Für ihren großen Olympia-Traum: Vier Bob-Exoten und ein Hund sammeln Spenden
Sechs israelische Bobfahrer und ein zuckersüßer Hund namens Lulu sammeln im Internet Spenden für ihren Traum von Olympia. Das Team um den in den USA geborenen Piloten AJ Edelman hat in der vergangenen Woche den Sprung zu den Winterspielen von Mailand und Cortina d’Ampezzo geschafft (ab 6. Februar) – doch noch fehlt Geld für Flüge, Material und den letzten Feinschliff.
Dass Israel überhaupt mit einem Bob bei Winterspielen an den Start gehen kann, ist historisch. Der israelische Olympia-Verband spricht von einem Meilenstein: Erstmals wird ein israelisches Bob-Team bei Olympischen Winterspielen vertreten sein. Für Edelman ist es die Fortsetzung einer besonderen Karriere. Der heute 33-Jährige hatte Israel bereits 2018 bei den Spielen in Pyeongchang im Skeleton vertreten und gilt in seiner Nische seit Jahren als Antreiber eines Projekts, das in Israel praktisch ohne gewachsene Infrastruktur auskommen muss.
Anschieber kommen aus dem Rugby und der Leichtathletik
Der Weg nach Italien war dabei nicht nur sportlich, sondern auch organisatorisch kompliziert. Israel rückte über eine nachträglich frei gewordene Quote ins olympische Feld. Für das Team war das der Lohn für Jahre des Aufbaus: Training, Reisen, Materialbeschaffung – und der Versuch, in einer Sportart Fuß zu fassen, die in Ländern mit Eiskanälen, Tradition und großen Budgets zu Hause ist.

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Auch die Zusammensetzung des Teams zeigt, wie ungewöhnlich dieses Projekt ist. Edelman setzte nicht auf klassische Bob-Laufbahnen, sondern auf Athleten mit Explosivität, Schnelligkeit und Kraft. Anschieber suchte er über soziale Medien und schrieb Sportler direkt an. So entstand ein Kader aus Quereinsteigern: Einer der Teamkollegen ist Rugby-Nationalspieler, die anderen beiden waren Sprinter und Stabhochspringer.
Olympia-Vergleich mit Jamaikas „Cool Runnings“-Team
Der Vergleich mit Jamaikas legendärem „Cool Runnings“-Team von 1988 liegt nahe – und genau damit spielt auch Edelmans Crew. Sie nennt sich „Shul Runnings“, eine augenzwinkernde Anspielung auf die berühmte Filmstory. „Shul“ ist ein im Jiddischen und Hebräischen gebräuchliches Wort für Synagoge.

Doch bevor der Traum von Olympia wirklich Realität wird, muss die Finanzierung stehen. 60.000 Dollar (etwas mehr als 50.000 Euro) werden insgesamt benötigt, das Team listet die Kosten Punkt für Punkt auf: unter anderem 25.000 Dollar für den Leihschlitten inklusive Transport, 5000 Dollar für Flüge nach Deutschland zur unmittelbaren Vorbereitung – und 3500 Dollar, um den Bob letztlich in israelische Farben zu kleiden. „Helft uns, Geschichte zu schreiben und Teil von etwas ganz Besonderem zu werden“, schreiben Edelman und seine Crew in ihrem Spendenaufruf.
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Die Kampagne zeigt, wie knapp kalkuliert der olympische Traum in kleinen Wintersport-Nationen oft ist. Während Top-Teams aus Deutschland, der Schweiz oder Kanada mit professionellen Strukturen arbeiten, muss Israels erstes Bob-Team jeden Schritt einzeln finanzieren: Trainingstage auf Eisbahnen im Ausland, Transportkosten, Material, Unterkunft – und am Ende sogar das Design des Schlittens. Und dann ist da noch Lulu, der Hund, der in den Posts des Teams zum heimlichen Maskottchen geworden ist und in den sozialen Netzwerken für zusätzliche Sympathiepunkte sorgt. (sid/hmg)
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