Hitziges Stadtderby: Victoria wirft Altona aus dem Pokal – unschöne Fan-Szenen
Am Freitagabend war es wieder einmal so weit: Das älteste noch ausgetragene Stadtderby Deutschlands ging in die 143. Auflage. Im Stadion Hoheluft gewann der SC Victoria Hamburg vor 1.512 zahlenden Fans den Hamburg-Klassiker gegen Altona 93 mit 1:0 (1:0) und zog damit ins Viertelfinale des Lotto-Pokals ein.
Auf dem Papier: Ein Klassenunterschied zwischen Regionalligist Altona und Oberligist Victoria, die in den vergangenen neun Duellen untereinander zudem sieglos blieben. Die Form sprach jedoch nicht für den Viertligisten. Der letzte Punktgewinn im Oktober, Tabellenplatz 17, mitten im Abstiegskampf. Zudem fehlte Top-Torschütze Gianluca Przondziono im Aufgebot des AFC. Zumindest eine gute Nachricht: Kapitän Michael Ambrosius, der sich im vergangenen Spiel gegen den Bremer SV (0:1) einen Nasenbruch zuzog, stand wieder bereit und spielte mit Maske.
Der SCV hingegen mit einem 2:0-Sieg gegen den TSV Buchholz 08, Tabellenplatz vier und der Verlängerung des gesamten Trainerteams um Cheftrainer Sascha Bernhardt im Rücken. Hinzu kommt der Heimvorteil. Alles war also angerichtet für einen spannenden Pokalfight in der Neuauflage des letztjährigen Viertelfinals.
Victoria schockt Altona früh
Passend zur Adventszeit zündeten ein paar Vicky-Fans zum Spielbeginn einige Leuchtfeuer. Und die Pyro-Motivation schien nicht nur Victorias Fans anzuheizen. Die Victorianer wirkten von Beginn an wacher, kamen besser in die Zweikämpfe und kreierten größere Chancen.


Ein gemütlicher, vorweihnachtlicher Kick sollte es dementsprechend nicht werden. Der erste Aufreger ließ nur 62 Sekunden auf sich warten: Ein langer Ball von Victoria flog über Altonas Abwehrkette hinweg, Altona-Keeper Dennis Lohmann erst zögerlich, rettete dann aber im letzten Moment vor Vickys Luca Palzer.
In der achten Spielminute dann der frühe Führungstreffer für die Hoheluft-Elf. Eine Hereingabe von Luca Reimers wird noch von einem Altonaer verlängert und gelangt zu Sönke Meyer, der völlig frei zum Abschluss kommt und den Ball mit dem ersten Kontakt in die untere linke Ecke zimmert.
Ein hitziges Stadtderby
Vom Traditionsklub aus Altona kam abgesehen von einigen verzweifelten Versuchen aus der zweiten Reihe hingegen wenig. Wenn die Gäste gefährlich wurden, kam das ausschließlich über Standards. Gleich dreimal versuchte es Tayfun Can aus jeweils vielversprechenden Positionen, jedoch ohne Erfolg.

