Zwei Endspiele für den HSV-Trainer: Diese Rätsel muss Polzin lösen
Frisch dekoriert tritt Merlin Polzin seine zweite Auswärtsreise mit dem HSV an. Seit Mittwoch ist der Interimscoach der Profis Inhaber der UEFA Pro Lizenz und darf damit theoretisch jeden Erstligisten der Welt trainieren. Aber warum in die Ferne schweifen? Mit einem Sieg in Ulm will Polzin sich dauerhaft für den HSV-Posten bewerben und seinen Verein dem großen Ziel Aufstieg ein Stück näher bringen. Dafür aber muss er einige Rätsel lösen, an denen schon seine Vorgänger zu knabbern hatten.
Sollte Polzin seine Zuversicht auf seine Profis übertragen können, steht einem Erfolg im Donaustadion wohl nichts im Weg. Er habe „maximal Bock darauf, mit den Jungs guten Fußball zu spielen“, ließ der Trainer vor der Partie beim Aufsteiger wissen. Damit das gelingt, gilt es an verschiedenen Stellschrauben zu drehen.
HSV-Trainer Polzin muss Abwehr schon in Ulm stabilisieren
Zwergen-Allergie: Die Diskussion ist so alt wie ärgerlich. Insbesondere bei den kleineren Klubs der Liga läuft es für den HSV nicht rund. So war es auch in dieser Saison (2:4 Elversberg, 1:3 in Braunschweig). Mit dem Gang nach Ulm steht nun die nächste dieser Prüfungen an, für Polzin ist es die erste dieser Art als HSV-Cheftrainer.
Wackel-Abwehr: Seit mehr als zwei Monaten hat der HSV nicht mehr zu-Null gespielt, letztmals gelang das Anfang Oktober in Düsseldorf (3:0). Auch in den Polzin-Spielen in Karlsruhe (3:1) und gegen Darmstadt (2:2) setzte es Gegentore. Stabilität in die Defensive zu bekommen, ist das Zauberwort im Aufstiegskampf. Aber: Individuelle Fehler, die zu Gegentoren führen, ziehen sich durch die gesamte HSV-Saison. Zudem ist Kapitän Sebastian Schonlau nicht mehr der Stabilisator der vergangenen Jahre. Bekommt Polzin die Defensive dicht?
HSV-Profis wie Pherai, Richter und Jatta müssen zulegen
Ungenutzte Potenziale: Immanuel Pherai ist und bleibt das größte Rätsel dieser HSV-Saison. Der Offensivmann, fraglos einer der talentiertesten Akteure des Kaders, spielt fast durchgehend unter Form, braucht dringend Erfolgserlebnisse. Schafft es Polzin, den Nationalspieler Surinames in die Spur zu bekommen?
Pherai ist allerdings nicht der Einzige, der zulegen muss. Die zahlreichen ungenutzten Potenziale sorgen auch in der Chefetage des Vereins für Kopfzerbrechen. Noch im Sommer beneidete die Liga den HSV um seine Zugänge. Nun stellen sich Fragen: Wird Marco Richter (kommt zumeist nicht über Ansätze hinaus) noch zur spielbestimmenden Persönlichkeit? Wann wird Silvan Hefti zur Konstante? Werden Lucas Perrin und Emir Sahiti noch die erhofften Verstärkungen? Und: Kann Bakery Jatta (mit 178 Einsätzen HSV-Rekordspieler in Liga zwei), der zuletzt eher enttäuschte, wieder zur Waffe auf dem Flügel werden? Potenziale, die es freizukitzeln gilt – und die den HSV von anderen Teams abheben können.
Wird der HSV konstant? Es geht auch um Polzins Zukunft
Konstanz: Auch zuletzt gegen Darmstadt erlaubte sich der HSV Phasen, in denen er zu passiv agierte, insbesondere nach der frühen Führung. Positiv: Anders als noch unter dem gefeuerten Steffen Baumgart, als der HSV regelmäßig Treffer kurz nach der Pause kassierte, kam die Mannschaft hellwach aus der Kabine und hatte ihre beste Phase der Partie.
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Es war eine Drangperiode und eine Konsequenz im Spiel, die sich Polzin über die komplette Spielzeit wünscht. Er sagt: „Wir stellen es uns so vor, dass unsere Mannschaft 90 Minuten das Spiel nach vorne gestalten will. Wir wollen mutig spielen und versuchen, immer wieder Torchancen zu kreieren.“
Zwei Chancen bleiben in diesem Jahr, um den Worten Taten folgen zu lassen. In Ulm und danach gegen Fürth (21. Dezember) strebt der HSV sechs Punkte an, um möglichst auf einem Aufstiegsplatz zu überwintern. Fest steht: Je mehr Rätsel Polzin kurzfristig löst, desto größer ist auch seine Chance auf eine Weiterbeschäftigung als Chef nach der Winterpause.