmt. Sehr gut eingespielt mit Juri Knorr und ein dicker Kumpel von Andi Wolff.“

Justus Fischer (20/4/Hannover-Burgdorf): „Ein Senkrechtstarter und die große Zukunfts-Hoffnung am Kreis. Bei dieser EM wird er in erster Linie in der Abwehr zum Einsatz kommen, wenn die Stammkräfte eine Pause brauchen.“

Johannes Bitter spielte selbst 175 Mal für das deutsche Nationalteam.
Johannes Bitter spielte selbst 175 Mal für das deutsche Nationalteam.

Das ist Jogi Bitters EM-Prognose

Zum Abschluss bat die MOPO Bitter num seine EM-Prognose: „Die Mannschaft bietet eine spannende Mischung mit viel Potenzial, ist aber auch eine Wundertüte. Mit dem Heimvorteil ist vieles möglich – auch das Halbfinale und der Kampf um Medaillen. Dafür muss aber alles passen. Die Leistungsträger müssen abliefern und einige andere überperformen. Das Publikum muss unser achter Mann werden. Aber der Funke, der das Feuer auf den Rängen entfacht, muss vom Spielfeld überspringen.“

Aufregung, Spannung, Vorfreude. Mittwoch starten Deutschlands Handballer gegen die Schweiz in die Heim-EM. Was ist drin für die DHB-Auswahl beim Mega-Turnier? Wer sind die Typen, die von einem Medaillen-Coup träumen? Johannes Bitter (41), Hamburgs Keeper-Riese, Ex-Nationalspieler, Weltmeister von 2007 und bei dieser EM als ARD-Experte im Einsatz, stellt das Team exklusiv für die MOPO vor gibt auch seine EM-Prognose ab.