HSV-Frauen jubeln im Volksparkstadion

Der HSV verspricht, weiterhin kräftig in sein Frauenteam zu investieren. Foto: WITTERS

„Wir haben Fehler gemacht“: Wie der HSV künftig mit seinem Frauen-Team plant

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Ein paar erste Ausrufezeichen haben die HSV-Frauen bereits gesetzt. Das ausverkaufte Volksparkstadion vor einem Jahr im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Werder Bremen, als man mit 57.000 Fans einen neuen Zuschauer-Rekord im deutschen Frauenfußball auf Vereinsebene aufgestellt hatte. Danach die XXL-Aufstiegsfeier im Mai gemeinsam mit den Männern auf dem Rathausbalkon. Und nun die regelmäßig mittlere bis hohe vierstellige Zuschauerzahl bei den Bundesliga-Heimspielen. Doch der HSV hat noch sehr viel mehr mit seinem Frauenteam vor. Was gerade passiert, soll erst der Anfang sein, verspricht Vorstand Dr. Eric Huwer.

Am Dienstagabend erhielten die HSV-Frauen den nächsten verdienten Lohn. Zusammen mit den Männern wurden die Spielerinnen bei der Hamburger Sportgala als Mannschaft des Jahres ausgezeichnet. Es ist ein Zwischenschritt auf dem Weg nach oben – der noch viel weiter gehen soll. Im Volkspark hat man große Träume mit seinem Frauenteam.

HSV will vermehrt in den Frauenfußball investieren

„Für uns geht diese Reise erst richtig los“, bekräftigt HSV-Vorstand Huwer und erinnert sich: „Die Entwicklung geht gerade unglaublich schnell. Wir haben als Verein in der Vergangenheit vielleicht ein, zwei Fehler gemacht, was den Frauenfußball betrifft. Das rücken wir jetzt wieder ins richtige Licht. Wir alle wollen noch kräftig in die Zukunft des HSV-Frauenfußballs investieren.“

Grund zum Feiern: Torfrau Inga Schuldt (l.) und Sophie Profe (r.) bejubeln lauthals den Aufstieg. WITTERS
Torfrau Inga Schuldt (l.) und Sophie Profe (r.) jubeln lauthals
Grund zum Feiern: Torfrau Inga Schuldt (l.) und Sophie Profe (r.) bejubeln lauthals den Aufstieg.

Konkrete Ansätze dafür gibt es bereits. Seit der Winterpause sind die HSV-Frauen Teil des Profitrakts im Volkspark, leben dort jetzt gemeinsam mit den Nachwuchsspielern zusammen. Huwer skizziert die Szenen, die dort künftig Alltag werden sollen: „Die Frauen essen jetzt gemeinsam mit den Jungs aus dem Herrenbereich – Lotta Wrede neben Luka Vuskovic, Svea Stoldt neben Daniel Heuer Fernandes. Da entstehen die Begegnungen, die wir fördern wollen.“

Aus diesem Grund investiert der HSV tatkräftig in die Infrastruktur seiner Frauenmannschaft. „Wir wollen professionelle Bedingungen schaffen“, begründet Huwer die Maßnahmen und beschreibt das – in Anlehnung an die Gleichbezahlungs-Debatte „Equal Pay“ – als „Equal Play“, also gleiches Spiel. „Beim HSV wird das gelebt. Die Voraussetzungen zum Spielen wollen wir gleichrangig positionieren. Wir möchten unseren Frauen die bestmöglichen Bedingungen zur Verfügung stellen.“

HSV-Frauen haben derzeit „eine Start-up-Situation“

Huwer selbst bewege sich dabei auf ungewohntem Terrain. „Das ist wie eine Start-up-Situation“, sagt er lachend. „Wir dürfen im Frauenbereich einfach mal Dinge machen, die im Männerbereich nicht möglich sind. Wir probieren jeden Spieltag einfach mal andere Dinge aus. So arbeiten wir aktiv daran, mehr Sichtbarkeit für den Frauenfußball zu schaffen. Das macht großen Spaß.“

Eine der Hauptinitiativen ist die dauerhafte Austragung der Bundesliga-Heimspiele im Volksparkstadion. Ob der HSV dabei rote oder schwarze Zahlen schreibt, sei Huwer dabei gar nicht mal so wichtig. „Ganz ehrlich: Das interessiert uns gar nicht“, stellt er klar. „Das ist unser Investment in die Zukunft. Wir wollen, dass elfjährige Mädchen in ihr Tagebuch schreiben, dass sie Fußballspielerinnen werden wollen, weil sie hier Lotta Wrede und Paulina Bartz haben spielen sehen. Das ist es, was uns antreibt, und kein Controlling der Zuschauerzahlen. Da haben wir eine andere Herangehensweise.“

Huwer will im Volkspark eine Familien-Atmosphäre

Überhaupt gehe es Huwer „nicht nur um den Fußball, sondern um das Familienerlebnis“ im Volksparkstadion. Man wolle eine Atmosphäre schaffen, dass Familien gerne und regelmäßig zu den Heimspielen der Frauen kommen. „Und unser Zuschauerschnitt ist ja auch ganz ordentlich“, sagt der 42-Jährige stolz mit Blick auf das Zuschauerranking der Frauen-Bundesliga. Dort bewegt sich der HSV mit einem Schnitt von 5230 Fans pro Heimspiel auf Rang vier – nimmt man die Highlight-Spiele in München und Bremen aus, die jeweils ausnahmsweise in der großen Arena stattfanden, läge Hamburg sogar auf Platz zwei hinter Union Berlin.

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Auch ein drohender Abstieg zurück in die 2. Liga wäre zwar „ein kleiner Rückschritt in unserer Entwicklung“, aber kein Abbruch, betont Huwer: „Unser Commitment ist langfristig. Selbst, wenn wir absteigen sollten, verändert das unsere Sichtweise keineswegs. Dann gilt es einfach noch mehr zu investieren.“ Wichtig sei es beim HSV vor allem, „in die Zukunft zu blicken und nicht zu früh ungeduldig zu werden“ – wenngleich das große Ziel im Volkspark natürlich klar ist: nach dem Doppel-Aufstieg nun der Doppel-Klassenerhalt. Es wäre insbesondere für die HSV-Frauen ein weiterer Schritt hin zur Professionalisierung.

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