Deutscher Ski-Star pestet gegen Olympia: „Froh, dass das mein letztes Mal war!“
Nach dem ersten Slalom-Durchgang bei den Winterspielen hat Skirennfahrer Linus Straßer angesäuert auf die strengen Regeln der Olympia-Organisatoren reagiert. Nach dem Wettkampf holte er zur Generalkritik aus.
Der Deutsche wollte eigentlich seinen guten Freund AJ Ginnis im Ziel in Empfang nehmen, weil dieser sein letztes Rennen bestritt. Als Straßer aber in den Zielraum lief, wurde er von einem Offiziellen zurückgehalten. „Das ist typisch Olympia, oder?“, sagte der Deutsche darauf angesprochen. „Lasst doch einmal irgendwas… aber gut, alles für die Show, für die sterile.“
Im alpinen Skirennsport ist es Usus, dass Athleten nach ihren letzten Fahrten im Ziel von Rivalen und Weggefährten in Empfang genommen werden. Der Grieche Ginnis (31), 2023 sensationell Vize-Weltmeister im Slalom, konnte wegen einer schweren Knöchelverletzung seit zwei Jahren kaum Skifahren. Schon davor hatte er aufgrund von Blessuren Olympia-Starts 2018 und 2022 verpasst.
Straßer fiel Ginnis als Erster um den Hals
Auf diese Spiele verzichtete er nicht und wollte es nochmal probieren. Doch seine Verletzung war im Training zu schmerzhaft. „Komplikationen bei der letzten Operation machen es unmöglich, dass ich auf dem Level fahren kann, den der Sport verlangt. Das ist die Realität“, schrieb er bei Instagram. Straßer erzählte: „Ich habe ihn beim Einstieg in die Gondel getroffen, er war völlig aufgelöst. Da hat dann auch so ein starker Typ eine Umarmung nötig gehabt.“
Das könnte Sie auch interessieren: Hass-Nachrichten gegen deutsche Olympia-Starter: Staatsanwaltschaft ermittelt
Ginnis also fuhr aus dem Starthaus, rutschte dann aber sofort neben den Toren gen Ziel und winkte zum Abschied. Unten fiel ihm dann Straßer als Erster um den Hals – wenn auch erst in dem Bereich direkt neben dem Zielraum.
Der WM-Dritte aus Deutschland belegte später beim Olympiasieg des Schweizer Weltmeisters Loic Meillard in Bormio Rang neun – und goss er seinen ganzen Frust über den Niedergang der olympischen Idee über diesem Hügel aus.
Straßer: „Hier sind wenig Emotionen, wenig Interaktionen mit Fans“
„Meine komplette Familie ist da, mit Freunden und so weiter. Aber du hast überhaupt keine Interaktion mit irgendwelchen Zuschauern. Wenn das der Genuss von Olympia sein soll, bin ich froh, dass das mein letztes Mal war“, schimpfte der 33-Jährige, dem 1,04 Sekunden zu Bronze fehlten.
Eigentlich hatte er sich zurückhalten wollen, „ich will nicht zu viel haten“, betonte Straßer im ZDF, doch er war zu aufgebracht. „Die Geschichte hinter Olympia ist unglaublich, jeder will Olympiasieger werden oder Medaillen gewinnen, ich auch“, sprudelte es aus ihm heraus: „Aber hier sind wenig Emotionen, wenig Interaktionen mit Fans – das macht es doch eigentlich aus. Es ist absolut steril. Ganz ehrlich, ich kann darauf verzichten.“ (dpa/lam)
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.