Rasmus Tobinski beim Fallrückzieher

Auch die Fallrückzieher-Einlage von Rasmus Tobinski wurde nicht belohnt. Altona 93 konnte den dringend benötigten Sieg gegen St. Pauli nicht einfahren. Foto: WITTERS

Frust und Enttäuschung auf beiden Seiten: Altona und St. Pauli vor dem Abstieg

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Es war eigentlich alles angerichtet für die Wiederauferstehung im Klassenkampf: eine mit 3873 Fans volle Adolf-Jäger-Kampfbahn, 27 Grad und Sonnenschein in Hamburg-Altona und ein Duell gegen die Zweitvertretung vom FC St. Pauli. Für Altona-Trainer André Trulsen, der neun Jahre für Braun-Weiß als Trainer arbeitete und bis heute St. Paulis Rekordspieler (409 Einsätze) ist, war es ohnehin ein besonderes Spiel. Doch enormer Chancenwucher, ein verschossener Elfmeter und doppeltes Aluminium-Pech verhinderten Größeres. Altona 93 teilt sich beim 1:1 (0:0) gegen St. Pauli II die Punkte und der Abstieg in die Oberliga scheint kaum noch abzuwenden zu sein.

„Die Mannschaft hat eigentlich permanent versucht, nach vorn zu spielen“, bilanzierte ein sichtlich enttäuschter André Trulsen nach dem Remis, welches beiden Mannschaften nicht so richtig hilft. Eigentlich ging es gut los für seine Mannen, denn die Anfangsviertelstunde gehörte klar den Gastgebern. Schon in der vierten Minute hätte Altona in Führung gehen können: Nach einem feinen Steckpass legte Rasmus Tobinski quer auf Moritz Göttel, welcher mit seinem flachen Abschluss jedoch an St. Paulis Torhüter Simon Spari scheiterte.

Elfer-Fehlschuss und Pfostenpech in der ersten Hälfte

In der Folge vergab erst Marcell Sobotta frei stehend (12.), ehe Rasmus Tobinski aus kurzer Distanz seinen achten Saisontreffer nur knapp verpasste, und der Ball haarscharf am linken Pfosten vorbei kullerte (18.). St. Pauli war in dieser Spielphase um Ballbesitz bemüht, schaffte es aber über die komplette erste Hälfte nicht, sich durch Altonas Abwehrreihe durchzukombinieren. Stattdessen agierte man zumeist mit langen Bällen, die Altonas Kapitän Michael Ambrosius und Gideon Baur aber allesamt wegköpften. 


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Gerade als man dachte, es würde sich zu dem erwarteten „Abnutzungskampf“ entwickeln, bekam Altona einen Elfmeter zugesprochen. St. Paulis Romeo Aigbekaen bekam den Ball nach einer Ecke an die Hand. Doch auch das genügte nicht: Moritz Göttel scheiterte mit seinem zu zentralen Schuss am starken Spari.

Altona 93 am Drücker, St. Pauli zu passiv

Ein weiterer guter Abschluss durch Tayfun Can (32.) landete am Pfosten und rundete eine glücklose erste Hälfte vom ATV ab. Außer zwei Freistößen, die in der Mauer landeten, war von St. Pauli offensiv wenig bis nichts zu sehen. Eine Führung für Altona wäre zu diesem Zeitpunkt mehr als verdient gewesen. 

Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel zerfahrener und blieb lange Zeit ohne nennenswerte Chancen auf beiden Seiten. Es dauerte bis in die 74. Minute, ehe Altona die Führung erneut nur knapp verpasste. Gianluca Przondziono machte eigentlich alles richtig, doch der starke Rückhalt der Gäste kratzte seinen gefühlvollen Freistoß noch aus dem Winkel.

Lange passiert nichts – dann geht St. Pauli plötzlich in Führung

Drei Minuten später ging St. Pauli mit der ersten gelungenen Kombination der Gäste in Führung. Über den agilen Kenan Aydin landete ein Abpraller im Strafraum Altonas, den St. Paulis Marwin Schmitz keine neun Minuten nach seiner Einwechselung humorlos ins lange Eck schweißte (77.). Fast hätte im Gegenzug eine Direktabnahme von Pascal El-Nemr den Weg ins Netz gefunden, doch der Ball ging knapp über das Tor (79.) und der Ausgleich ließ noch auf sich warten.

Nach einem Lattentreffer (86.) und einem Fallrückzieher-Versuch vom bemühten, aber glücklosen Tobinski (88.) brach gerade die Nachspielzeit an, als Kapitän Ambrosius die Adolf-Jäger-Kampfbahn noch mal laut werden ließ. Nach einer Ecke nickte er per Kopf zum überfälligen Ausgleich ein (90.+1). Kurz kamen Erinnerungen an das 3:2 im letzten Heimspiel gegen BW Lohne Hattrick auf, als Rasmus Tobinski mit seinem dritten Tor in der 90. Minute noch den Siegtreffer erzielte.

Der Ausgleich kommt zu spät – der Klassenhalt ist nur noch theoretisch möglich

Auch dieses Mal rannte Altona noch mal an. St. Pauli wirkte hingegen müde. Nach 94 Minuten aber war Schluss. Altonas Spieler sanken enttäuscht zu Boden. „Ich muss unserer Mannschaft wirklich ein Riesen-Kompliment machen“, sagte Trulsen, konnte aber auch seine Enttäuschung nicht verstecken: „Trotzdem tut das im Moment gerade sehr, sehr weh.“

Drei Punkte wären nicht nur im Bereich des Möglichen gewesen, man hätte sie auch dringend gebraucht, um die Chance zu wahren, die Klasse vielleicht doch noch halten zu können. Altona steht bei zwei ausbleibenden Spielen mit 23 Punkten auf Platz 17. Norderstedt (15., 26 Punkte) kann am Sonntag gegen BW Lohne (17., 22 Punkte) auf sechs Punkte davonziehen. Aufgrund des mit Abstand schlechtesten Torverhältnisses (–45) ist die Hoffnung in Altona daher gering.

Zumal seit diesem Samstagnachmittag auch der Abstieg des TSV Havelse (0:4 in Verl) ebenfalls besiegelt ist und somit sicher ist, dass drei Teams aus der Regionalliga Nord absteigen werden.

Trulsen lobt sein Team – auch St. Pauli mit dem Rücken zur Wand

„Man darf nicht vergessen, was wir für Möglichkeiten haben und was viele andere Vereine für Möglichkeiten haben“, fand Trulsen, die St.-Pauli-Legende mit dem Altona-Wappen auf der Brust, noch mal emotionale Worte: „Da sind Jungs, die tagtäglich arbeiten und wieder zum Training kommen, und was sie denn heute für eine Leistung gezeigt haben, gebührt meinem allerhöchsten Respekt, das habe ich der Mannschaft auch gesagt.“

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St. Paulis Aussichten sind ähnlich düster wie die von Altona. Auch für den Kiezklub war das Unentschieden zu wenig. St. Pauli hat zwar den Vorteil, noch drei Spiele in der Hinterhand zu haben, muss aber mutmaßlich die anstehenden Heimspiele gegen den Bremer SV (Mittwoch, 19 Uhr) und die U21 des HSV (Sonntag, 10. Mai) unbedingt gewinnen. Am letzten Spieltag muss St. Pauli bei Tabellenführer Meppen ran. „Ihr habt noch die Chance, die Klasse zu halten. Dafür wünsche ich euch alles Gute, dass es euch gelingt“, sagte Trulsen, wohlwissend, dass das für Altona gleichbedeutend mit dem Abstieg wäre.

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