Fernando Carro, Claus Costa, Simon Rolfes und Kim Falkenberg vor der Auswechselbank im Gespräch

Claus Costa unterhielt sich im Rahmen des HSV-Spiels gegen Leverkusen (0:1) mit den Bayer-Bossen Fernando Carro (l.), Simon Rolfes (2.v.r.) und Kim Falkenberg (r.). Foto: WITTERS

„Wunderbare Position“: Bundesliga-Boss schwärmt vom HSV

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Als Bayer 04 vor knapp zwei Wochen im Volksparkstadion zu Gast war, unterhielt sich Claus Costa ausführlich mit den Leverkusener Bossen Fernando Carro (Vorsitzender der Geschäftsführung), Simon Rolfes (Sport-Geschäftsführer) und Kim Falkenberg (Direktor Profifußball). Der intensive Austausch innerhalb der Branche ist üblich, bei HSV-Sportdirektor Costa kommt in diesem Fall hinzu, dass er von 2017 bis 2019 zwei Jahre lang selbst als Scout für den Werksklub tätig war. Die Wertschätzung ist groß – das gilt allerdings auch umgekehrt.

Ex-Nationalspieler Rolfes wird das Gastspiel im Volkspark nicht nur aufgrund des 1:0-Erfolgs seines Vereins positiv in Erinnerung behalten. Der 44-Jährige meint generell: „Es ist ein super Stadion, eine tolle Stimmung.“ Und dass sich der HSV so gut in der Bundesliga etabliert habe, freue ihn auch persönlich, sagte Rolfes am Sonntag in der Sport1-Sendung „Doppelpass“. In der Gesprächsrunde war auch Hamburgs 1:1 gegen den 1. FC Köln vom Samstagabend ein Thema. Und natürlich kamen Stefan Effenberg und Co. auch auf den HSV-Zauberfuß Fábio Vieira zu sprechen.

Leverkusen-Manager Simon Rolfes lobt HSV-Entwicklung

Wie der Portugiese den Ball aus spitzem Winkel zum zwischenzeitlichen 1:0 ins Kölner Tor lupfte, hinterließ nicht nur bei Merlin Polzin und FC-Coach Lukas Kwasniok, sondern auch bei vielen Experten des Landes Eindruck. „Dass er technisch hoch versiert ist, das weiß jeder“, lobte Effenberg. „Vieira ist ein unfassbar wichtiger Spieler für das Kreative in der Offensive beim HSV.“ Der 57-Jährige hielt fest: „Tolles Tor!“ Dem wollte Rolfes nicht widersprechen: „Es ist ein wunderbarer Fußballer, den sie in den eigenen Reihen haben – ein Verbindungsspieler innerhalb der Mannschaft mit seiner Erfahrung.“ Die Arsenal-Leihgabe sei ein Bestandteil einer „guten Hamburger Mannschaft“.

Hamburgs Torschütze des Tages: Fábio Vieira jubelt nach seinem Treffer gegen Köln. IMAGO/HMB-Media
Fábio Vieira jubelt nach seinem Tor für den HSV gegen Köln.
Hamburgs Torschütze des Tages: Fábio Vieira jubelt nach seinem Treffer gegen Köln.

Rolfes, der das Leverkusener Meisterteam 2023/24 federführend zusammengestellt hatte, erkennt neidlos an, wie seine HSV-Kollegen um Costa das Hamburger Aufgebot nach der Bundesliga-Rückkehr zusammenstellten. Mithilfe der Transfers von Vieira, Albert Sambi Lokonga, Luka Vuskovic und Co. habe es der Aufsteiger geschafft, eine neue Dynamik zu erzeugen. Es sei für einen Verein stets eine Chance, „wenn du viel Luft hast, zu überraschen, wenn die Hierarchie in der Mannschaft noch nicht steht, sondern neue Spieler reinkommen und etwas gestalten können“. Und diese Gelegenheit hätte der HSV im Sommer, als die Bosse sich für einen größeren Umbruch entschieden, genutzt.

Ex-Profi Rolfes: „Das hat der HSV mit dem Kader geschafft“

„Es kommt immer sehr auf die Kadersituation und die Erwartungshaltung an“, antwortete Rolfes auf die Frage, wie es gelingen könne, dass so viele Verpflichtungen aufgehen. Der Bayer-Manager zog einen Quervergleich: „Bei uns zum Beispiel war die Erwartungshaltung im Sommer grundsätzlich total hoch. Es ist nicht so einfach, wenn junge Spieler kommen, direkt das Zepter zu übernehmen, das früher Florian Wirtz geschwungen hat. Das ist nicht so einfach, weil die Messlatte so hoch liegt.“ Wirtz verabschiedete sich vor der Saison zum FC Liverpool. Um den DFB-Star zu ersetzen, baute Rolfes auf mehrere aufstrebende Profis wie Ibrahim Maza (20) und Malik Tillmann (23).

Der HSV ist in Sachen Transfers (noch) in anderen, günstigeren Gefilden unterwegs. Rolfes gefällt es allerdings, nach welcher gesunden Philosophie mittlerweile im Volkspark gearbeitet wird. „Hamburg hat es gut gemacht, dass der Realismus in den letzten Jahren deutlich klarer war und die Verantwortlichen so in die neue Saison gegangen sind“, sagte der ehemalige Mittelfeldspieler (unter anderem 377 Pflichtspiele für Leverkusen). Rolfes ahnt, dass sich der HSV in der 2. Liga auch deshalb lange so schwer tat, „weil die Erwartungshaltung immer war: Wir sind ein großer Erstligist“. Dank Costa, Finanzchef Eric Huwer und auch Merlin Polzin wird beim HSV inzwischen demütiger gedacht.

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Der realistische Blick auf die Dinge führt dazu, dass die Hamburger in der deutschen Fußballbranche sehr positiv beäugt werden. Der momentane Tabellenplatz elf mit der Aussicht, auch im kommenden Jahr in der Bundesliga spielen zu dürfen, passt zu der Gesamtentwicklung des Vereins. „Sie stehen jetzt in einer wunderbaren Position – aber nicht, weil sie sagen, der HSV ist schon immer so gewesen, sondern weil sie sagen: Wir sind ein Aufsteiger und versuchen, eine gute Rolle in der Bundesliga zu spielen“, erklärte Rolfes. „Das haben sie mit dem Kader geschafft.“

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