„Wird Luka drüber nachdenken“: HSV-Frust gegen Bayer! Vuskovic zertritt den Pfosten
Luka Vuskovic konnte sein Pech nicht fassen. Der Kroate trat mehrfach auf den Pfosten ein, nachdem er in der achten Minute der Nachspielzeit die Latte getroffen und den Ausgleich verpasst hatte. Der Treffer zum 1:1 hätte die Nachholpartie gegen Leverkusen in letzter Sekunde beinahe komplett auf den Kopf gestellt. Denn die Wahrheit ist: Das 0:1 (0:0) war leistungsgerecht. Die zweite Heimpleite in Serie setzt den HSV vor der Reise nach Wolfsburg am Samstag immens unter Druck. Der Bonus des Nachholspiels ist dahin – und der Frust groß.
Die Nordtribüne versuchte es mit einer Trotzreaktion, nachdem der entscheidende Gegentreffer des Abends gefallen war. „Steht auf für den HSV“, schallte als Antwort auf das 0:1 von Bayer-Stürmer Christian Kofane (73.) durch das Volksparkstadion, das drei Tage zuvor erstaunlich leise dahergekommen war. Merlin Polzin wollte eine Reaktion seiner Mannschaft auf das verdiente 1:2 gegen RB Leipzig am Sonntagabend sehen – eine klare Leistungssteigerung, die auch die Stimmung in der Arena positiv beeinflussen sollte. Doch der Auftritt gegen Leverkusen, das nächste Topteam der Liga, geriet am Mittwoch blass. Und das Ergebnis ging abermals in Ordnung.
HSV verliert im Volkspark mit 0:1 gegen Bayer Leverkusen
„Es war nicht die Art und Weise, die wir zeigen wollten“, haderte Daniel Elfadli. „Wir wollten uns anders präsentieren als gegen Leipzig – und das haben wir nicht geschafft.“ Sein Team habe nicht die Leistung gezeigt, „die wir brauchen, um so einen Gegner zu schlagen“. Nicolai Remberg sah das ähnlich – und dachte in der Mixed Zone noch an die verpasste späte Ausgleichschance.
„Wir spielen so oft Teqball, da macht Luka mit dem Fuß und dem Kopf Sachen, die habe ich noch nie gesehen“, berichtete der Aushilfskapitän von seinen Spaß-Einheiten mit Vuskovic an der Tischtennis-Platte. „Aber bei der Szene jetzt macht ihm niemand einen Vorwurf – da wird er selbst drüber nachdenken.“ Rembergs Fazit: „Es ist bitter, jetzt hier zu stehen, weil wir sogar noch einen Punkt hätten mitnehmen können.“ Dieser hätte dem HSV für die Tabelle sehr geholfen. Doch Polzins Mannschaft muss nun gänzlich ohne Zähler leben. „Glückwunsch an Leverkusen für den definitiv verdienten Sieg“, konstatierte der erneut enttäuschte HSV-Trainer. „Das können wir einordnen.“
Polzin hatte seine Startelf im Vergleich zum Leipzig-Spiel auf fünf Positionen verändert. Für Jordan Torunarigha begann Elfadli in der Dreierkette, in der zudem Warmed Omari den verletzten Nicolás Capaldo vertrat. Giorgi Gocholeishvili übernahm für den gesperrten Miro Muheim den Job als linker Schienenspieler, eine Position weiter vorne startete Rayan Philippe für den angeschlagenen Philip Otele (Polzin: „Er hat ein bisschen war gespürt – nicht allzu schlimm, aber wir wollten kein Risiko eingehen“). Und rechts kehrte der genesene Bakery Jatta anstelle von William Mikelbrencis in die Anfangsformation zurück.

Der Gambier war Initiator des einzig gefährlichen Hamburger Offensiv-Ansatzes in der ersten Hälfte. Es war bezeichnend für die dünne HSV-Leistung, dass er sich dabei verletzte: Nach seiner flachen Rechtsflanke in den Strafraum fasste er sich sofort an den linken Oberschenkel. Jatta probierte es noch mal, musste aber wenig später für Mikelbrencis weichen (27.).
Zu viele Freiräume für Bayer – Schiri nahm Elfmeter zurück
Zuvor hatte der HSV bereits mehrere gute Leverkusener Angriffe schadlos überstanden. Montrell Culbreath köpfte aus fünf Metern vorbei (5.), Martin Terriers technisch elegante Direktabnahme landete an der Latte (12.). Dann ein kurzer Schreckmoment: Als Remberg gegen Ibrahim Maza das Bein stehen ließ, zeigte Schiedsrichter Sören Storks auf den Punkt – korrigierte sich circa 30 Sekunden später nach VAR-Intervention aber selbst, weil das Foul knapp außerhalb des Strafraums stattgefunden hatte (14.). Den folgenden Freistoß von Alejandro Grimaldo blockte Vuskovic mit seinem Kopf (16.). Maza schoss dann nach einem Steckpass vorbei (30.).

