HSV
Wilde WM-Party! Tangvik feiert den Sommer seines Lebens – HSV erhält Extra-Kohle
Nach dem 2:1 gegen Brasilien steht HSV-Keeper Sander Tangvik mit Norwegen im WM-Viertelfinale. Nun ist sein ganzes Land außer Rand und Band.
Während sich die HSV-Profis am Montagmorgen auf den Weg zu ihren Leistungstests im Volkspark machten, hatte einer ihrer Kollegen rund 6100 Kilometer Luftlinie entfernt gerade die Nacht seines Lebens hinter sich. Nach dem 2:1 im WM-Achtelfinale gegen Brasilien tanzte Ersatzkeeper Sander Tangvik ausgelassen auf dem Rasen des MetLife Stadiums in East Rutherford und genoss die Ovationen des Publikums. Der HSV-Profi steht mit den Norwegern im Viertelfinale gegen England (Samstag/23 Uhr) und darf mehr denn je vom WM-Titel träumen.
Wann auch immer diese WM für Tangvik enden wird, sie dürfte für immer einen ganz besonderen Platz in seinem Herzen einnehmen. Niemals zuvor wurde Norwegens Nationalteam derart von der ganzen Welt gefeiert. Fast 100.000 Menschen feierten daheim, auf Oslos Straßen. Und auch auf dem Rasen entwickelte sich schnell eine wilde Party, wie sie die Fußball-Welt lange nicht gesehen hatte.
Haaland wurde für die Norweger zum Matchwinner
Doppel-Torschütze Erling Haaland, der die Partie mit seinen Toren (79./90.) entschied, fungierte nach Abpfiff als Trommler vor dem norwegischen Fanblock, und animierte die Fans. Die reagierten mit dem schon legendären und donnernden „Ruuuh“ und imitierten die Ruderbewegungen der Wikinger, die sie in der ganzen Welt berühmt machten. Auf der Tribüne tanzte Haalands Vater Alf Inge mit einem Sektglas in der Hand ausgelassen zu den Klängen von „Take on me“. Norwegen im Rausch. Und Tangvik mittendrin.
Der HSV-Keeper genoss die Feierlichkeiten rund um den Erfolg und trug seinen Teil dazu bei. Bereits in der Halbzeit sah man, wie er strahlend auf Stammtorwart Ørjan Nyland zueilte und ihm gratulierte. Der Torhüter hatte nach 14 Minuten Brunos Foulelfmeter pariert und so den Grundstein zum Sieg gelegt.
HSV-Keeper Tangvik genießt in Norwegen den Ruf eines Elfmeter-Killers
Einziger kleiner Wermutstropfen für den HSV-Keeper: In norwegischen Medien war bereits darüber spekuliert worden, dass Tangviks WM-Stunde schlagen könnte, wenn es mal zu einem Elfmeterschießen kommen würde. Weil der 23-Jährige als ausgesprochener Elfmeter-Killer gilt und die beste Bilanz aller drei norwegischen Torhüter aufzuweisen hat. Auch bei seinem Bundesligadebüt Mitte Mai in Leverkusen (1:1) hatte er prompt den Strafstoß von Patrick Schick pariert. Nun aber dürfte Nyland auch im Fall der Fälle gesetzt sein.
Große Freude herrscht angesichts der Ereignisse in den USA auch beim zweiten HSV-Norweger. Alexander Røssing-Lelesiit, der für die U19 der Norweger spielt, quittierte den Sieg über Brasilien mit gespielter Lässigkeit. „Wir haben Brasilien schon wieder geschlagen“, postete er ironisch via Instagram. „War eigentlich gar keine Frage.“ Eine Anspielung auf die WM 1998, bei der die Norweger ebenfalls mit 2:1 die Oberhand behielten, damals allerdings in der Gruppenphase.
Am Samstag treffen Tangviks Norweger auf England
Jetzt ist ein Hamburger mittendrin und träumt vom ganz großen Wurf. Kommenden Samstag gegen England wollen Tangvik und seine Kollegen ins Halbfinale einziehen und ihre traumhafte WM-Reise fortsetzen. Der HSV wird in jedem Fall noch eine Weile auf seinen Torhüter verzichten müssen. Nach der WM soll er noch ein paar Tage Urlaub erhalten. Tangvik wird ihn brauchen, um den Sommer seines Lebens richtig verarbeiten zu können – ganz gleich, wie weit Norwegens Weg noch geht.
Der finanzielle Ertrag ist für den HSV trotz der Erfolge der Norweger überschaubar. Für jeden abgestellten Spieler erhalten die Vereine von der FIFA nach aktuellem Stand 5000 Dollar pro Tag – bis zum WM-Ausscheiden. Bezogen auf Tangvik muss sich der HSV diesen Betrag allerdings noch mit dessen Ex-Verein Rosenborg Trondheim teilen, wo der Torhüter bis Januar dieses Jahres unter Vertrag stand. Sollte Norwegen im Viertelfinale scheitern, blieben dem HSV etwas mehr als 100.000 Dollar (etwa 90.000 Euro).
Mit Miro Muheim hat der Verein aktuell noch ein zweites Eisen im Feuer. Der Schweizer trifft am Dienstag (22 Uhr) auf Kolumbien, Gegner im Viertelfinale wäre Titelverteidiger Argentinien oder Ägypten.
Sie sind bereits M+ Abonnement?