Die russische Eisschnellläuferin Anastasiia Semenova lacht

Die russische Eisschnellläuferin Anastasiia Semenova startet bei Olympia 2026. Foto: imago/ZUMA Press

Trotz Sperre: 13 russische Sportler starten bei Olympia in Italien

Russlands Sportminister lässt an seinem Vorhaben keine Zweifel aufkommen. „Wir kehren in den Weltsport zurück“, sagt Michael Degtiarev. Für die Olympischen Winterspiele in Italien brauchte es aber auch die Hilfe der Sportrichter, damit wieder eine Reihe von Athletinnen und Athleten aus Russland und Belarus trotz des weiter andauernden Angriffskriegs in der Ukraine auf der großen Bühne bei Olympia dabei sein dürfen.

Rodel-Olympiasieger Felix Loch, Mitbegründer der Vereinigung „Athletes for Ukraine“, bekannte sich deswegen zu seinem „Bauchweh“ und sagte vor dem Start der Wettbewerbe: „Ich hoffe einfach immer, dass nichts passiert.“

Es greifen die Regeln wie schon bei Olympia in Paris 2024. Offizielle Nationalmannschaften von Russland und Belarus sind nicht zugelassen. Die Sportlerinnen und Sportler dürfen sich – abhängig von der Regelung des jeweiligen Weltverbandes – in bestimmten Sportarten qualifizieren, treten dann aber als sogenannte „Individuelle Neutrale Athleten“ (AIN) an.

Das bedeutet, dass sie ohne Flagge, Hymne und Dress in ihren Landesfarben mitmachen dürfen. Vor der endgültigen Zulassung für Olympia hat ein Gremium des IOC geprüft, dass keine Verbindungen der jeweiligen Athleten zur Armee bestehen und keine Unterstützung des Krieges öffentlich bekannt ist.

13 Russen treten bei Olympia trotz Sanktionen an

Bis kurz vor der Eröffnung waren 13 Sportlerinnen und Sportler aus Russland und 7 aus Belarus zugelassen worden. Diese 20 verteilen sich über acht Sportarten: Ski alpin, Langlauf, Ski Freestyle, Skibergsteigen, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf (zum Beispiel Anastasiia Semenova), Shorttrack und Rodeln.

Grund für die Einschränkungen ist übrigens offiziell nicht in erster Linie Russlands Angriff auf die Ukraine. Russlands Olympisches Komitee wurde vom IOC suspendiert, weil es die vier annektierten ukrainischen Gebiete Donezk, Cherson, Luhansk und Saporischschja aufgenommen hat. Dies wertet das IOC als Verstoß gegen die olympische Charta.

Keine Teilnehmer in Mannschaftswettbewerben und im Biathlon

Die Teilnahme als AIN ist auf individuelle Disziplinen beschränkt. Das heißt, dass Teamwettbewerbe wie Eishockey und Curling ohne russische und belarussische Mannschaften stattfinden. Mehrere Weltverbände wollten auch einen Start russischer und belarussischer Einzelsportler verhindern, wurden vom Internationalen Sportgerichtshof aber unter Verweis auf den Grundsatz politischer Neutralität zur Änderung ihrer Bestimmungen gezwungen.

Im Biathlon dürfen russische sowie belarussische Athleten derweil nicht antreten. Anders als in anderen Disziplinen sind Starter dieser Sportart mit einer Waffe unterwegs. Hinzu kommt bei potenziellen russischen Startern die meist enge Verbindung zur Armee. Teilweise haben sie sogar militärische Dienstgrade. Kommunikationsdirektor Christian Winkler von der Internationalen Biathlon-Union erklärte kürzlich: „Das ist zwar vielleicht etwas polemisch. Was ich aber sagen würde: Das Bild ist schon schwer vorstellbar, dass ukrainische und russische Athleten mit einem Gewehr nebeneinanderstehen“

Wie wird die Teilnahme bei Olympia gewertet?

Medaillen und Leistungen der AIN werden weder dem russischen noch dem belarussischen Medaillenkonto zugeschrieben, beide Nationen tauchen nicht im Medaillenspiegel auf. Außerdem dürfen sie nicht an der Athletenparade bei der Eröffnungsfeier teilnehmen.

Der ukrainische Fahnenträger Vladyslav Heraskevych beklagt die Zulassung russischer Athleten. „Ich denke, dass das insgesamt wirklich schlecht ist, weil es die Handlungen Russlands normalisiert und die Menschen immer weniger über den Krieg nachdenken“, sagte der Skeletonpilot dem Deutschlandfunk. Er kritisierte, dass russische Sportler starten dürften, die Verbindungen zur Armee hätten oder den Krieg unterstützen würden.

Russlands Sportminister Degtiarev sprach indes von Diskriminierung. Dass es den Athleten unmöglich sei, unter russischer Flagge aufzutreten, sei ein Verstoß gegen die olympische Charta. Am schlimmsten sei jedoch, dass teilweise selbst Sportler, die prinzipiell zu Olympia zugelassen worden seien, dann von den Qualifikationswettbewerben dazu ausgeschlossen würden. Unter diesen Umständen seien die russischen Athleten, die es zu Olympia geschafft haben, bereits „Helden“, sagte er später im russischen Staatsfernsehen.

Biathlon-Olympiasieger Tikhonov spricht von „Schande“

Als „Schande“ bezeichnete der viermalige Biathlon-Olympiasieger Alexander Tikhonov den Beschluss, die Russen nicht an der Eröffnungszeremonie teilnehmen zu lassen. Eishockey-Legende Viacheslav Fetisov sprach von einer weiteren Erniedrigung für sein Land.

Das könnte Sie auch interessieren: Olympia-Team der USA reagiert auf ICE-Proteste – und ändert einen Namen

Lange wurde in Moskau darüber diskutiert, ob sich eine Übertragung lohnt. 2024 in Paris verzichtete das Staatsfernsehen wegen der Abwesenheit der meisten russischen Athleten. Diesmal erwarb der Streamingdienst Okko die Übertragungsrechte. Damit können allerdings nur zahlende Klienten in Russland das Geschehen in Italien verfolgen. (dpa/lam)

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test