Der HSV ließ den kombinationsstarken Gästen zu viele Freiräume, hinzu kamen kleinere Fouls und unnötige Fehler im Spielaufbau – etwa von Vuskovic und Omari. Eigene, längere Ballbesitzphasen, die in Torchancen resultierten, besaß der HSV vor der Pause hingegen fast nicht. Der Hamburger x-Goals-Wert von 0,09 nach 45 Minuten sprach für sich. Genauso wie die 43 Prozent Ballbesitz.
HSV fand offensiv kaum statt – Kofane traf unters Tordach
10 Minuten nach Wiederbeginn hätte statt dem 0:0 ein 1:1 auf der Anzeigetafel stehen können – doch Bayer-Verteidiger Edmond Tapsoba köpfte Daniel Heuer Fernandes aus vier Metern an (53.) und Remberg scheiterte per Volleyschuss an Ex-DFB-Torwart Janis Blaswich (55.). Es war eine Chance, die die Fans im Volkspark kurz enthusiastisch werden ließ. Offensiv blieb es aber überschaubar – auch nach den Einwechslungen von Otto Stange und Jean-Luc Dompé (65.). Acht Minuten später traf Kofane nach Steckpass von Maza dann unters Tordach von Heuer Fernandes zum 0:1.

Stange setzte kurz darauf zum Solo an und hätte beinahe ein Eigentor von Aleix García provoziert (76.). Die HSV-Kräfte schienen abgesehen davon dahin – bis es in der Nachspielzeit noch einmal Rückkehrer Stange war, der im Leverkusener Strafraum auftauchte, aber in Blaswich seinen Meister fand (90.+1). Den Ausgleich hatte sich der HSV nicht verdient. Zumal Malik Tillmann nach einer unglücklichen Faustaktion von Heuer Fernandes das sichere 0:2 ausließ (90.+4).
Am Samstag reist der HSV zum Tabellen-17. VfL Wolfsburg
Und trotzdem wurde es noch mal richtig laut im Volkspark. Der Ball segelte ein letztes Mal in den Leverkusener Strafraum, Mikelbrencis beförderte ihn per Bogenlampe ins Zentrum – und irgendwie landete er vor Vuskovic‘ Füßen. Der 19-Jährige gins ins volle Risiko, schoss erst den glänzend reagierenden Blaswich an und probierte es ein zweites Mal. Doch sein Kopfball flog an die Latte. Aus. Vorbei. Der Pfosten musste dran glauben.

Durch den erneuten Dämpfer steht der HSV nun wieder deutlich mehr unter Druck. Der Tabellen-17. VfL Wolfsburg, bei dem die Polzin-Elf am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) gastiert, könnte mit einem Heimsieg bis auf drei Punkte an den Nordkonkurrenten heranrücken. „Wir fahren dahin, um zu gewinnen“, stellte Elfadli klar. „Und vor allem, um in einer anderen Art und Weise aufzutreten als heute. Ich glaube, das ist ganz wichtig.“ Andernfalls wird es für den HSV plötzlich wieder ganz düster im Abstiegskampf.
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„Wir haben in der Kabine aber ganz ruhig gesprochen“, berichtete Polzin auf der Pressekonferenz. Den Ausraster von Vuskovic, der nach seinen wilden Pfosten-Tritten auch noch einen Werbe-Aufsteller vor der Auswechselbank weggekickt hatte, wollte der Coach nicht zu hoch hängen: „Luka lebt von seiner Emotionalität. Wenn du vor fast 60.000 Fans die Chance auf den Ausgleich vergibst, ist es völlig normal, dass die Emotion mal raus muss.“ Sogar scherzen konnte Polzin am Mittwochabend schon wieder: „Ich bin mir sicher, dass die Tore in Hamburg stabil sind.“ Das sind sie wohl auch in Wolfsburg. Klar ist: Dort muss am Samstagnachmittag eine HSV-Reaktion her. Diesmal wirklich.
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