Lokalsport

Spielergespräche mitten in der Nacht: Wie sich Hamburgs Meister ETSV neu aufstellt

Jan Kämpfer, Alexander Borck und Yannick Siemsen feiern mit der Meisterschale am Reinmüllersportplatz.
Jan Kämpfer, Alexander Borck und Yannick Siemsen feiern mit der Meisterschale am Reinmüllersportplatz.

Nach dem Massenabgang der Meisterelf will der ETSV mit neuen Gesichtern den ersten Titel. Die erste Chance gibt’s im Supercup gegen den HEBC.

Im März verloren sie ihren Großsponsor, im Mai feierten sie den Oberliga-Titel. Danach verließen fast alle Kicker den Eisenbahner TSV Hamburg, nur einer ist geblieben. Am Samstag (14 Uhr, Meiendorfer Straße) tritt das völlig neuformierte Team gegen Pokalsieger HEBC um den Hamburger Supercup an. Dann wird sich zeigen, ob dem einstigen Meister-Express nun das Abstellgleis droht.

„Das ist ein Pott, den wir haben wollen“, bekräftigt der neue Trainer Manuel Demir: „Wir fahren nicht nach Meiendorf, um ein Testspiel zu absolvieren.“ Davon gab es auch genug: Am Dienstag gewann der ETSV auch sein siebtes Vorbereitungsspiel, 9:1 beim Bezirksligisten Atlantik 97. Hamburg-Meister sind sie, Testspielmeister werden sie gerade.

Letzter Meister-Bahner mit Tor gegen Condor

„Wir haben komplett bei Null angefangen und saßen manchmal bis ein Uhr nachts auf der Geschäftsstelle, um Spielergespräche zu führen“, schildert Demir das Casting eines neuen Teams. 24 Spieler sind gegangen, nur Yannick Siemsen ist geblieben. „Es wäre schade, wenn es jetzt vorbeiginge“, sagt der 30-jährige Stammspieler der Meistersaison: „Es gibt hier viele Ehrenamtliche und Fans, die mit ihrem Herzblut dabei sind.“

WTSV-Vizepräsident Manuel Demir steht am Rand des Kunstrasenplatzes beim Spiel Concordia gegen Altona 93 in Jenfeld.
Der neue Eisenbahn-Trainer Manuel Demir fing seinenJob „komplett bei Null“ an.

Als Siemsen im Test gegen Condor (4:1) ein Tor schießt, hallen einzelne „Ei-sen-bahn“-Rufe über die Anlage am Mittleren Landweg. Nebenan trainieren die Baseballer, im Klubheim fließt das Bier aus dem Fass.

Sportchef Witt formt Team aus Ober- und Landesliga

Siemsens neue Mitstreiter kommen zumeist aus der Ober- oder Landesliga – auch, weil Sportchef Jan Witt viele Nummern aus seinem Notizbuch aktiviert hat. „Wir wollen nachhaltig sein, nicht zu schnell und nicht zu langsam“, sagt Witt, der von Nikola Tesla zur Eisenbahn kam: „Und uns so in der Oberliga etablieren.“

Yannick Siemsen von ETSV Hamburg steht mit Ball auf dem Rasen im LOTTO-Pokal-Halbfinale.
Yannick Siemsen ist der einzige Eisenbahner, der aus dem Meister-Kader geblieben ist.

Leisere Töne als beim alten Star-Ensemble, als es noch hieß: „Der Zug hat keine Bremse.“ Jetzt kann Teutonia 05 als Vorbild dienen, das vor einem Jahr nach Sponsorenverlust mit neuer Mannschaft in der Oberliga startete und mit Platz sieben alle Erwartungen übertraf.

„Der Charakter ist das A und O“, betont Witt: „Alle arbeiten immer hart, auch die Älteren sind hungrig.“ In zweistündigen Trainingseinheiten am Mittleren Landweg wurden hohes Pressing und schnelles Umschalten eingeübt, die Testspiele haben das Zusammenspiel und das Selbstvertrauen gestärkt. „Viele hatten uns schon abgeschrieben, das hat uns umso mehr motiviert“, sagt Demir.

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