„Im Stadtteil ein großes Thema“: Die Wiederauferstehung des SC Victoria

Teambild in der Kabine des SC Victoria
Neun Spieler der neuen Victoria: Moritz Erichsen, Jan Ole Eggers, Max Kahr, Richard Arndt (vorne von links), Frank Lechel, Sönke Meyer, Luca Reimers, Brian Jungjohann, Hendrik Rabe (hinten von links)

Victoria kommt rechtzeitig in Schuss – und das wortwörtlich. Curslack wurde 6:1 geschlagen, bei HT 16 mit 5:0 gewonnen. Die „alte Dame“ steht nach Jahren der Tristesse auf Platz zwei der Oberliga – und empfängt am Freitag (14 Uhr) den Eimsbütteler TV zum Nachbarschaftsduell. Die Sportplätze der Vereine liegen nur 200 Meter auseinander – mehr Derby geht nicht.

„Wir haben einen super Lauf“, sagt Manager Michel Massing: „Auf der linken Spur der Autobahn treten wir das Gaspedal durch.“ In 14 Spielen wurde nur gegen Spitzenreiter Eisenbahn (1:2) verloren, der größte Coup war ein 2:1 in Dassendorf. Nach den Plätzen elf, acht und zehn in den vergangenen drei Jahren herrscht wieder Höhenluft im Stadion Hoheluft.

Und nun das Derby. „Im Stadtteil ist das ein großes Thema, schließlich begegnet man sich ständig auf der Straße“, schildert Massing: „Ich hoffe, dass die ganze Vicky-Familie kommt.“ Die Jugendspieler beider Vereine erhalten freien Eintritt, allein dadurch dürfte eine große Kulisse garantiert sein – zumal das Duell auch ein Oberliga-Spitzenspiel Zweiter gegen Vierter ist.

Der SC Victoria will seine Oberliga-Gegner „auffressen“

„Vorige Saison hatten viele Leute den Ehrgeiz, ein Tor zu erzielen. Jetzt wollen wir, dass erst mal die Null steht“, erklärt Trainer Sascha Bernhardt Victorias Aufschwung und schließt dem MOPO-Reporter die Kabine auf, die im Sommer in zwei Monaten Eigenarbeit komplett umgestaltet wurde. Sie ist in den Vereinsfarben Blau und Gelb gehalten und lässt sich ebenso vorzeigen wie die Tabelle: Jeder Kicker hat seinen eigenen Platz mit Spind, Actionfoto und drei Attributen, die ihm seine Mitspieler verliehen haben. Über einem der Spinde thront ein Stoffkrokodil: das Maskottchen eines Teams, das seine Gegner „auffressen“ möchte.

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Hat bisher ganz gut geklappt. „Wir haben eine hohe Qualität im Kader, auch wenn der aktuelle Erfolg so nicht geplant war“, erläutert Bernhardt. Ein Quartett vom Schleswig-Holstein-Oberligisten SV Eichede verstärkte zur laufenden Serie die Abwehr, aus Stade kam mit Luca Dammann der Sohn des ehemaligen St. Pauli-Profis Dirk Dammann. Der langjährige Stadionsprecher Peter Kraft muss dank der Defensive nur noch halb so viele Gegentore durchsagen wie in der Vorsaison. Und obwohl Offensiv-Zugang Simon Siegfried ebenso langzeitverletzt ist wie der torgefährliche Mittelfeldspieler Dennis Bergmann, klappt es auch mit eigenen Toren.

