„Zu 99,9 Prozent eine Abschiedsparty“: HSV feiert Vuskovic nach Matanovic-Aufreger
Diese Sause brauchte es noch, um die HSV-Saison würdig abzurunden. Das 3:2 (1:1) gegen Freiburg wurde zum Spiel der ganz großen Gefühle – mit einem Helden, den man sich nicht passender hätte aussuchen können. Luka Vuskovic erzielte bei seinem vermeintlich letzten Auftritt im Volkspark sein Abschiedstor und badete in den Ovationen der Massen.
Er wehrte sich, so gut er es konnte, doch seine Mitspieler kannten kein Erbarmen. Als die HSV-Profis nach der Partie in Richtung Nordtribüne wanderten, schickten sie Vuskovic allein vorweg. Ehre, wem Ehre gebührt. Schon zuvor waren immer wieder „Vuskovic, Vuskovic“-Sprechchöre durch das Stadion gehallt, nun kannte der Jubel keine Grenzen mehr. „Es war unglaublich, ich bin extrem glücklich“, sagte der Liebling der Massen wenig später in den Katakomben der Arena.
Nehmen die HSV-Profis Vuskovic und Vieira im Sommer Abschied?
Zum Abschluss erlebte der Volkspark noch mal einen Vuskovic-Tag, der allen in Erinnerung bleiben wird. Es gab nicht wenige Menschen im Stadion, die bereits in der sechsten Minute der Nachspielzeit mit den Tränen kämpften. Da verließen Vuskovic und Mittelfeldmann Fábio Vieira das Spielfeld und machten Platz für die HSV-Eigengewächse Shafiq Nandja (19) und Louis Lemke (16), die zu ihrem jeweils ersten Bundesligaeinsatz kamen. Wechsel mit Symbolwirkung, so könnte man meinen. Und Auswechslungen, die das Publikum toben ließen.
Ob Vieira auch in der kommenden Saison im Volkspark auflaufen wird, ist noch nicht entschieden. Der HSV will mit Arsenal über eine Reduzierung der Kaufoption in Höhe von 20 Millionen Euro sprechen. Vuskovic, der Tottenham gehört, wird nicht zu halten sein. „Mit so ein bisschen Naivität werden wir alles versuchen“, stellte Trainer Merlin Polzin zwar fest. Vuskovic selbst aber hat kaum noch Hoffnung, sich den Traum vom Verbleib erfüllen zu können: „Zu 99,9 Prozent war das eine Abschiedsparty. Aber im Fußball weiß man nie, was passieren wird.“
Der HSV hat elf Zähler Vorsprung auf die Abstiegszone
Das gilt auch für die gesamte Saison des HSV, die so fürchterlich begann und – bei noch einer ausstehenden Partie in Leverkusen – im Triumph enden wird. Rang elf mit respektablen 37 Punkten, elf Zähler Vorsprung auf die Abstiegsränge. Eine Ausbeute, die dem HSV nach den ersten Saisonwochen niemand zugetraut hätte. Nach dem bereits seit der Vorwoche feststehenden Klassenerhalt legten Polzins Profis gegen Europa-League-Finalist Freiburg noch einen drauf. Mit drei ganz besonderen Knalleffekten.
Den ersten lieferte Bakery Jatta, der seit Sommer 2016 für den HSV spielt und knapp zehn Jahre später sein erstes Bundesligator erzielte. Nach Albert Grønbæks Vorarbeit traf er zum 1:0 (14.).
Ex-St. Pauli-Profi Matanovic erzürnte die HSV-Fans
Nachdem Ex-St. Pauli-Profi Igor Matanovic fast postwendend für Freiburg ausgeglichen hatte (16.) und sich anschließend den Zorn der HSV-Fans zuzog, weil er gegen die mit der HSV-Raute verzierte Eckfahne boxte, folgte nach der Pause Knalleffekt Nummer zwei. Vuskovic schnappte sich nach 64 Minuten den 22 Meter vom Freiburger Gehäuse entfernten Freistoß und hatte etwas Glück, dass Maximilian Eggestein ihn zum 2:1 ins eigene Tor abfälschte. Schon da kannte der Jubel um den Torschützen keine Grenzen, der sich vor Freude sein Trikot vom Leib riss und dafür nur zu gern die Verwarnung von Schiedsrichter Felix Zwayer in Kauf nahm.
Für den Kroaten war es bereits das sechste Saisontor, gemeinsam mit Vieira führt er die HSV-interne Torschützenliste an. „Ich hatte etwas Glück, dass der Ball reingegangen ist“, sagte er später. „Aber ich wollte dieses Tor unbedingt.“
HSV-Profi Baldé erzielte sein erstes Bundesligator
Und auch der dritte HSV-Treffer sollte ein besonderer sein. Fabio Baldé, der von mehreren Klubs umworben wird und den Verein im Sommer verlassen könnte, zog nach einem langen Ball von Nicolai Remberg auf und davon und erzielte sein erstes Bundesligator (67.). Da störte auch Matanovic‘ Anschlusstor (87.) nicht mehr groß.
Hängen blieb ein Nachmittag, den die 57.000 Fans in der ausverkauften Hütte und vor allem Vuskovic nicht so schnell vergessen werden. Auf der Tribüne fieberten sein Bruder Mario (ab November nach Doping-Sperre wieder spielberechtigt) und seine Eltern mit. Der Abwehrmann selbst hatte nach Abpfiff Mühe, seine Emotionen in Worte zu fassen. „Jedes Spiel hier ist etwas Besonderes für mich und ich bin sehr glücklich, ein Jahr lang Teil dieses Vereins zu sein“, stellte er fest. „Ich liebe diesen Klub ein bisschen zu sehr.“
Optimisten hoffen noch auf einen Vuskovic-Verbleib
Noch hoffen die größten Optimisten unter den HSV-Fans, dass es ein Wiedersehen in der kommenden Saison geben wird. Alles aber spricht dafür, dass das Mega-Talent am kommenden Samstag in Leverkusen letztmals für den HSV antritt. „Es ist eine sehr, sehr, sehr kleine Chance auf einen Verbleib“, ließ er noch wissen, ehe die große Klassenerhalts-Party in der Mixed-Zone des Stadions ihren Lauf nahm. Und einen Trost gebe es ja sowieso: „Es war ein tolles Jahr und nächste Saison werdet ihr hier einen anderen Vuskovic sehen.“
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Luka dürfte dann, wann immer es ihm möglich ist, in Hamburg vorbeischauen und auf der Tribüne mitfiebern. Die Vuskovic-Story geht weiter. Nur der Protagonist auf dem Spielfeld wird dann wieder einen anderen Vornamen tragen.