„Sollten verdammt stolz sein“: ETV ballert sich in die Aufstiegsrunde
Der Eimsbütteler TV wird als Vertreter der Hamburger Oberliga an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord teilnehmen. Mit einem deutlichen 4:0-Sieg sicherten sie sich gegen Sasel ihr Ticket. So klar, wie es das Ergebnis vermuten lässt, war das, zumindest für 45 Minuten, nicht. Zwei nicht gegebene Rote Karten sorgten zudem für Unruhe.
Die Ausgangslage war klar: Für den ETV zählte nur der Sieg. Schon durch ein Unentschieden gegen Sasel bestünde für Dassendorf im Parallelspiel gegen den HEBC die Chance, mit einem Dreier und dem besseren Torverhältnis vorbeizuziehen und das Ticket für die Aufstiegsrunde zu ziehen.
Mit Feuer und Offensivdrang starteten weder ETV noch Sasel am Lokstedter Steindamm ins Spiel. Eher war es ein langsames abtasten. Wenn es gefährlich wurde, dann nach Standards für den Gastgeber. Nach zwölf Minuten war es Farid Dibamba, der einen Eckball per Kopf an die Latte setzte.
Dassendorf legt vor – strittige Schiedsrichterentscheidungen
Dann kam die Nachricht bei den geschätzten 350 Zuschauenden, die im strömenden Regen ein zähes Spiel sahen, an: Dassendorf war im Parallelspiel in Führung gegangen. Nach 25 Minuten waren sie am ETV vorbeigezogen. Richtig wild wurde es rund zehn Minuten später, als die ganze Sasel-Bank aufsprang und eine Rote Karte forderte.
Durchaus verständlich, denn genau vor ihrer Nase trat Eimsbüttels Jean Doegl einem Saseler von hinten in die Beine, als der Ball längst weg war. Schiedsrichter Dominik Kopmann beließ es jedoch bei der Gelben Karte. Die gab es auch für Lennard Wallner, der sich wohl etwas zu laut beschwert hatte.

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Wallner stand kurz darauf wieder im Mittelpunkt. Dieses Mal war es er selbst, der mit der Definition eines taktischen Fouls einen ETV-Konter unterband (30.). Die folgerichtige Gelb-Rote Karte gab es nicht. Ausgleichende Gerechtigkeit, könnte man meinen. Der ETV gab sich mit dieser Begründung logischerweise nicht zufrieden.
ETV geht in Führung – und legt sofort nach
Mit dem Halbzeitpfiff ging der ETV dann doch noch in Führung. Natürlich, wie sollte es an diesem Abend anders sein, war es die Folge eines Standards. Dibamba setzte den Kopfball, anders als noch zu Beginn der Partie, unter die Latte.
Unmittelbar nach der Pause war es ein eigentlich unnötig riskanter Ball von ETV-Keeper Aboubakar Fofana, der irgendwie durchrutschte. Ungewollt leitete er einen Angriff ein, den Max Mbodje nach zum 2:0 vergoldete (49.).
Es war mittlerweile ein Spiel in eine Richtung. Nicht zwingend, weil der ETV ihren Gegnern keine Chance mehr ließ, sondern weil nichts mehr von Sasel kam. Für die Entscheidung sorgte Toralf Hense in der 75. Minute, der zum 3:0 traf, ehe Bamo Karim den Schlusspunkt setzte und auch noch das vierte Tor nachschob (79.).
ETV-Coach Schultz: „Sollten verdamm stolz sein“
Der Vollständigkeit halber: In der 88. Minute schoss auch Sasel erstmals Richtung Tor. Der Versuch landete jedoch auf der Hauptstraße. Und dann war Schluss. Der ETV gewann, spätestens nach der zweiten Hälfte vollkommen verdient mit 4:0. Die ganz große Feier blieb nach Abpfiff noch aus. Eher war es Erleichterung, die sich breit machte. Und Stolz. Im Teamkreis lobte Trainer Can Schultz besonders den Teamgeist seiner Truppe und stellte klar: „Darauf sollten wir verdammt stolz sein!“ Zumindest für das Siegfoto wurde dann doch noch lautstark gejubelt.
„Wir haben fast keine Nerven gezeigt, bis auf einmal kurz vielleicht“, bilanzierte Schultz mit Blick auf die vermeintliche Rote Karte gegen sein Team, die nicht gegeben wurde. „Wir können verdammt stolz darauf sein, wie wir das als Außenseiter von den Bedingungen her mit unserem Training und als Gruppe geschafft haben.“ Die Vorbereitung auf die Aufstiegsrunde habe er noch nicht geplant. „Vielleicht gucke ich gleich, wenn ich eine Apfelschorle in der Hand habe, ob ich morgen irgendwo noch hinkommen kann“, witzelte Schultz.
Kapitän Karim: „Einfach geil“
In der Aufstiegsrunde kämpft der ETV jetzt vom 30. Mai bis zum 7. Juni um einen von zwei verbleibenden Plätzen in der Regionalliga Nord. Sichere Gegner sind der Blumenthaler SV (Oberligameister Bremen) und der SV Todesfelde (Oberligameister Schleswig-Holstein). Hinzu kommt noch der Zweitplatzierte aus der Oberliga Niedersachsen. Aktuell ist das der 1. FC Germania Egestorf-Langreder, aber auch der Heeslinger SC kann es noch in die Aufstiegsrunde schaffen.
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„Ich will jetzt nicht groß reden“, sagte ETV-Kapitän Bamo Karim nach der Partie, aber „ich bin guter Dinge. Ich glaube schon, dass wir die Qualität dazu haben, unter den ersten beiden zu landen.“ Für ihn sei es die beste ETV-Saison gewesen. „100 Prozent, auch wie das Klima der Mannschaft war. Jeder war immer beim Training, jeder hatte Bock. Einfach geil, was hier beim ETV entstanden ist.“