„Dringend nötig“: Laura Ludwig über die emotionale Wucht und Wirkung von Olympia
Sie ist eine Sportlegende. Olympiasiegerin, Weltmeisterin, Europameisterin. Stolze fünf Mal war Laura Ludwig bei Sommerspielen im Einsatz, hat Gold gewonnen und war Fahnenträgerin. Kaum jemand weiß besser, wie sich das größte Sport-Spektakel der Welt anfühlt, welche Emotionen und Energie Olympia entfachen und auch mit einer Stadt machen kann. Gerade deshalb wünscht sich die Beachvolleyball-Ikone die Austragung Olympischer Spiele in Deutschland und engagiert sich für die Bewerbung Hamburgs – als ehemalige Spitzensportlerin, in ihrer Rolle als HSV-Vizepräsidentin und auch als Mutter.
Mal euphorisch, mal nachdenklich. Lebendig, emotional, auch pragmatisch und immer hoffnungsvoll. Wer mit Laura Ludwig über Olympia spricht, der bekommt einiges geboten aus ihrem enormen Erfahrungsschatz, den sie teilen möchte in der entscheidenden Phase der Hamburger Bewerbungs-Kampagne vor dem Referendum am 31. Mai.
Laura Ludwig blickt Olympia-Referendum positiv entgegen
Die Aussichten? Es liegt in ihrer Natur, Zuversicht zu versprühen. „Ich denke immer positiv und bin guter Dinge“, sagt die 40-Jährige beim Gespräch mit der MOPO im HSV-Zentrum im Volkspark. Seit zehn Monaten ist sie Vizepräsidentin des HSV e.V., der mit mehr als 30 Sportarten und rund 9000 Aktiven ein großes Interesse an einer erfolgreichen Olympia-Bewerbung hat. „Ich sehe eine große Chance für den Hamburger Sport und für die Entwicklung der Stadt – und habe das Gefühl, dass das immer mehr Menschen in Hamburg ähnlich sehen.“
Es sei mal wieder Zeit für Sommerspiele in Deutschland, die ersten seit München 1972. Im Jahr 2036, eher aber 2040 oder 2044 könnte es wieder so weit sein. „Der Sport in Deutschland hat einen Schub dringend nötig und Olympia kann ein echter Booster sein“, glaubt Ludwig.
Als Wahl-Hamburgerin macht sie sich für Spiele an Elbe und Alster stark, obwohl sie in Berlin geboren und aufgewachsen ist, eine der Mitbewerber-Städte neben München und Köln mit der Rhein-Ruhr-Region. „Hamburg überzeugt mit kurzen Wegen, einem umweltbewussten und langfristig angelegten Konzept“, unterstreicht Ludwig, die seit 18 Jahren in der Hansestadt lebt und sie liebt: „Es soll viel am Wasser passieren, was für ein ganz besonderes Flair sorgen würde.“ Ein Alleinstellungsmerkmal. „Die Einbettung in die Stadt ist gegeben. Paris hat gezeigt, dass moderne Spiele mitten in der Stadt funktionieren.“
Ludwig ist Olympia-Expertin – und vom Konzept überzeugt
Prominente Olympia-Befürworter gibt es derzeit viele, aber nur wenige von ihnen sprechen mit einem Background wie dem ihren: Olympia-Debüt 2008 in Peking, die Teilnahme 2012 in London, der Gold-Triumph 2016 in Rio, die Corona-Spiele 2021 in Tokio, bei denen sie Fahnenträgerin des deutschen Teams bei der Eröffnungsfeier war, und schließlich ihre finalen Sommerspiele 2024 Paris und das Karriereende wenige Monate später.
