Ilia Malinin stürzt in seiner Olympia-Kür

Eiskalt erwischt: Ilia Malinin stürzte zweimal in seiner Kür und sorgte für zahlreiche weitere Patzer. Foto: WITTERS

„Ich kann es nicht begreifen“: Eiskunstlauf-Superstar über das größte Olympia-Drama

kommentar icon
arrow down

Eiskunstlauf-Superstar Ilia Malinin suchte vor einer ganzen Reporterschar nach einer Antwort auf das nicht für möglich gehaltene Olympia-Fiasko in Mailand. „Ich kann nicht begreifen, was hier passiert ist“, sagte der 21-Jährige, der mit seinem dramatischen Einbruch in der Kür der Männer zu einer der tragischen Figuren dieser Olympischen Winterspiele wurde. „Das war definitiv kein angenehmes Gefühl.“

Ausgerechnet Freitag, der 13., wurde für den selbst ernannten „Vierfach-Gott“ zum Desaster. Als „Alptraum“ betitelte die Tageszeitung „USA Today“ den Abend für den Eiskunstlauf-Profi. Malinin, der nach dem Kurzprogramm noch geführt hatte, rutschte mit einer katastrophalen Kür auf den achten Platz ab – statt des erwarteten Golds gab es für den Topfavoriten aus den USA nicht einmal eine Medaille. „Ich habe es vermasselt“, wurde Malinin vom US-Sender NBC zitiert.

Eiskunstlauf-Star Ilia Malinin spricht über Olympia-Fluch

Der zweimalige Weltmeister erklärte, wie sehr ihn die besondere Bühne lähmte. „Der Druck bei Olympia ist enorm“, sagte er – und sprach wie viele vor ihm vom Mythos des großen Versagens: „Der olympische Druck erwischt dich wirklich. Die Leute sagen, es gebe einen olympischen Fluch – dass der Goldfavorit bei Olympia immer schlecht läuft.“ Ähnlich formulierte er es später noch einmal: „Man sagt ja, es gäbe einen Olympiafluch, dass der Goldfavorit bei Olympia immer schlecht läuft. Und genau so ist es dann auch.“


Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!
Diese Woche u.a. mit diesen Themen:

  • Genossen, hört die Signale: SPD in der Krise
  • Drohnen-Boote auf der Elbe: Welche Rolle Blohm + Voss spielt
  • Wut über hohe Benzinpreise: Mineralöl-Händler im Interview
  • Große Rätselbeilage: Knobelspaß für jeden Tag
  • 16 Seiten Sport: Wie der HSV seine neuen Spieler findet & St. Paulis dicke Krankenakte
  • 28 Seiten Plan 7: Musik im Dunkeln in der Laeiszhalle & Ausgehtipps für die ganze Woche

Dabei galt das Wunderkind auf Kufen vor den Winterspielen als unbesiegbar, mehr als zwei Jahre war er es auch. Die Frage vor der Kür schien weniger, ob Malinin Olympiasieger werden würde, sondern eher, mit welchem Abstand. Doch auf dem Eis wirkte er plötzlich wie verloren. „Es war fast so, als ob ich gar nicht mehr wusste, wo ich im Programm war“, bekannte er. „Normalerweise habe ich mehr Zeit und ein besseres Gefühl dafür, wie es läuft, aber diesmal ging alles so schnell vorbei, und ich hatte wirklich keine Zeit, etwas zu ändern oder den Ablauf anzupassen.“

Ilia Malinin völlig verzweifelt: „Es ging alles so schnell“

Das Fiasko begann früh: Statt eines geplanten vierfachen Axels – es wäre der erste in der Olympia-Geschichte gewesen – sprang Malinin ihn nur einfach. In der Folge reihte sich Fehler an Fehler, zwei Stürze inklusive. Die Zeitung „Wall Street Journal“ titelte: „Der Vierfach-Gott stürzt zu Boden“. Malinin selbst beschrieb das Gefühl, als sei ihm alles entglitten: „Vor der Kür war ich sehr zuversichtlich, fühlte mich richtig gut – und dann ist es plötzlich vorbei. Plötzlich gleitet dir das, was du in Händen hältst, wieder weg.“

Pünktlich zum Wochenende erhalten Sie von uns alle aktuellen News der Woche rund um den HSV kurz zusammengefasst – direkt per Mail in Ihr Postfach.
Mit meiner Anmeldung stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Vor allem aber nagte an ihm, wie schnell der große Traum zerplatzt war. „All die Jahre des Trainings, die Vorbereitung darauf – es ging einfach viel zu schnell vorbei. Ich hatte keine Zeit, zu verarbeiten, was ich tun sollte oder irgendetwas anderes. Es ging alles so schnell.“

Kasache Shaidorov gewinnt sensationell Olympia-Gold

Gold ging stattdessen an den kasachischen Vize-Weltmeister Mikhail Shaidorov, der nach dem Kurzprogramm noch Fünfter gewesen war und dank einer nahezu fehlerfreien Kür auf Rang eins kletterte. Selbst der Überraschungs-Olympiasieger zeigte Mitgefühl – und adelte den gestürzten Favoriten: „Er ist sehr wichtig für das Eiskunstlaufen. Er ist der beste Läufer der Geschichte“, sagte Shaidorov, der Malinin zugleich als „der beste Läufer der Welt“ bezeichnete. Silber holte der Japaner Yuma Kagiyama, Bronze dessen Landsmann Shun Sato.

Das könnte Sie auch interessieren: Zensur-Vorwurf bei Olympia: Ärger um Genitalbereich auf Da-Vinci-Kunstwerk

Auch der NBC-Experte und frühere Weltklasse-Eiskunstläufer Johnny Weir litt mit Malinin – und schickte ihm auf Instagram aufbauende Worte: „Du hast wahren Sportsgeist und Anmut gezeigt.“ Malinin sei einmalig auf dieser Welt, meinte Weir. (dpa/sid/mp)

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test