Der kanadische Curling-Star Marc Kennedy bei Olympia

Der Kanadier Marc Kennedy wies die schwedischen Schummel-Vorwürfe barsch zurück. Foto: AFP

Curling, Langlauf, Skispringen: Wie viel Betrug gibt es bei Olympia wirklich?

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Streit um Doppelberührungen beim Curling, Diskussionen um Anzüge und mögliche Penis-Tricksereien im Skispringen, der umstrittene Einsatz einer Wachsmaschine im Langlauf: Die Olympischen Winterspiele in Italien werden auch von diversen Betrugsvorwürfen begleitet. Welche Sportler und Sportarten stehen besonders im Verdacht? Die MOPO gibt einen Überblick.

Es war einer der großen Aufreger der bisherigen Spiele: der Zoff zwischen den Kanadiern und den Schweden. Die Skandinavier hatten dem Nordamerikaner Marc Kennedy eine irreguläre mehrfache Berührung des Steins vorgeworfen. Ein hitziges Wortgefecht folgte. Videos im Internet sollten Beweise liefern.

Doppelte Berührung sorgte für Aufregung beim Curling

Die deutschen Curler zeigten sich weitgehend unbeeindruckt davon. „Ich glaube, das ist einfach in seiner Abgabe drin. Uns ist es noch nie aufgefallen“, sagte Felix Messenzehl. Man wisse auch gar nicht, ob die doppelte Berührung tatsächlich einen Vorteil bringe. Daher beschäftige man sich nicht groß damit.

Der kanadische Curler Marc Kennedy ist schwer enttäuscht von den Betrugsvorwürfen, die gegen ihn geäußert wurden. imago/Bildbyran
Marc Kennedy beim Curling bei Olympia
Der kanadische Curler Marc Kennedy ist schwer enttäuscht von den Betrugsvorwürfen, die gegen ihn geäußert wurden.

Der Curling-Weltverband sah den Vorfall kritischer. Kennedy wurde wegen seiner Wortwahl mündlich verwarnt. Auch der Kanadierin Rachel Homan wurde gegen die Schweiz eine Doppelberührung vorgeworfen – und einer ihrer Steine daraufhin aus dem Spiel genommen. Das Thema sorgte weiter für Wirbel.

Der Verband ließ die Abgaben zunächst strenger kontrollieren, schwächte die Regel aber schnell wieder ab: Die dafür vorgesehenen Schiedsrichter sollten nun nur noch auf Antrag der beteiligten Teams die Abgaben überwachen.

Ärger um norwegische Wachsmaschine bei Olympia

Norwegens Langlauf-Team nutzte während des Sprint-Vorlaufs eine sonst verbotene Wachsmaschine im Servicebereich, was dem Weltverband FIS heftige Kritik einbrachte. Dieser hatte den Skandinaviern eine Ausnahmegenehmigung erteilt, andere Nationalteams aber nicht über diese Möglichkeit informiert.

Johannes Høsflot Klæbo (2.v.l.) und die anderen norwegischen Langläufer haben sich einen Wachs-Vorteil verschafft. AP
Johannes Høsflot Klæbo gewinnt den Olympia-Sprint
Johannes Høsflot Klæbo (2.v.l.) und die anderen norwegischen Langläufer haben sich einen Wachs-Vorteil verschafft.

Der norwegische Topmann Johannes Høsflot Klæbo holte Gold, Finnland legte Protest ein – laut Weltverband aber nicht fristgerecht und daher erfolglos. Das sei ein „ganz klares Versagen der FIS-Verantwortlichen – zum wiederholten Male“, monierte der deutsche Langlauf-Teamchef Peter Schlickenrieder. 

Auch bei der Langlauf-Staffel der Männer sorgten die Norweger für Aufsehen. Ein Servicetechniker führte kurz vor Rennstart auf der bereits gesperrten Loipe noch einen Skitest durch. Der Weltverband reagierte glimpflich und zog den Skandinaviern für den Team Sprint einen Servicemann ab. 

