Die große MOPO-Prognose: So viele Medaillen holt Deutschland bei Olympia

Darja Varfolomeev bei einer Übung
Darja Varfolomeev ist die wohl talentierteste Sportgymnastin, die Deutschland je zu Olympischen Spielen geschickt hat.

Der Trend, er ist nicht der Freund der deutschen Olympia-Sportler. Vor drei Jahren in Tokio gab es für sie nur noch 37 Medaillen, darunter zehn goldene. Es war der tiefste Wert seit der Wiedervereinigung und nicht einmal halb so viel Edelmetall wie 1992 in Barcelona, als deutsche Sportler 82 Medaillen abräumten, darunter 33 goldene.

Wie sieht es in Paris aus? Wer schafft es aufs Treppchen? Wer holt Gold? Die große MOPO-Prognose mit dem Blick auf alle Sportarten, in denen olympischer Glanz bevorsteht.

Judo

Die Kölnerin Anna-Maria Wagner wird an diesem Freitag bei der Eröffnungsfeier zusammen mit Basketball-Kapitän Dennis Schröder die deutsche Fahne tragen. Auf der Matte wird sie dann sportlich glänzen und sich nach ihren zwei Bronzemedaillen von Tokio am 1. August mit Silber belohnen. (0/1/0)

Kanu

Seit jeher eine deutsche Domäne. Ganz so stark wie in früheren Zeiten sind die deutschen Paddler allerdings nicht mehr. Trotzdem: Am 9. August wird der Kajak-Zweier der Männer Gold holen. Einen Tag vorher könnten die beiden Kajak-Vierer innerhalb von zehn Minuten zweimal Silber holen. Schon an diesem Sonntag geht es im Wildwasser-Kanal für Olympiasiegerin Ricarda Funk um Medaillen. Die MOPO tippt auch hier auf Silber im Kajak. Die zweifache Weltmeisterin Elena Lilik könnte am kommenden Mittwoch im Canadier mit Bronze nachlegen. (1/3/1)

Ricarda Funk im Kanu
Ricarda Funk 2021 in Tokio bei ihrer Goldfahrt

Leichtathletik

Die letzte WM wurde zum Desaster (null Medaillen), die letzte EM (nur eine Goldmedaille) vor Olympia lief auch bescheiden. In Paris aber sehen die Vorzeichen doch gar nicht so schlecht aus. Wenn Weitsprung-Königin Malaika Mihambo nach ihrer Corona-Erkrankung zu ihrer Form findet, wird sie am 8. August erneut nicht zu schlagen sein. Es könnte ein goldener Tag für die deutsche Leichtathletik werden, denn Speerwerfer Julian Weber reist in Topform nach Paris und könnte in einem offenen Feld der glückliche Sieger werden. Gleiches gilt für Zehnkampf-Hero Leo Neugebauer, der bei der EM gefehlt hatte und sich am 3. August zum König der Athleten krönen will. Im selben Wettkampf könnte Ex-Weltmeister Niklas Kaul auf Bronze schauen. Auf diese Medaillenfarbe dürfen am 9. August Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye und zwei Tage zuvor die deutschen Ausdauer-Athleten in der ganz neuen Marathon-Gehen-Mixed-Staffel hoffen, in der die Marathon-Distanz abwechselnd von Männern und Frauen, von Marathonläufern und Gehern absolviert wird. (3/0/3)

Radsport

Auf der Straße, auf BMX-Rädern und Mountainbikes wird nichts zu holen sein. Auf der Bahn sieht es anders aus. Emma Hinze und Lea Sophie Friedrich greifen nach Silber in Tokio am 5. August nach Gold im Teamsprint. Und – man wird ja wohl noch träumen dürfen – könnten sich am Schlusstag in einer der letzten Olympia-Entscheidungen im Sprint-Finale gegenüberstehen. Das würde dann Gold und Silber bedeuten. Eine weitere Medaille ist für Roger Kluge und Theo Reinhardt am 9. August im Madison drin. Die MOPO tippt auf Silber. (2/2/0)

Reiten

Die Zeit, in der die deutschen Reiter unangefochten an der Weltspitze waren, ist vorbei. Im Springen und in der Vielseitigkeit kämen Medaillen überraschend. In der Dressur ist aber nach dem Ausschluss der Britin Charlotte Dujardin, die in einem Video der Tierquälerei überführt wurde, die deutsche Equipe am 3. August Gold-Favorit. Klappt es, würde Isabell Werth die Kanutin Birgit Fischer als erfolgreichste deutsche Olympia-Teilnehmerin aller Zeiten ablösen. Am Folgetag könnte sie nachlegen. Im Einzel wäre hinter Teamkollegin und Top-Favoritin Jessica von Bredow-Werndl Silber möglich. (2/1/0)

