HSV, St, Pauli, Handball und mehr: Die besten Sportbücher zu Weihnachten
Umfragen zufolge sind Bücher in diesem Jahr – nach Geld und Süßigkeiten – das drittbeliebteste Weihnachtsgeschenk der Deutschen. Falls Sie noch nicht alle Präsente für die Feiertage gefunden haben, geben wir Ihnen hier ein paar Ideen, was Sie Ihren Liebsten unter den Christbaum legen können. Die MOPO stellt eine Auswahl der besten Sportbücher zum Fest vor – vom HSV, dem FC St. Pauli und Altona 93 bis hin zu Frauen-Handball und Diskuswerfen ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Kantersieg mit Kieler Torwart
In Stockholm bahnt sich ein spektakulärer Transfer an. „Wir von Altona 93 wollen auch mal deutscher Meister werden“, sagt Adolf Jäger beim Bier zu Adolf Werner und versucht, den Torwart von Holstein Kiel nach Altona zu locken. Die fiktive Erzählung spielt vor dem realen Hintergrund des olympischen Fußballturniers 1912 in Schwedens Hauptstadt, bei dem der deutschen Auswahl tatsächlich ein 16:0-Kantersieg gegen Russland gelingt. Vor dieser Kulisse erzählt Sous von Schornsteinfegern mit plötzlicher Höhenangst und Übernachtungen in der Badewanne – und zeichnet zugleich ein Sittengemälde aus der Schlussphase des deutschen Kaiserreichs. Dietmar Sous, 16:0. Eine Erzählung, Transit-Verlag, 96 Seiten, 18 Euro
Die Bibel der Hamburger Schiris
Wann dürfen Schiedsrichter parteiisch sein? Wenn sie über Schiedsrichter schreiben! Lüttig und Byernetzki berichten, wie der Altonaer Franz Behr 1903 das erste deutsche Endspiel pfiff und schließen diesen Kreis mit der Geschichte über Kirstin Warns vom SC Hamm 02, die 1996 das vorletzte Endspiel im Frauenfußball leitete. Am liebsten, sagt der Pfeifenmann Gerhard Schulenburg, seien ihm Spiele, die „Zündstoff enthalten und trotzdem nicht explodieren“. Was dann wohl an einem guten Schiedsrichter liegen könnte … Die Zeitreise wird durch vier längere Porträts ergänzt, unter anderem zum englischen Schiedsrichter Edward „Captain“ Crane, der 1945 mit den britischen Truppen nach Hamburg kommt und sich in nur zwei Jahren einen legendären Ruf erwirbt – die Leitung einer „Regelecke“ in einer Sportzeitschrift inklusive. Lutz Lüttig und Carsten Byernetzki, Ohne uns kein Spiel! Die Geschichte der Hamburger Schiedsrichter, 223 Seiten, 29,90 Euro, Bezug über ohneunskeinspiel.de
„König Boris“ über den FC St. Pauli
Ob von der Jugend in Schenefeld oder von Aufstiegsfeiern in Luxemburg – „König Boris“ Lauterbach, drei Jahrzehnte lang einer der „drei Hamburger mit dem Monsterbass“ von Fettes Brot, erzählt, wie der Kiezklub ihn durch das Leben begleitet hat. Wobei die Musik neben dem Fußball nicht zu kurz kommt, schließlich findet beide Phänomene der Popkultur bestenfalls „absolut im Hier und Jetzt“ statt. Bei der Buchpremiere am Millerntor schrieb sich Lauterbach drei Tage vor dem braun-weißen Auftritt in München mit Widmungen die Hände wund. Ein verdienter Erfolg angesichts prophetischer Sätze wie: „Eine Führung gegen die Bayern ist wie 120-jährige Menschen in Europa, äußerst selten und sehr zerbrechlich.“ Boris Lauterbach, FC St. Pauli. Eine Liebeserklärung, Ullstein-Verlag, 289 Seiten, 16,99 Euro
Kiezkickers Klassenkampf und -erhalt
