Vladyslav Heraskevych hält den Helm hoch, der gefallene Ukrainer im Kireg gegen Russland zeigt

Gibt nicht auf: Vladyslav Heraskevych will nach seiner Disqualifikation vor den Internationalen Sportgerichtshof ziehen. Foto: picture alliance/dpa/Robert Michael

„Moment der Schande“: Solidarität für Ukrainer nach Olympia-Disqualifikation

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Der Disput um seinen Helm ist eskaliert: Der ukrainische Skeletoni Vladyslav Heraskevych ist vom IOC von den Olympischen Spielen ausgeschlossen worden.

Sein Vater saß im Schnee und weinte hemmungslos, Vladyslav Heraskevych machte derweil „tief enttäuscht“ und mit seinem umstrittenen Helm unter dem Arm sein (Un-)Rechtsverständnis nach seinem Olympia-Ausschluss überdeutlich klar. „Ich habe keine Regeln verletzt“, beteuerte der ukrainische Skeletonfahrer und klagte einmal mehr das Internationale Olympische Komitee (IOC) an: „Mir ist mein olympischer Moment gestohlen worden!“

Heraskevych will sich auf Rechtsstreit vorbereiten

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sprach nach dem Rauswurf von einem „Moment der Schande“, Heraskevych selbst lieferte gleich die Begründung, warum die olympische Welt am Donnerstagmorgen um kurz nach neun Uhr heftig erschüttert wurde. „Ich habe nie darüber nachgedacht, nicht mit dem Helm zu starten“, sagte er am ZDF-Mikrofon und kündigte an, noch lange nicht aufgeben und vor den Internationalen Sportgerichtshof ziehen zu wollen: „Wir werden einen Fall für den CAS vorbereiten.“ 

Vladyslav Heraskevych stellt sich am Donnerstagvormittag Reporterfragen. Imago/Bildbryan
Vladyslav Heraskevych stellt sich Reporterfragen
Vladyslav Heraskevych stellt sich am Donnerstagvormittag Reporterfragen.

Die Konsequenz des sich tagelang aufbauenden Grundsatzstreits zwischen Heraskevych und dem IOC war mit dem Beharren auf das Tragen des „Helms des Gedenkens“ letztlich unausweichlich, denn auch das IOC pochte eisern auf seine Verfassung: Der WM-Vierte wurde vom olympischen Wettkampf am Donnerstag und Freitag im Eiskanal von Cortina ausgeschlossen, das gaben das IOC und der Weltverband IBSF eine knappe halbe Stunde vor dem Beginn des ersten Laufs bekannt. Die formale Disqualifikation sprach die IBSF aus, das IOC entzog Heraskevych die Akkreditierung.

„Ein Sieg für das ganze Land“: Komitee der Ukraine zeigt sich trotzig

„Ich hätte ihn gern im Rennen gesehen. Es war ein wahnsinnig emotionaler Morgen“, sagte IOC-Präsidentin Kirsty Coventry unter Tränen. Auch die zweimalige Schwimm-Olympiasiegerin, einst Vorsitzende der IOC-Athletenkommission, schien schwer getroffen über das, was sie aussprechen musste. Das Nationale Olympische Komitee der Ukraine erklärte trotzig: „Ein Sieg für Vladyslav. Ein Sieg für das ganze Land.“

„Sport sollte nicht zu Vergessen führen, und die olympische Bewegung sollte dazu beitragen, Kriege zu beenden, anstatt den Aggressor zu unterstützen“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Leider spreche die Entscheidung des IOC eine andere Sprache, befand er. Er dankte Heraskevych „für seine klare Haltung“. Ex-Boxweltmeister Wladimir Klitschko übte ebenfalls Kritik am IOC: „Dabeisein ist alles. Für russische und belarussische Athleten, aber für die getöteten ukrainischen Sportler ist nicht einmal Gedenken erlaubt. Das IOC behauptet, es gehe nicht um Politik, sondern nur um Sport. Damit hat das alles nichts mehr mit Olympischen Spielen zu tun – das sind politische Spielchen“ sagte er der „Bild“. Auch die Hamburger Tennis-Spielerin Eva Lys, geboren in der Ukraine, zeigte sich am Donnerstag via Instagram solidarisch: „Das ist lächerlich. Gedenken ist kein Verstoß“, schrieb sie in ihrer Story zu Fotos von Sportler und Helm.

Heraskevych hatte darauf beharrt, wie schon im Training auch im Wettkampf einen besonderen Helm zu tragen: Darauf sind Porträts von im Krieg von russischen Soldaten getöteten Sportlern aus der Ukraine zu sehen. Das IOC sieht darin einen Verstoß gegen die Olympischen Charta, die Meinungsäußerungen unter anderem auf dem Spielfeld („field of play“) untersagt.

Keine Lösung bei Gesprächen mit IOC-Präsidentin Coventry

„Skeletonpilot Vladyslav Heraskevych darf nicht an den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand-Cortina teilnehmen, nachdem er sich geweigert hat, die Richtlinien des IOC zur Meinungsäußerung von Athleten einzuhalten“, erklärte das IOC. Ferner habe man „mit Bedauern beschlossen“, ihm die Akkreditierung für die laufenden Winterspiele „zu entziehen“.

Am Donnerstagmorgen hatte es abermals ein Gespräch zwischen Heraskevych und Coventry am Cortina Sliding Centre gegeben, das IOC sprach in seiner Kommunikation von einer „letzten Chance“. Heraskevych aber hatte schon zuvor keinen Millimeter nachgegeben. Vielmehr verschärfte er durch Videos in den Sozialen Medien seinen Konfrontationskurs.

Das IOC teilte mit, es sei „sehr daran interessiert“ gewesen, dass Heraskevychh an den Wettkämpfen teilnimmt. Aus diesem Grund habe man sich mit ihm zusammengesetzt, um nach einer „möglichst respektvollen Möglichkeit zu suchen, seinem Wunsch nachzukommen, seiner im Zuge der russischen Invasion in der Ukraine ums Leben gekommenen Sportlerkollegen zu gedenken“. 

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Der Kern seines Falls, so das IOC, sei aber „nicht die Botschaft selbst, sondern der Ort, an dem er sie zum Ausdruck bringen wollte“. Das IOC hatte Heraskevych als Kompromiss angeboten, mit einer schwarzen Armbinde als Zeichen der Trauer zu starten. (sid/ea)

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