Bei Vicky glänzt derzeit das Eigengewächs Luca Palzer (22)

Das liegt auch an Luca Palzer, einem 22-jährigen Eigengewächs, das zwölf der 39 Vicky-Treffer erzielt hat. „Luca ist uns früh aufgefallen“, erzählt Manager Massing: „In der A-Jugend hat er noch Sechser gespielt, über die U23 hat ihn Marius Ebbers dann in die Liga-Mannschaft geholt. Er entwickelt sich von Jahr zu Jahr sehr gut weiter.“ Das gilt für viele Spieler, die Bernhardt behutsam aufzubauen versucht. „Man muss bei uns nicht gleich ins tiefe Wasser“, sagt der 32-Jährige, „sondern hat die Chance, erst mal in seichtem Wasser Fuß zu fassen und schwimmen zu lernen.“

Früher saß der Euro bei den Zitronengelben lockerer, nun profitiert der Verein von einer der größten Nachwuchsabteilungen Deutschlands. „Vicky ist ein cooler Klub, bei dem man keine Reichtümer verdient“, beschreibt der Trainer das Credo und erzählt von Mallorca-Erfahrungen: „Die Jungs fahren mit ihren Trikots in Urlaub und werden auf Victoria angesprochen.“

Trainer Bernhardt: „Der Höhenflug ist noch zu frisch“

Vicky und die Tradition. Sie kann eine Bürde sein, wenn man den alten Ansprüchen hinterher hechelt. Aber sie kann auch Inspiration sein, eine neue, eigene Geschichte zu schreiben. Zwischen 2006 und 2012 wurde der Verein fünfmal Hamburger Meister. 2010 sorgte das Team um Dennis Theißen, Roger Stilz und Stephan Rahn für bundesweite Schlagzeilen, als es Rot-Weiß Oberhausen im DFB-Pokal 1:0 schlug – es war bis heute der letzte Erfolg eines Hamburger Amateurvertreters gegen einen Profiklub. Von 2012 bis 2014 spielte Vicky in der Regionalliga – führt dorthin nun ein Weg zurück?

Sascha Bernhardt, Trainer des SC Victoria
Sascha Bernhardt trat im Sommer 2024 als Trainer des SC Victoria an.

„Ein Aufstieg müsste auf gesunden Beinen stehen, denn von der Etatplanung ist die Regionalliga ein Himmelfahrtskommando“, taxiert Bernhardt. Der Höhenflug ist noch zu frisch, um richtig abzuheben. „Wir fahren gut damit, uns ein bisschen kleiner zu machen, als wir sind“, sieht der ehemalige Oberliga-Spieler (Meiendorf, Pinneberg, Buchholz) solche Ziele eher als mittelfristig an: „Aber eine Perspektive ist da.“

Nachbarschaftsduell gegen Altona 93 mit langer Historie

Erst einmal gilt es, den Nachbarn zu schlagen, 119 Jahre nach dem ersten Duell. Am 24. März 1907 gewann Victoria mit 7:3 gegen Eimsbüttel, im nächsten Spiel gab es sogar ein 11:2. Vicky spielte damals um die Deutsche Meisterschaft mit und wurde vom Norddeutschen Fußball-Verband gelobt: „Der große Aufschwung, den der Verein in den letzten Jahren genommen hat, hängt in der Hauptsache mit dem großartig angelegten Sportplatz Hoheluft zusammen. Die Anlage ist eine der schönsten in Norddeutschland.“

Inzwischen wird sie auch wieder gut besucht. „Die Alten kommen wieder“, erzählt Zeugwart Ingo Pargmann und lobt die „tolle Teambindung“. Die wird am Freitagnachmittag vonnöten sein, denn seitdem der ETV in der Oberliga spielt, hat er die vier Derbys allesamt gewonnen. Ein Ärgernis aus Vicky-Sicht, auch wenn die Nachbarn ein gutes Verhältnis zueinander pflegen.

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„Ich hoffe auf eine große Kulisse und auf ein Spiel für den Stadtteil, das die Vereine zu einem Fest zusammenbringt“, sagt Bernhardt. Bei der Generalprobe am Dienstag taten sich seine Kicker 45 Minuten lang schwer, zogen aber durch ein 4:1 beim SV Eidelstedt ins Pokal-Achtelfinale ein.