Norwegen seit Anzug-Skandal bei Ski-WM im Fokus

Die Norweger, seit Jahrzehnten eine Großmacht im Wintersport und auch in Italien im olympischen Medaillenspiegel an der Spitze, stehen ohnehin unter besonderer Beobachtung. Bei der nordischen Ski-WM in ihrer Heimat hatten sie 2025 Anzüge ihrer Skispringer manipuliert und für einen heftigen Eklat gesorgt.

Zudem stünden norwegische Sportler immer wieder im Verdacht, das Doping-Kontrollsystem auszutricksen, hieß es in einem in der ARD-„Sportschau“ ausgestrahlten Beitrag. Ihnen werde der missbräuchliche Gebrauch von Asthma-Mitteln vorgeworfen. Diese könnten leistungssteigernd sein und wären durch Ausnahmegenehmigungen vergleichsweise einfach zu bekommen.

Olympia-Eklat um Penis-Trick und zu große Schuhe

Auch bei den Spielen in Italien stand die Kleidung der Skispringer schon im Fokus. Der Österreicher Daniel Tschofenig wurde beim Springen auf der Großschanze in Predazzo aber nicht etwa wegen eines regelwidrigen Anzugs disqualifiziert, sondern wegen einer nicht zulässigen Schuhgröße.

Mika Vermeulen sorgte mit Aussagen über Penis-Tricks im Skisport für Aufsehen. imago/GEPA pictures
Mika Vermeulen beim Skilanglauf
Mika Vermeulen sorgte mit Aussagen über Penis-Tricks im Skisport für Aufsehen.

Die Regeln des Weltverbands FIS zur Vermessung der Athleten und der damit verbundenen Bestimmung der Größe ihrer Anzüge sind aber auch in Norditalien immer wieder Thema. „Zumindest theoretisch gibt es die Möglichkeit zur Manipulation“, sagte Sportdirektor Horst Hüttel vom Deutschen Skiverband angesprochen auf mögliche Penis-Tricksereien. Daher müsse man handeln.

Während der Vierschanzentournee rund um den Jahreswechsel hatte die „Bild“ berichtet, es solle Sportler geben, die für ein paar Millimeter mehr Stoff zu Hyaluronsäure gegriffen hätten, um vor der Messung ihren Penis aufzuspritzen. Denn: Je mehr Stoff an der richtigen Stelle, desto mehr Auftrieb ist möglich.

Auch im Eiskunstlauf gibt’s Ärger um Punktrichter

Das deutsche Eiskunstlauf-Duo Annika Hocke und Robert Kunkel haderte schon nach dem Kurzprogramm mit den Bewertungen der Punktrichter – und legte nach der Kür mit Kritik noch mal nach. Es habe bei diesen Spielen „ein paar zu hinterfragende Entscheidungen“ gegeben, sagte Kunkel. 

Gemeint gewesen sein dürfte damit auch die umstrittene Eistanz-Entscheidung zugunsten der Franzosen Laurence Fournier Beaudry und Guillaume Cizeron, bei der die französische Preisrichterin Jézabel Dabouis deutlich vom Jury-Durchschnitt abgewichen war und so für reichlich Empörung gesorgt hatte.

Das Eiskunstlauf-Duo Annika Hocke und Robert Kunkel picture alliance/dpa/PA Wire | Mike Egerton
Eiskunstlauf-Duo in der Kür
Das Eiskunstlauf-Duo Annika Hocke und Robert Kunkel

Wären sie ihr Programm während der ganzen Saison schon dreimal so gelaufen, hätten sie womöglich zehn oder fünf Punkte mehr bekommen, mutmaßte der 26-jährige Kunkel mit Blick auf die eigene Performance im Paarlauf.

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Laut Partnerin Hocke, mit der Kunkel letztlich auf Platz zehn gelandet war, ein generelles Olympia-Dilemma. Es sei schon öfter vorgekommen, dass das beste Programm des Tages nicht die meisten Punkte bekommen habe. „Ich glaube, das ist ein Problem im Eiskunstlaufen, was wir alle kennen, dass die Saison mitbewertet wird, der Name mitbewertet wird und eben nicht nur der Tag.“ (mp/dpa)

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