Vor Hamburgs sensationellem Pokal-Finale: Die Siegerfarbe steht schon fest
Lila gewinnt. Mehr steht vor dem Hamburger Pokal-Endspiel nicht fest, in dem gleich zwei Außenseiter aufeinandertreffen: Vorwärts-Wacker Billstedt und der Hamburg-Eimsbütteler Ballspiel-Club (HEBC), die beide die fußballerisch eher seltene Farbe Lila in ihrem Vereinswappen tragen. In der Oberliga mussten beide Vereine noch im Mai um den Klassenerhalt bangen, der inzwischen geschafft ist. Aber angesichts der zwei Regionalligisten und zahlreicher Oberliga-Spitzenklubs im Wettbewerb ist die Paarung in etwa so, als würden Atalanta Bergamo und Olympiakos Piräus den Champions-League-Titel ausspielen.
Heißt auch: Für die meisten Spieler geht es um die Chance ihres Lebens, die zumindest so bald nicht wiederkehren dürfte. Der Sieger darf im DFB-Pokal auf das große Los hoffen, wie Vorjahresgewinner Eintracht Norderstedt es mit dem FC St. Pauli zog – und erhält zudem über 200.000 Euro Antrittsprämie.
HEBC schwächelte zuletzt in der Oberliga Hamburg
Viel Geld für beide Oberligisten, die mit Siegprämien im Frühjahr sparsam umgehen konnten. „Wir hatten zuletzt eine Phase, in der wir in beiden Strafräumen nicht konsequent waren“, sagt HEBC-Trainer Philipp Obloch: „Aber solange wir etwas kreieren, bin ich optimistisch. Es geht um die Tagesform.“
Auch ein Ex-Profi ist zuversichtlich. „Die Spieler werden um jeden Zentimeter fighten, da weiß jeder, wann was zu tun ist“, sagt Jörn Großkopf, der 1988 als HEBC-Talent zum FC St. Pauli in die Bundesliga wechselte. Der heutige Norderstedt-Coach hat auch die Eimsbütteler eine Saison lang (2018/19) trainiert und ist sich sicher: „Der Elan ist vorhanden, das Ding unbedingt zu holen.“
Bei Vorwärts-Wacker sah es zuletzt eher düster aus. Nach der 0:5-Klatsche im Heimspiel gegen den ETV nannte Trainer Ümit Taytanli es „einfach scheiße, was wir zusammenspielen“. Er drohte seinen Schützlingen: „Ich trage niemandem das Trikot hinterher.“
Vorwärts-Wacker profitierte im Pokal vom Flutlicht
Dass die Billstedter im Endspiel stehen, halten manche für eine gehörige Ungerechtigkeit. Im Viertelfinale gegen den SC Victoria lag „VW“ eine Viertelstunde vor Schluss mit 1:3 hinten, als das Flutlicht ausfiel. Das Spiel wurde neu angesetzt, durch ein Tor in der Nachspielzeit retteten sich die Billstedter ins Elfmeterschießen, das sie dann gewannen.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Den anschließenden 1:0-Halbfinalsieg gegen den späteren Hamburger Meister Eisenbahner TSV durch ein Tor von Evailton Fernandes hätte ihnen kaum jemand zugetraut. In der Liga pfui, im Pokal hui – so lautet das Motto der Billstedter, die von der personellen Besetzung als leichter Favorit ins Spiel gehen. Und als offizielle Heimmannschaft auch lila Kleidung tragen dürfen.
In der Oberliga gewann HEBC beide Spiele gegen Billstedt
Der HEBC ist offiziell das Auswärtsteam, auch wenn seine Anhänger sich am Finaltag zum Fanmarsch versammeln, um die gerade drei Kilometer zur Endspielstätte Hoheluft-Stadion gemeinsam zurückzulegen. „Alle in Weiß zum Pokalfinale“ heißt die modische Devise.
In den Oberliga-Duellen setzten sich die Eimsbütteler zweimal mit 2:1 durch, das Siegtor erzielte beide Male Michele Scalzi. Die Abwehr um Kapitän Janek Wrede ist das Prunkstück von HEBC, in den letzten vier Pokalspielen ließ sie kein Gegentor zu. Voraussetzung für Siege im Elfmeterschießen gegen Buchholz und Paloma.
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Für beide Vereine wäre es der erste Pokalsieg, Finalerfahrungen haben sie aber schon. HEBC verlor 1983 im Elfmeterschießen gegen Hummelsbüttel, das mit Georg Volkert einen HSV-Europapokalsieger in seinen Reihen hatte. Die Billstedter scheiterten 1998 an St. Paulis Nachwuchs (0:4) mit Ivan Klasnic und Co. sowie 2011 am Eimsbütteler TV (0:1).