Rhythmische Sportgymnastik

Die Mutter von Fußball-Star Leroy Sané ist die bisher einzige deutsche Medaillengewinnerin in dieser Sportart. 1984 gewann Regina Weber in Los Angeles Bronze. Die Chance aber ist groß, dass Darja Varfolomeev am 9. August zu ihr aufschließt – und nicht nur das. Die 17-Jährige patzte zwar bei der Generalprobe, ist nach ihren fünf Goldmedaillen bei der Weltmeisterschaft im Vorjahr aber große Gold-Favoritin im Einzel. (1/0/0)

Rudern

Im Deutschen Ruderverband tobt seit Jahren ein Streit, der für die Ergebnisse der Athleten nicht förderlich ist. Gänzlich unbeeindruckt rudert Oliver Zeidler im Einer von Sieg zu Sieg. Der dreifache Welt- und Europameister ist am 3. August auf Gold gepolt und vielleicht, ja ganz vielleicht, kann quasi in seiner Bugwelle auch der deutsche Achter mit dem Hamburger Eric Johannesen eine halbe Stunde später überraschen und Bronze gewinnen. (1/0/1)

Oliver Zeidler im Ruderboot
Oliver Zeidler hat etwas gutzumachen. Schon in Tokio war er Favorit auf Gold und scheiterte im Halbfinale.

Schießen

Die deutschen Sportschützen gehören zu den größten Hoffnungen im „Team D“. Der Reihe nach: Robin Walter ist Weltranglistenerster mit der Luftpistole. Das Finale steigt am Sonntagmorgen (9.30 Uhr). Bronze wäre für den Informatikstudenten ein großer Erfolg. Am Montag hofft die dreifache Europameisterin Anna Janßen auf Edelmetall mit dem Luftgewehr. Silber wäre keine Überraschung. Am 3. August wäre ein Medaillen-Doppelschlag für die Sportschützen drin. Doreen Vennekamp holte mit der Sportpistole 2022 und 2023 WM-Gold. Nun soll Olympia-Gold die Karriere krönen. Sven Korte ist Europameister im Skeet (Wurfscheibenschießen). In Paris würde er sich sicher auch über Silber freuen. Zwei Tage später will Christian Reitz acht Jahre nach Rio mit der Schnellfeuerpistole sein zweites Olympia-Gold holen. Nicht auszuschließen, dass sogar zwei Deutsche in dieser Disziplin auf dem Treppchen stehen. Florian Peter ist ein heißer Kandidat auf Bronze. (2/2/2)

Schwimmen

Seit Britta Steffen 2008 Doppel-Olympiasiegerin wurde, haben die deutschen Schwimmer kein Gold mehr in den Beckenwettbewerben gewonnen. Die beste Chance, das zu ändern, hat schon an diesem Samstag zur besten Sendezeit (20.42 Uhr) Lukas Märtens. Über 400 Meter Freistil ist der Magdeburger Weltjahresschnellster und Top-Favorit. Über die halbe Distanz ist ihm am Montag Silber zuzutrauen. Seine Ex-Freundin Isabel Gose darf am Mittwoch über 1500 Meter Freistil auf Bronze hoffen. Über die gleiche Medaillenfarbe würde sich schon am Sonntag Weltmeisterin Angelina Köhler freuen. Anders als bei ihrem WM-Coup in Doha muss sie sich diesmal mit den wohl unschlagbaren US-Amerikanerinnen Gretchen Walsh und Torri Huske messen. Völlig unberechenbar erscheinen die Wettbewerbe im Freiwasser, wo Florian Wellbrock zuletzt Rückschläge verkraften musste. Die größeren Medaillenchancen aus deutscher Sicht hat am kommenden Donnerstag Leonie Beck. Die MOPO tippt auf Silber. (1/2/2)

Segeln

Zum erweiterten Medaillenkreis gehören die deutschen Segler in der Hälfte der zehn Klassen. Einer wird bestimmt durchkommen. Die besten Chancen darf sich Einhandsegler Philipp Buhl ausrechnen. Der Weltmeister von 2020 wohnt zwar in Sonthofen, startet aber für den in Hamburg ansässigen Norddeutschen Regatta-Verein und würde sich am 6. August schon mit Bronze einen Traum erfüllen. (0/0/1)

