Schiedsrichter Robert Karus

Schiedsrichter Robert Karus gehört zu den erfahrenen Spielleitern des HFV. Er brach die Kreisliga-Partie ab. Foto: Johannes Speckner

Schlägerei nach Rassismus-Vorfall in Hamburger Kreisliga: Schiri äußert sich

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Am vergangenen Sonntag kam es in der Hamburger Kreisliga zu einem unliebsamen Spielabbruch. Kurz vor Schluss beendete Schiedsrichter Robert Karus das Spiel zwischen dem Meiendorfer SV II und ASV Hamburg II nach einem Rassismus-Vorfall samt anschließender Schlägerei. Neben dem Referee äußern sich auch beide Teams zu den Vorkommnissen.

Beim Meiendorfer SV II wie beim ASV Hamburg II sind zahlreiche Spieler mit Migrationshintergrund am Ball. „Umso trauriger“ fand es MSV-Fußball-Abteilungsleiter Ervin Kasa, „dass ein ASV-Spieler einen unserer Akteure mit dem N-Wort rassistisch beleidigt hat.“ Dieser Beleidigung, die laut Kasa auf der „nur zehn Meter entfernten Bank gut zu hören war“, folgten Tätlichkeiten, eine Rudelbildung und ein Polizeieinsatz.

Spielabbruch beim Stand von 4:4

Schiedsrichter Robert Karus (SC Hansa 11) brach das Fußballspiel der Hamburger Kreisliga 4 zwischen Meiendorf II und der ASV Reserve am Sonntag in der 88. Minute beim Stand von 4:4 ab. Anschließend schilderte der in Wedel in Holstein lebende Schiedsrichter, wie es aus seiner Sicht zu der Auseinandersetzung kam. „Bei einem Meiendorfer Angriff lief ein MSV-Spieler in Richtung Außenlinie. Ein ASV-Spieler hat ihn abgeblockt, sodass der Ball ins Aus ging. Dabei stießen die beiden Akteure leicht zusammen und haben miteinander geredet.“

Was genau von Seiten des ASV-Akteurs zu seinem Meiendorfer Widerpart (beide Namen sind der Redaktion bekannt) gesagt wurde, konnte Karus nicht hören. „Aber später hat der Meiendorfer mir erklärt, dass er es sich nicht gefallen lassen konnte, dass er rassistisch beleidigt worden ist.“ Dass er diesem Rassismusvorwurf anders, als am 21. September 2024 beim Abbruch der Kreisliga-Partie SV Este 06/70 gegen FK Nikola Tesla II, „glaubhaft finden würde“, erklärte Karus wie folgt: „Der Meiendorfer war bis dahin komplett unauffällig und in keiner Weise emotional oder gar unsportlich.“

Zuschauer stürmen auf den Platz

Dies änderte sich, als der MSV-Akteur nach der besagten Unterhaltung „plötzlich auf den ASV-Spieler einschlug“, so Karus, der berichtete: „Danach sind dann 30, 35 Menschen aus dem Zuschauerbereich auf den Platz gestürmt.“ Im Rahmen der daraus entstehenden Rudelbildung habe es, so der erfahrene Unparteiische weiter, „ein paar Schläge ins Gesicht, aber zum Glück keine blutenden Wunden gegeben“. Ähnlich schilderte Kasa die Geschehnisse: „20 bis 30 überwiegend junge Männer, die zum ASV gehörten, sind aus dem Zuschauerbereich auf den Platz geprescht, um auf unseren Spieler loszugehen.“

Ehsan Ahmadi, der die ASV-Reserve zusammen mit Tim Marcel Siegmund trainiert, auf dem Sportplatz Deepenhorn aber nur als Zuschauer dabei war, erklärte: „Ich war etwas weiter weg vom Ort des Geschehens. Aber nachdem ein Meiendorfer Spieler nach einem Foul auf unseren Spieler rauf gegangen ist, ist es etwas hitziger geworden.“ Ehsan Ahmadi berichtete von „einer Rudelbildung“, die aber „relativ schnell beendet werden konnte, weil sowohl der Meiendorfer Coach (Siad Max Al Obaidi, Anmerkung der Redaktion) als auch unser Trainer ihre Spieler herausgezogen haben“.

Meiendorfer Verantwortliche ruft die Polizei

Karus, der mit seinen Assistenten Michael Jäger und Ulf Maschmann (TSV Heist) in der Beobachterrolle blieb („Der Pulk an Menschen war zu groß, als dass wir sie auseinanderbringen hätten können.“), sah ebenfalls, „dass sich die Situation zunächst beruhigte“. Als die Spieler beider Mannschaften dabei waren, den Platz zu verlassen, hätten „die Beschimpfungen aber wieder begonnen, worauf sich auch die Schlägerei fortsetzte“, so Karus: „Dann gab es wieder eine Ohrfeige hier und einen Schlag ins Gesicht dort.“

Laut Karus hatte der MSV als gastgebender Verein Ordner gestellt, worauf der Hamburger Fußball-Verband großen Wert legt. „Aber gegen die Vielzahl an Menschen hatten die Ordner keine Chance“, urteilte der Unparteiische. Dass eine Meiendorfer Verantwortliche schließlich die Polizei rief, begrüßte Karus. Die Ordnungshüter kamen zunächst mit einem Streifenwagen; in der Folge rückten noch zwei weitere Wagen an. „Wir haben den Platz dann auch verlassen und die Situation hat sich endlich beruhigt“, erklärte Karus.

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Der Referee nannte die Vorkommnisse „sehr bedauerlich“, weil das Spiel „dafür, dass beide Teams um den Klassenerhalt kämpfen, sehr fair verlaufen“ sei. Seine Assistenten und er seien zu keinem Zeitpunkt angegangen worden, ergänzte Karus. „Beide Mannschafen haben versucht, Fußball zu spielen – mal besser und mal schlechter.“ Ob sie dies in einem Wiederholungsspiel noch einmal probieren dürfen, oder die Partie für Meiendorf II wie den ASV II als 0:3-Niederlage gewertet wird, entscheidet nun das HFV-Sportgericht.

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