Dassendorf bejubelt das so wichtige Siegtor durch Martin Harnik.

Dassendorf bejubelte das so wichtige Siegtor durch Martin Harnik (r.). Foto: IMAGO/Niklas Heiden

Harnik nutzt ETV-„Geschenk“: Dassendorf hält Aufstiegsträume am Leben

kommentar icon
arrow down

Die Partie hätte den Aufstiegskampf bereits (vor-)entscheiden können: Bei einem Remis im Oberliga-Spitzenspiel gegen die TuS Dassendorf wäre der ETV so gut wie, bei einem Sieg sicher durch gewesen. Außerdem vermeldeten die Eimsbütteler am Donnerstag, im Sportpark Hinschenfelde in Wandsbek eine Regionalliga-taugliche Heimspielstätte gefunden zu haben. Doch es sollte anders kommen.

Pünktlich zum Aufstiegskracher hatte sich das Hamburger Wetter in Schale geschmissen: 23 Grad wies das Thermometer am Freitagnachmittag aus, in der prallen Sonne am „Lokki“ waren es gefühlt noch einmal deutlich mehr. Die äußerlichen Bedingungen sowie die Ansetzung am Feiertag wirkten auch auf die Zuschauerschaft anziehend: Geschätzte 800 Menschen versammelten sich am Sportzentrum des ETV an der Hoheluft – deutlich mehr als bei „normalen“ Oberliga-Heimspielen des Spitzenreiters.

ETV und Dassendorf mit Chancen, aber ohne letztes Risiko

Für wen das Spiel die letzte Chance im Aufstiegsrennen war, ließ sich an den Herangehensweisen beider Teams direkt ablesen: Dassendorf ergriff die Initiative, der ETV agierte abwartend und beschränkte sich vor allem auf Umschaltmomente. Und beide Teams wären mit ihren Matchplänen beinahe zum Erfolg gekommen: Die besten Chancen der TuS vergaben Johann von Knebel (5., 23.) und Michael Kobert (25.), für die Eimsbütteler hätten Bilal Damala (9.), Max Mbodje (13.) und Jon Pauli (27.) treffen können. Trotz der durchaus vorhandenen Möglichkeiten mieden beide Mannschaften jedoch das offene Visier. „Kein Team wollte den ersten Fehler machen“, erklärte Dassendorfs Trainer Özden Kocadal. ETV-Coach Can Schultz scherzte: „Vielleicht hätten dem Spiel heute in der Qualität fünf Grad weniger gutgetan.“

Nathanael Kukanda musste schon in der ersten Halbzeit verletzungsbedingt raus. IMAGO/Niklas Heiden
Nathanel Kukanda wird von Teamärztin begleitet
Nathanael Kukanda musste schon in der ersten Halbzeit verletzungsbedingt raus.

Nach der chancenreichen ersten halben Stunde folgten einige Minuten des Leerlaufs. Die – auf äußerst unschöne Weise – auffälligste Szene entspann sich um Dassendorfs Nathanael Kukanda: Bei einem Laufduell an der Seitenlinie wurde das ehemalige St. Pauli-Talent bei vollem Lauf in die Werbebande gestoßen. Es folgte eine Rudelbildung. Am Ende musste Kukanda ausgewechselt werden, klagte über Schmerzen am Kopf. Erst im Anschluss folgten wieder sportliche Highlights, doch Karim Ay (43.) und der für Kukanda eingewechselte Eyke Kleine (44.) vergaben aus der Distanz.

Martin Harnik nutzt Patzer des ETV zur Führung

Zwei Chancen wie ein Vorgeschmack auf die zweite Hälfte: Abgesehen von einem abgefälschten Pfostenschuss von Damala (49.) war es nach dem Wiederanpfiff Dassendorf, das zunehmend stärker wurde. Zur Führung brauchte es aber dennoch die Mithilfe der Gastgeber: Im Spielaufbau ging der ETV (zu) hohes Risiko, Martin Harnik roch den Braten, setzte Gegenspieler Tom Politz unter Druck und stocherte das Leder zum 1:0 über die Linie. „Wir haben unsere Chancen nicht genutzt, aber zugestochen, als Geschenke dalagen“, fasste der Torschütze und Ex-Profi die Entstehung des Treffers treffend zusammen.

Pünktlich zum Wochenende erhalten Sie von uns alle aktuellen News der Woche rund um den HSV kurz zusammengefasst – direkt per Mail in Ihr Postfach.
Mit meiner Anmeldung stimme ich der Werbevereinbarung zu.

In der Folge waren die Wendelwegler dem 2:0 näher als der ETV dem Ausgleich, unter anderem setzte Michael Kobert einen Kopfball an die Latte (57.). Erst in der Schlussphase kam wieder Schwung ins Eimsbütteler Offensivspiel: Angetrieben vom atemberaubenden Speed des eingewechselten Lamin Beuck vergab zunächst Toralf Hense (71.), dann scheiterte Beuck selbst zweimal an Gästekeeper Tobias Braun (71., 84.). Auf der Gegenseite vergab Harnik die große Chance zur Entscheidung (88.), musste sich darüber aber letztlich nicht mehr ärgern, weil Benjamin Lucht den letzten Freistoß für den ETV über das Tor setzte (90.+3).

Dassendorf hofft auf „Wunder“, ETV bleibt entspannt

So wenig spektakulär der Dassendorfer Sieg, den auch Schultz als „nicht unverdient“ anerkennen musste, letztlich zustandekam, so bedeutungsschwanger ist er für den Aufstiegskampf der Oberliga: Im Falle eines Sieges gegen Halstenbek-Rellingen am kommenden Mittwoch kann Dassendorf, das aktuell eine Partie weniger als der Konkurrent auf der Uhr hat, bis auf zwei Punkte an den ETV heranrücken, ehe es dann mit mächtig Spannung in die letzten beiden Spiele gehen würde.

Dann wäre die TuS zwar immer noch von einem weiteren Patzer des ETV abhängig, hätte aber wieder realistische Chancen, mit einer phänomenalen Aufholjagd vorbeizuziehen. „Wir haben uns das erarbeitet. Jetzt wollen wir unseren Job machen und hoffen, dass der ETV uns nochmal einen Gefallen tut“, blickte Harnik voraus. Auch Kocadal weiß: „Wir müssen auf ein kleines Wunder hoffen, dass diese richtig gute Eimsbütteler Mannschaft noch einmal Federn lässt.“

Das könnte Sie auch interessieren: Immer wahrscheinlicher: Gibt es in der Oberliga Hamburg dieses Jahr fünf Absteiger?

Und beim ETV? Spürt man nun zwar wieder den Atem des Verfolgers im Nacken, sieht das aber als Privileg. „Wir haben es uns erarbeitet, dass das hier heute ein Topspiel wurde. Jetzt machen wir weiter, damit wir uns noch ein paar mehr Topspiele erarbeiten“, blickte Schultz nüchtern auf die Niederlage: „Wir trainieren, geben Gas und schauen am Ende mal, was bei rumkommt.“ 

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test