Im Sommer gelang dem FC St. Pauli der erste Bundesliga-Klassenerhalt seit 1996. Die Gründe für diesen geschichtsträchtigen Erfolg spielen im Bildband nur am Rande eine Rolle, in den Quasi-Grußworten von Funktionären wie Präsident Oke Göttlich („Die Bundesliga steht dem FC St. Pauli. Weil wir uns nicht verstecken“) oder Aufsichtsrats-Chefin Kathrin Deumelandt („Wer sich einmischt, macht sich angreifbar. Aber wer es nicht tut, verändert nichts“). Darüber hinaus verzichtet der Band auf Einordnungen und hangelt sich chronologisch von Spiel zu Spiel durch die Saison – zeigt aber allemal, dass die Ästhetik gedruckter Doppelseiten ein klarer Wettbewerbsvorteil von Büchern gegenüber dem Internet ist. Klassenkampf. Aufstieg, Genossenschaft, Haltung: Die historische Bundesliga-Saison des FC St. Pauli, Werkstatt-Verlag, 185 Seiten, 29,90 Euro
Altona 93 in bunten Bildern
Dank Crowdfunding ist gerade die dritte Auflage eines Fotobuchs zum aktuellen Hamburger Meister erschienen. Renz versammelt dort analog fotografierte Bilder aus 13 verschiedenen Heimspielen, ein Parcours vom Ankommen mit der S-Bahn über Fan-Choreografien und Spielszenen bis zum Kickertisch im Klubheim als Ort einer „dritten Halbzeit“. Die dichte Beschreibung in Bildern wird durch kurze Texte ergänzt, die die kulturelle Bedeutung alter Spielstätten betonen. „Ich wollte nicht nur Bilder machen, ich wollte festhalten, was bald verschwinden wird“, sagt Renz über sein Setting, das ab 2029 dem Wohnungsbau weichen soll. Florian Renz, Altona 93 analog. Aus einem Stadion vor unserer Zeit, 116 Seiten, 20 Euro, Bezug im Fachgeschäft Khrome oder über florian-renz.de
Ein Diskus-Champion wird Vater
Patrik ist es gewohnt, den Diskus weit zu werfen. Die gerade auf die Welt gekommene Ada allein zu versorgen, hat der olympische Silbermedaillengewinner dagegen nicht eingeübt. Doch die Mutter ist verschwunden, wenngleich nicht ganz, und das Vater-Tochter-Duo kommt auf einer lange rätselhaften Flucht bald in Hamburg an. Das Leben lässt sich nicht so gut trainieren wie die Leichtathletik, bietet dafür bisweilen aber noch größere Überraschungen. Der preisgekrönte Moster zeigt in seinem Roman neben vielen anderen Dingen auch, dass ein Leistungssportler nicht nur körperlich abtrainieren muss. Andreas Moster, Der Silberriese, Arche-Verlag, 304 Seiten, 24 Euro
Handball-Heldinnen ganz nah
Perfektes Timing: Deutschlands Handball-Frauen haben bei der Heim-WM eine Welle der Begeisterung ausgelöst und sind zurück in der Weltspitze. Mit „Sheroes“ feierte kurz vor dem Turnier ein Buch Premiere, das erstmals die „Faszination Frauenhandball“ beleuchtet. Die Autoren Christoph Stukenbrock und Moritz Löhr werfen einen Blick hinter die Kulissen, lassen Nationalspielerinnen wie Rückraum-Star Emily Vogel, Spitzen-Keeperin Katharina Filter und auch internationale Stars ihre ganz persönlichen Geschichten erzählen, liefern aber auch Tipps für Nachwuchs-Handballerinnen. Ein Lese- und Handbuch zugleich, informativ, tiefgründig, kurzweilig – und für alle Handball-Fans. Verlag: valuemedia, Preis: 24,95 Euro
Auf den Spuren eines frühen HSV-Idols
Der norwegische Mittelfeldspieler Asbjørn Halvorsen war einer der ersten Stars des HSV und Teil der Meistermannschaften von 1923 und 1928. Zurück in seiner Heimat, wurde der Widerstandskämpfer 1942 von der deutschen Besatzungsregierung verhaftet und in verschiedene Konzentrationslager deportiert, zuletzt nach Neuengamme. Aus einem Projekt in der Heinrich-Hertz-Schule entstanden, fördert Kowalewski einige neue Aspekte zu Halvorsens Biografie zutage – und spricht sich vehement dafür aus, dem im Alter von 56 Jahren an den Folgen der KZ-Haft verstorbenen „Assi“ einen Platz in der Nähe des Volksparkstadions zu widmen. Jürgen Kowalewski, Ein HSV-Star in Widerstand und KZ. Das zu kurze Leben von „Assi“ Halvorsen, VSA-Verlag, 184 Seiten, 19,80 Euro