ETSV-Spieler laufen zum Nachholspiel bei HT16 auf.

Die ETSV-Kicker laufen zum Nachholspiel bei HT16 auf. Foto: WITTERS

Riesen-Wirbel beim Hamburger Oberliga-Krösus! Steht der ETSV vor dem K.o.?

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Oberliga-Herbstmeister Eisenbahn Hamburg droht der große Crash. Akuter Geldmangel stellt die Pläne eines Regionalliga-Aufstiegs massiv infrage. Die Mannschaft des ETSV bewegt sich noch in der Erfolgsspur.

„Das ist eine harte Herausforderung, die bei uns erstmal alles auf den Kopf stellt“, erklärt Jasmin Huremovic. Nach Angaben des ETSV-Managers gibt es seit zwei Wochen keinen Kontakt zum Hauptsponsor mehr, der für weit mehr als die Hälfte des Etats der Liga-Mannschaft aufkommt: „Wenn der Sponsor nicht auftaucht, dann haben wir ein großes Problem.“

Vor allem wird die Zeit knapp: Am nächsten Dienstag müssen die Meldeunterlagen für die Regionalliga beim Norddeutschen Fußball-Verband eingegangen sein, sonst kommt eine Teilnahme an der fälligen Aufstiegsrunde nicht in Frage. Am Donnerstag stand beim ETSV eine Besprechung an, unter welchen Bedingungen der in Billwerder ansässige Klub das Stadion Sander Tannen in Bergedorf im Aufstiegsfall nutzen könnte – doch die Beschäftigung mit einem Aufstieg sei „erstmal in ganz weite Ferne gerückt“, sagt Huremovic.

ETSV Hamburg: Liquiditätsplan soll die Saison retten

Der Mannschaft wurde inzwischen ein Liquiditätsplan vorgelegt, um den Spielbetrieb des 2023 mit großen Ambitionen in die Oberliga aufgestiegenen Klubs aufrechtzuerhalten. Im Januar flog die Mannschaft noch ins Wintertrainingslager nach Alicante, die vermeintlichen „Millonarios“ im Eisenbahn-Trikot wurden von der Konkurrenz kritisch beäugt.

Als ETSV-Keeper Tom Müller Anfang März mit einigen Paraden zum 2:2 beim Spitzenspiel in Eimsbüttel beigetragen hatte, lästerte Eimsbüttels Trainer Can Schultz: „Dem Torwart haben sie einen Porsche hingestellt.“ Das ist deutlich überspitzt, aber nur für einen neuen Fahrradschlauch spielt auch niemand am Mittleren Landweg – zumindest bis vor kurzem. Der Kader verfügt über die Erfahrung von 756 Regionalliga-Spielen, mit Ogechika Heil wurde auch ein ehemaliger Zweitliga-Profi des HSV verpflichtet. Um sich in der viertklassigen Regionalliga zu etablieren, braucht es in der Regel ein Budget im einstelligen Millionenbereich.

Sieg im Nachholspiel: Krasniqi und Rose schwören das Team ein

Am Mittwochabend trotzte das Team allen Gerüchten über einen möglichen Nichtantritt und erschien mit 19 einsatzbereiten Kickern zur Nachholpartie bei Aufsteiger HT16. „Am Ende des Tages sind wir Spieler durch und durch“, sagt Torjäger Erolind Krasniqi, der mit seinem 32. Saisontreffer in der 67. Minute den 2:0-Sieg seiner Farben einleitet und in der Nachspielzeit Luis Jahraus das zweite Tor auflegt. „Ich bin glücklich, dass so viele durchziehen“, erklärt der 26-Jährige, der auch schon ein halbes Jahr in der Ersten Liga Albaniens gespielt hat: „Wir sind ein richtig geiles Team, das mehr verdient hat.“ Eine Abmeldung habe in den Krisengesprächen mit der Mannschaft „eigentlich gar nicht“ zur Debatte gestanden, berichtet Manager Huremovic.

Zusammenhalt beim ETSV: Wie geht es für das Oberliga-Topteam weiter? WITTERS
ETSV-Manschaftskreis
Zusammenhalt beim ETSV: Wie geht es für das Oberliga-Topteam weiter?

Gibt es auch kaum Geld, so winken doch Gewinne. In der durch Spielausfällen verzerrten Oberliga-Tabelle hat die Eisenbahn immer noch die günstigste Ausgangsposition, zudem tritt der ETSV am Ostermontag zum Pokal-Halbfinale bei Vorwärts-Wacker Billstedt an. „Wir wollen das Double mit aller Macht“, sagt Trainer Jan-Philipp Rose bei aller Ungewissheit über die Zukunft.

„Wir haben nur uns“ – zieht der ETSV durch?

Nach dem Sieg bei HT16 ruft Krasniqi seinen Mitspielern im Mannschaftskreis zu: „Wir haben nur uns.“ Es ist das Motto eines Teams, das durch den tragischen Unfalltod seines Kapitäns Sebastian Hertner im Dezember 2025 emotional zusammengeschweißt worden ist. Das sich aber, egal ob Double oder nicht, nach der Saison in alle Winde verstreuen könnte.

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Nach dem Regionalliga-Meldeschluss, aber noch vor dem Pokal-Halbfinale kommt es am Gründonnerstag zum Spitzenspiel bei der TuS Dassendorf. In besseren Tagen haben die ETSV-Kicker den Mallorca-Partysong „Der Zug hat keine Bremse“ zu ihrer inoffiziellen Hymne gekürt. Im Moment ist aber auch ungewiss, in welche Richtung die Signale zeigen.

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