Teamsportarten

Die deutschen Basketballer sind Weltmeister und haben in der Vorbereitung bei der knappen 88:92-Niederlage gegen die Superstars der USA unter Beweis gestellt, dass mit ihnen bei der Medaillenvergabe zu rechnen sein wird. Gold wird’s wohl nicht werden. Aber auch Bronze wäre am 10. August ein riesiger Erfolg. Ähnlich sieht es bei den Hockey-Herren aus, auch die gehen als Weltmeister ins olympische Turnier, aber nicht unbedingt als Top-Favorit. Die jüngsten Ergebnisse in der Pro League waren eher so, dass es ein Grund für die nächste große Party wäre, wenn sie am 8. August Bronze gewännen. Und vielleicht können sie einen Tag später ja mit den Hockey-Damen dann zusammen feiern. Auch denen ist Bronze zuzutrauen. Würde es so kommen, hätte Hamburg acht Medaillen gewonnen, zwei bei den Hockey-Herren, sechs bei den -Damen. Und wieder einen Tag später könnten in der von der Mannschaftsgröße her kleinsten Teamsportart noch welche dazukommen. Nils Ehlers und Clemens Wickler sind als Weltranglistenvierte im Beachvolleyball Anwärter auf Bronze. (0/0/4)

Tennis

Alexander Zverev jagt sein zweites Gold. Aber, das bestätigte der Hamburger auf MOPO-Nachfrage, er würde sich am 3. August auch über Bronze freuen. Gut möglich, dass er sogar zweimal auf dem Treppchen stehen wird. Auch im Mixed, wo die Finalspiele einen Tag zuvor ausgetragen werden, gehört er an der Seite von Laura Siegemund zu den Medaillenkandidaten. Die MOPO tippt auf Doppel-Bronze. (0/0/2)

Tischtennis

37 olympische Entscheidungen gab es bislang im Tischtennis. 32 Mal ging Gold nach China. Und wenn nichts ganz Verrücktes passiert, dann werden nach den fünf Entscheidungen von Paris fünf weitere der edelsten Medaillen den bekannten Weg ins Riesenreich finden. Das Gute: Die deutschen Männer um Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov können im Team-Wettbewerb erst im Finale auf die Chinesen treffen, dürfen daher wie schon in Tokio und Peking auf Silber hoffen. (0/1/0)

Triathlon

Die Generalprobe in Hamburg lief perfekt. Die deutsche Mixed-Staffel holte am 14. Juli WM-Gold. In Paris dürfte der Sieg nur über die Gastgeber gehen. Hinter den Franzosen ist aber mit einer starken Lisa Tertsch Silber möglich. (0/1/0)

Turnen

Kann er? Kann er nicht? Er kann. Barren-Weltmeister Lukas Dauser hatte sich bei der abschließenden Olympia-Qualifikation eine Muskelverletzung im rechten Oberarm zugezogen und musste um seine Teilnahme an den Spielen bangen. Der 31-Jährige ist aber rechtzeitig wieder fit. Wenn ihn die Verletzung nicht nachhaltig geschwächt hat, ist Dauser an seinem Parade-Gerät auch der Favorit auf Gold. (1/0/0)

Lukas Dauser am Barren
Lukas Dauser gewann im Vorjahr als erster Deutscher seit Fabian Hambüchen 2007 WM-Gold am Barren.

Wasserspringen

Wasserspringen ist wie Tischtennis – nur von weiter oben und ein bisschen nasser und ohne Schläger und ohne Ball. Nun ja, zumindest bei den zu erwartenden Ergebnissen sieht’s vermutlich genau gleich aus. So wäre es ein sportliches Wunder, wenn auch nur eine Goldmedaille bei den acht Entscheidungen nicht ins Reich der Mitte gehen würde. Dahinter aber könnte was zu holen sein. Im Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett müssen sich Lena Hentschel und Jette Müller vor niemandem verstecken – außer vor den Chinesinnen natürlich. Warum also nicht Silber holen? Und für Moritz Wesemann gilt das vom Drei-Meter-Brett auch. Das Blöde für den Berliner: Da dürfen zwei Chinesen starten, aber Bronze ist für den Europameister drin. (0/1/1)

Fazit

Sollten die deutschen Sportler ihre Vorleistungen bestätigen, dann sind 45 Medaillen in Paris realistisch. Die MOPO-Prognose geht von je 14 Gold- und Silbermedaillen und 17 Mal Bronze aus. Der Abwärtstrend wäre vorerst gestoppt. Es wären von der Medaillenanzahl sogar die erfolgreichsten Spiele seit Athen 2004 (damals gab es 49 Medaillen).