Er fährt schon für Red Bull: Hamburger Teenie (19) träumt von der Formel 1

Tim Tramnitz am Rennsimulator im „Derbe Flott“
Tim Tramnitz am Rennsimulator im „Derbe Flott“ mit der Barcelona-Strecke

Manchmal liegt Barcelona in Bahrenfeld. Tim Tramnitz sitzt im „Derbe Flott“ und steuert seinen Wagen virtuell über den Circuit de Catalunya, auf dem er am nächsten Wochenende in der Formel 3 antreten wird. Der 19-Jährige hat ein klares Ziel: „Als bester Rookie aus der Saison zu gehen.“ Denn dort geht es für den Hamburger nicht nur um diesen rühmlichen Titel – sondern auch um den Aufstieg in die Formel 1.

In der internen Rangliste der Formel-3-Neulinge liegt der 16-jährige Engländer Arvid Lindblad nach vier von zehn Rennwochenenden einen Punkt vor Tramnitz, der in der Gesamtwertung Siebter ist. Zum Auftakt in Bahrain steuerte er seinen Dallara mit Saugmotor auf Platz drei im langen Sonntagsrennen, zwei zweite Plätze in den Samstags-Sprintrennen von Imola und Monte Carlo waren weitere Podien-Plätze des Bergedorfers.

Tim Tramnitz will schon bald in der Formel 1 fahren

In Bahrenfeld-Barcelona schaltet Tramnitz in den sechsten Gang und braust mit 270 Sachen über die Gerade. „In Hamburg ist das der beste Ort, um mich auf ein Rennen vorzubereiten“, sagt das Talent über die Rennsimulations-Lounge. Nächste Woche geht es zur Analyse ins englische Milton Keynes, dem Hauptsitz des Red-Bull-Nachwuchsprogramms.

Seit Tramnitz 2023 zu einem der zehn Nachwuchsfahrer von Red Bull erkoren wurde, hat der lang gehegte Traum von einer Formel-1-Karriere noch einmal kräftig Fahrt aufgenommen. „Ich habe früh zu meinem Vater gesagt: Ich will irgendwas mit Autos machen“, blickt Tramnitz auf seine Anfänge zurück. Mit zwei Jahren bekam er ein E-Quad, später machte er sich als Kartfahrer einen Namen. 2016 titelte die MOPO: „Tim (11) will Hamburgs Vettel werden“.

Dazu braucht es Geld und Geduld. „Einige Sponsoren sind schon fast zehn Jahre dabei“, würdigt Tramnitz die frühen Unterstützer, zu denen inzwischen mit Red Bull der Formel-1-Branchenriese getreten ist. „Wir können mit der ersten Hälfte des Jahres zufrieden sein“, zieht Tramnitz eine Zwischenbilanz der Formel-3-Saison: „In der zweiten Hälfte sollte auch noch das eine oder andere Podium am Sonntag dazukommen.“

Tramnitz trainiert im Simulator in Hamburg-Bahrenfeld

Im „Derbe Flott“ hat Tramnitz die Brems- und Einlenkpunkte auf dem Monitor im Blick, aber dann wackelt das Bild auf dem Schirm und sein Bolide steht nach einigen Drehungen quer. „Das sollte in echt lieber nicht passieren“, kommentiert er den Randsteinkontakt. Wobei der mit einem echten Wagen unter den Füßen wohl noch ein bisschen besser austarierbar gewesen wäre als in der Simulation. „Ein Risiko ist dabei, aber ich fühle mich sicher“, kalkuliert er die Gefahren der Geschwindigkeit. Nach einem Crash in Estoril hatte er Anfang 2022 fünf Schrauben im Rücken, feierte aber nach einigen Monaten sein Comeback.

Beim Sprintrennen in Monaco fuhr Tramnitz auf den zweiten Platz.
Beim Sprintrennen in Monaco fuhr Tramnitz auf den zweiten Platz.

Wie geht die Reise weiter? Motorsport-Superstar Max Verstappen, auch einst RB-Nachwuchsfahrer, gehört zu den Ausnahmen, die von der Formel 3 direkt in die Königsklasse gewechselt sind. Normal ist der „ordentliche“ Aufstieg in den Formelstufen 3, 2, 1. „Wir sollten schauen, ob die Formel 2 möglich ist“, gibt Tramnitz als Ziel für die neue Saison aus. Mitte Juli setzt sich das Fahrerkarussell in Gang, dann werden die Cockpits für 2025 vergeben.

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In Bahrenfeld meistert Tramnitz die Widrigkeiten der Strecke und rast ins Ziel. Barcelona kann kommen. „Wir haben eine Richtung gefunden, wie das Auto für mich liegen und wie ich mit den Reifen umgehen muss“, sagt er. Das echte Gefährt steuert er wegen des Mangels an heimischen Rennen am liebsten über die Strecke im niederländischen Zandvoort. „Die ist Old School, ähnlich wie in Monaco. Du hast praktisch keine Auslaufzonen und fährst bis an die Grasnabe“, schildert Tramnitz: „Wenn du ein bisschen übers Limit gehst, wirst du sofort bestraft. Aber direkt am Limit fühlt es sich umso besser an.“