„Historische Chance“: Senator Grote mit konkreter Erwartung für Olympia-Referendum
Trommeln, begeistern, überzeugen. Das Rennen um die deutsche Bewerbung für Olympische Sommerspiele geht in die heiße Phase – und Hamburg in die Vollen. Sechs Wochen sind es noch bis zum Referendum in der Hansestadt am 31. Mai, bei dem sich die Stadt ein möglichst positives Votum und Rückenwind für die eigene Kampagne erhofft. Was wäre ein gutes Ergebnis? Und was muss Hamburg dafür noch tun? Die MOPO sprach mit Innen- und Sportsenator Andy Grote über Chancen und Notwendigkeiten.
Der Rahmen war größer als sonst und besonders – Signalwirkung und Symbolcharakter. In der Event-Location „Die Kuppel“ an der Trabrennbahn Bahrenfeld ging der traditionelle Jahresempfang des Hamburger Sportbundes (HSB) über die Zeltbühne, dort, wo sich bei einer möglichen Austragung der Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 das Olympische Dorf befinden wird. Eine Art Startschuss für den entscheidenden Endspurt vor dem Votum der Bevölkerung.
Andy Grote sieht eine positive Stimmung in Hamburg
„Wir merken, dass es bei vielen Menschen eine positive Stimmung und auch eine solide Überzeugung gibt, dass Olympische Spiele und der Weg dorthin gut für die Stadt wären“, sagte Grote beim „Kuppel“-Event zur MOPO. Er habe den Eindruck, dass immer mehr Bürgerinnen und Bürger realisieren, dass Olympische Spiele ein entscheidender Treiber für Entwicklung seien, mit „langfristigen Effekten, für den Sport, für die Infrastruktur wie etwa den Hauptbahnhof, für die Inklusion“.
Für Hamburg geht es um viel mehr als Olympia, so Grote. „Es ist eine große und historische Chance für unsere Stadt. Auf dem Weg in die Zukunft würde Hamburg enormen Rückenwind bekommen. Damit ließe sich die Stadtentwicklung, die unabhängig von Olympischen Spielen notwendig ist und mit der Zeit noch notwendiger wird, entschiedener vorantreiben, auch mit finanziellen Mitteln des Bundes“, führt der Senator aus. „Diese Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen.“ Dennoch gibt es in Hamburg viele skeptische Menschen, die sich Sorgen machen, Bedenken haben oder aber Olympia ganz klar und aus Überzeugung ablehnen.
Keine Stadt, die jemals Sommerspiele ausgerichtet habe, bereue dies, so Grote. Es sei bezeichnend, dass die Bevölkerung von München, Ausrichter der Olympischen Spiele 1972, mit 66 Prozent für eine Bewerbung um die erneute Austragung votiert habe, weil die damaligen Effekte für die Stadt so positiv waren. Das könne Hamburg zuversichtlich und mutig machen. „Wir müssen den Menschen – auch jenen, die Bedenken und Sorgen haben – deutlich machen, dass die positiven Effekte klar überwiegen.“
Finaler Olympia-Entscheid in Köln schon am Sonntag
Bei Mitbewerber NRW mit dem Zentrum Köln findet die finale Abstimmung des Bürgerentscheides an diesem Sonntag statt. Gleiches gilt für Kiel, Partner der Hamburger Bewerbung. In der Hansestadt werden Ende des Monats die Wahlbenachrichtigungen und Briefwahlunterlagen verschickt. Am 24. April ruft das Bündnis „OlympJA“ zur großen Kundgebung am Jungfernstieg.
Bei der Frage, was ein gutes Ergebnis beim Referendum am 31. Mai wäre, eiert Grote nicht herum, sondern wird konkret. „Ein gutes Ergebnis wäre, wenn wir über 55 Prozent kämen – über 60 wäre ein Traum“, sagt er der MOPO und stellt klar: „Aber auch 50,5 wären ein Auftrag.“
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Beim denkwürdigen Olympia-Referendum 2015 waren es nur 48,4 Prozent. „So ein Desaster darf nicht noch einmal passieren!“, mahnt HSB-Vorstand Daniel Knoblich. Umso mehr müsse laut HSB-Präsidentin Katharina von Kodolitsch in den Vordergrund gestellt werden, dass sich Hamburg „nicht um vier Wochen Event“ bewerbe, sondern um die Möglichkeit, „die Stadt nachhaltig zu verändern“.