Es sind Erlebnisse und Erfahrungen, wenn Ludwig erzählt. „Olympia hat eine enorme Energie und verbindende Kraft in die jeweilige Ausrichterstadt gebracht. In Paris war ich an spielfreien Tagen mehrfach mit meinen Kids unterwegs – man hat das überall gespürt. In London ebenfalls“, berichtet sie. Auch in Brasilien sei die Begeisterung groß gewesen. „Wenn ich in Rio durch die Straßen bei unserem Quartier spaziert bin, lief auf jedem Fernseher der Restaurants und Bars ein olympischer Wettkampf und die Menschen haben sich davor gedrängelt, mitgefiebert und gejubelt.“
Ein wichtiges Symbol in Zeiten von Krisen, Kriegen, Abgrenzung und verrohender Rhetorik könne das Olympische Dorf sein, findet Ludwig, dieser temporäre Mikrokosmos, der ein einzigartiges Phänomen ist. „Da leben 10.000 Athletinnen und Athleten aus aller Welt zusammen und es treffen sich Menschen, die sich sonst nie begegnen würden“, sagt die frühere Ausnahmespielerin.
Mini-Welt: Olympisches Dorf kann ein Vorbild sein
Mehr noch. „Das Olympische Dorf hat eine Vorbildfunktion“, findet Ludwig. „Es ist ein sichtbares Zeichen, dass es möglich ist: ein Miteinander trotz unterschiedlicher Herkunft, Kultur oder Religion und die Chance, sich kennenzulernen, auszutauschen und einander zuzuhören. So etwas kann ausstrahlen – auch in andere Bereiche.“
Die Tatsache, dass Olympische Spiele in erster Linie ein Sportevent und nicht ein Fest der Völkerverständigung sind, stellt Ludwig nicht in Abrede und will auch nicht romantisieren. „Natürlich geht es um Wettkampf, aber um einen fairen, der verbindet und bei dem respektiert und Leistung anerkannt wird.“ Das sei durchaus beispielgebend. „Ich glaube, wir alle können diesen olympischen Spirit gut gebrauchen.“
Sommerspiele mitzuerleben, mittendrin zu sein, als Sportlerin und Sportler oder auch Fan, sei ein „besonderes Feeling“ und „unbeschreiblich“, schwärmt Ludwig: „Mit Olympia ist es ein bisschen so wie mit Eltern werden: Man muss es erleben, um es zu verstehen.“
Ludwig wünscht sich Olympia in Hamburg für alle Kinder
Sie versteht beides. Ihre Söhne Teo (7) und Lenny (3) sind – wenig überraschend – bewegungsfreudig und sportbegeistert. Bei den Olympischen Winterspielen zu Jahresbeginn hätten ihre Jungs am TV mitgefiebert und dann diverse Wettkämpfe nachgespielt, wie etwa Skeleton, indem sie bäuchlings auf dem Skateboard durch das heimische Haus in Halstenbek gedüst seien, erzählt Ludwig lachend. „Beim Gedanken daran, dass ich mit meinen Kindern hier in unserer Stadt Olympische und Paralympische Spiele erleben könnte, bekomme ich Gänsehaut. Ich weiß, wie begeisternd, inspirierend und motivierend das sein kann“, sagt sie. „Ich wünsche es mir für meine eigenen Kinder, aber genauso für alle Kinder in unserer Stadt.“
Die Vizepräsidentin Ludwig wiederum stellt die möglichen strukturellen Effekte für den Spitzen- und Breitensport in den Vordergrund. „Olympische und Paralympische Spiele würden den Sport in Hamburg deutlich voranbringen – vor allem bei Wettkampf- und Trainingsstätten. Auch wir als HSV mit all unseren Sportabteilungen würden davon profitieren“, ist sie überzeugt.
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Ein Selbstläufer wird ein positives Referendum mit einem guten Ergebnis und Signalwirkung nicht, ahnt Ludwig. Es sei noch einiges an Engagement und Mobilisierung nötig. Sie wird auch in den kommenden Wochen zahlreiche Termine absolvieren, auf größerer Bühne, aber auch in Firmen und an Schulen. Sie sei in ihrer Rolle als Vizepräsidentin des HSV unterwegs, um zu überzeugen, „zu begeistern“ und sich für den Sport stark zu machen. In Bewegung für Olympia. Mit voller Energie, wie früher. Nur nicht mehr im Sand. Laura Ludwigs olympischer Traum ist jetzt ein anderer.