Derby-Drama! HSV-Talent schießt St. Pauli-Nachwuchs in die Oberliga
St. Paulis U23 steigt in die Oberliga Hamburg ab. Mit dem 1:1 (1:0) im „kleinen Stadtderby“ gegen die HSV-U21 vergaben die braun-weißen Talente ihre letzte Chance, vielleicht noch in die Regionalliga zu bleiben.
Sieben Minuten und eine Halbzeitpause dazwischen durften die Kiezkicker auf ein Klassenerhalts-Wunder hoffen. Kapitän Nikky Goguadze (40.) hatte den FC in Führung gebracht, doch kurz nach Seitenwechsel glich Glory Kiveta (47.) aus – zu wenig für St. Pauli. „Der Moment trifft uns nicht ganz unvorbereitet, aber jetzt ist er da“, bilanzierte Trainer Karsten Neitzel. Sein HSV-Pendant Lukas Anderer spendete Trost: „Bei mir schwingt ein bisschen Traurigkeit mit, weil ich dieses Duell vermissen werde. Wir freuen uns, wenn ihr schnell zurückkommt.“
Die Ausgangslage war so klar wie schwierig für Braun-Weiß: St. Paulis Nachwuchs musste erst die „Rothöschen“ bezwingen und dann nächste Woche auch noch beim norddeutschen Meister und Drittliga-Aufsteiger SV Meppen gewinnen. Wenn dann auch noch Eintracht Norderstedt das letzte Spiel gegen den HSC Hannover verlieren sollte, käme es auf die Tordifferenz an. Am besten sollten vor den 351 Zuschauer:innen also auch noch einige Treffer gegen den Stadtrivalen her …
St. Pauli geht in Führung
Rijad Smajic (19.) köpfte eine Freistoßflanke tatsächlich ins HSV-Tor, stand dabei aber im Abseits. Nach einem zu kurzem Pass von St. Pauli-Keeper Emil Gazdov auf Calvin Rahr kamen auch die Gäste zu ihrer ersten Chance, Gazdov klärte aber gegen Arnaud Riedel (28.) zur Ecke. Danach vergab Torjäger Maurice Boakye (31.) für den inzwischen aktiveren HSV.
In Führung ging aber St. Pauli, als Goguadze (40.) mit einem von HSV-Verteidiger Lukas Bornschein abgefälschten Schuss HSV-Torhüter Colin Poppelbaum bezwang. Smajic (45.) hätte den Vorsprung fast erhöht, doch Poppelbaum wehrte seinen Schuss zur Ecke ab. Dann war Halbzeit und Hoffnung.
Kiveta gleicht für den HSV aus
Die hielt nach Wiederanpfiff aber nur knappe zwei Minuten – bis Kiveta (47.) nach seinem Sololauf Gazdov keine Chance ließ und zum 1:1 traf. Kiveta (58.) hatte sogar die Gästeführung auf dem Fuß, sein Schuss sprang aber von der Lattenunterkante zurück ins Feld.
Nach 69 Minuten kam Mittelfeld-Profihoffnung Marwin Schmitz ins Spiel, Goguadze (71.) vergab kurz darauf eine der seltenen St. Pauli-Gelegenheiten. Auf der Gegenseite hätte der eingewechselte Liam Akyildiz (84.) fast St. Paulis Abstieg besiegelt, Gazdov wehrte aber zur Ecke ab. Eine braun-weiße Schlussoffensive blieb aus, eine letzte Hereingabe von Schmitz fand in der Nachspielzeit keinen Abnehmer. „Wir haben 100 Prozent gegeben, aber so haben wir uns das nicht vorgestellt“, sagte Torschütze Goguadze, als der Abstieg feststand: „Daran sieht man, wie eklig der Fußball auch sein kann.“
St. Pauli schielt noch auf den NOFV
St. Pauli stieg nicht wegen der passablen, wenngleich auch keinesfalls starken Leistung im „kleinen Derby“ ab, sondern weil es in den Monaten zuvor zu viele Chancen liegen gelassen hatte. Allzu oft nutzte das Team Überzahl-Situationen nicht aus, verschoss Elfmeter oder kassierte späte Gegentore. Nur vier Siege in 33 Spielen, dafür aber 13 Unentschieden waren zu wenig, um sich in der Viertklassigkeit zu halten. „Wir haben zum 26. Mal 1:1 gespielt“, übertrieb Coach Neitzel nur ein wenig: „Am Ende des Tages sind das die ausschlaggebenden Punkte.“ Vor dem 1:1 gegen den HSV hatte seine Elf gegen den Bremer SV und bei Altona 93 1:1 gespielt – jeweils nach eigener Führung.
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Eine klitzekleine Resthoffnung bleibt noch: Die niedersächsischen Regionalligisten HSC Hannover und FSV Schöningen bekamen vom norddeutschen Verband „teilweise erhebliche Auflagen“ für eine neuerliche Lizenzerteilung. Kann einer der beiden Klubs die Bedingungen nicht erfüllen, öffnet sich noch ein Hintertürchen für den Kiezklub. Lizenzverweigerungen sind in der jüngeren Geschichte der Regionalliga allerdings äußerst selten.
„Es ist überhaupt nichts schön daran, aber manchmal kann so etwas als Entwicklungsschritt auch nützlich sein“, bemühte sich Neitzel, nach vorne zu schauen: „Das Leben geht weiter, morgen ist Montag und da geht die Sonne auch wieder auf.“ Und im August tritt St. Paulis Nachwuchs dann nicht mehr gegen Meppen, Oldenburg oder Lübeck, sondern gegen Niendorf, Harksheide und Süderelbe an.