In der 32. Minute dann die nächste Riesenchance für die Gastgeber. Nach einem starken Steckpass läuft Palzer auf das gegnerische Tor zu und legt quer auf Paul Froehlich, der an Lohmann scheitert – Glanzparade!
Das Derby-Feeling zeigte sich auch auf dem Feld. In der ersten Halbzeit verteilte Schiedsrichter Gerhard Ludolph bereits fünf Gelbe Karten. Gleich drei Karten zückte er als Reaktion auf eine Rangelei in der 25. Minute gegen Altonas Michael Ambrosius und Deniz Yilmaz sowie Victorias Pepe Bensch. Zwei weitere Verwarnungen gab es nach Fouls von Altonas Moritz Grosche (29.) und Victorias Brian Jungjohann (35.).
Ideenlose Altonaer kriegen den Ball nicht über die Linie
In der zweiten Halbzeit plätscherte das Spiel ein wenig vor sich her. Viele Fouls im Mittelfeld ließen keinen Spielfluss zu. Die Mannschaft von AFC-Trainer Andreas Bergmann hatte zwar viel Ballbesitz, machte daraus jedoch wenig und wirkte in der Offensive ideenlos.
Sinnbildlich für das Altonaer Spiel ein Eckball in der 60. Minute. Can brachte den Ball flach in den Rückraum, wo alle am Ball vorbeitraten. So kam Ambrosius an den Ball, der aus dem Gewühl heraus jedoch am Tor vorbeizog.
In der 86. Minute dann nochmal eine Großchance für die Gäste. Lesley Karschaus scharfe Hereingabe konnte aber von Luca Damman in allerhöchster Not vor dem einlaufenden Keenon Erfurth geklärt werden. In der Nachspielzeit noch ein Versuch aus der Distanz von Altona-Verteidiger Yilmaz, der knapp am Tor vorbeiging.
Doch auch die acht Minuten Nachspielzeit brachten nichts mehr – Schluss! Der SC Victoria ringt den Regionallisten Altona nieder und steht im Viertelfinale des Lotto-Pokals.
Unschöne Szenen im Gästeblock – AFC-Coach Bergmann: „Schwierige Zeit“
Nach Abpfiff kam es zu unschönen Szenen im Gästeblock, als vereinzelte Fans ihren Unmut mit der Mannschaft teilten und es zu Beschimpfungen kam. Altona-Trainer Bergmann habe zwar Verständnis für die Unzufriedenheit der Fans, man müsse das jedoch auch „filtern“. „Das sind nicht alle. Der Großteil, der leidet jetzt auch mit uns mit und wird uns auch weiter unterstützen. Davon bin ich fest von überzeugt“, so der 66-Jährige.

Nach dem Spiel spricht Bergmann von einer „schwierigen Zeit“ und davon, dass Altona nicht „vollgetankt ist mit Selbstvertrauen“. Mit Blick auf die anstehende Winterpause sagt Bergmann: „Jetzt ist es gut, dass wir uns auch mal durchtanken können, um dann neu wieder anzugreifen.“
„Großartig“: Die perfekte Woche für SCV-Trainer Bernhardt
„Großartiges Spiel von uns“, bilanziert Vicky-Trainer Sascha Bernhardt nach dem Spiel. Der Spielplan war klar: „Mit Mann und Maus alles weg verteidigen und offensiv auch den einen oder anderen Akzent setzen“. Der frühe Treffer habe dann geholfen, berichtete der Coach erleichtert.
Für Bernhardt geht eine Wahninns-Woche zu Ende. Zu Beginn der Woche wurde seine Vertragsverlängerung bekanntgegeben, am Donnerstag feierte er seinen 33. Geburtstag, und der krönende Abschluss mit dem Derbysieg, gepaart mit dem Einzug ins Viertelfinale des Lotto-Pokals.
„Gänsehaut“: Emotionen pur beim Hamburg-Klassiker
Während des Spiels gab es für den SCV-Trainer wohl eine ganz besondere Situation: „Da war so ein Moment, da ist es mir irgendwie doch nochmal durchgefahren, da hatte ich echt Gänsehaut. Wo man gemerkt hat, ey, das ziehen wir jetzt. Das ist so ein schönes Gefühl, das hat man nicht so häufig und das haben die Jungs mir heute geschert“, erzählte Bernhardt emotional.
Auch Torschütze Sönke Meyer war überglücklich nach dem Spiel, stellte sich jedoch nicht in den Vordergrund. „Dass ich jetzt das Tor mache, das ist natürlich für mich jetzt persönlich schön, aber das wäre mir komplett egal gewesen, das hätte auch jeder andere machen können. Ich freue mich einfach unglaublich für die Mannschaft“, sagte der 35-Jährige.
Ganz vorbei ist die Woche jedoch noch nicht, wie Bernhardt nach dem Spiel verriet: „Also eine Sache steht noch aus, das ist morgen unsere Weihnachtsfeier, die wird natürlich noch mal feuchtfröhlicher werden.“
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Für beide Teams geht es nun erst einmal in die Winterpause, ehe der Pflichtspielbetrieb im Februar (Victoria am 01.02. beim FC Türkiye, Altona am 22.02. gegen den VfB Oldenburg) wieder startet.
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