„Wenn ich das sehe …“: HSV staunt über die Stars des Gegners
Nach dem Hinspiel im Oktober war es RB Leipzig, das vom HSV schwärmte – trotz des Ergebnisses. „Sie sind kein klassischer Aufsteiger, sondern spielen einen richtig geilen Fußball“, lobte Doppeltorschütze Christoph Baumgartner, der den Brauseklub zum 2:1-Heimsieg geschossen hatte. Doch es war ein glücklicher Erfolg für RB, das wusste auch Baumgartner: „Der HSV hat es richtig gut gemacht, echt ein großes Lob.“ Vor dem Wiedersehen an diesem Sonntag (19.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) im Volkspark ist der Österreicher der formstärkste Star bei den kriselnden Leipzigern. Dessen ist sich auch Merlin Polzin bewusst.
Der Matchwinner des Hinspiels habe „jetzt auch wieder doppelt getroffen“, wusste der HSV-Trainer am Dienstag zu berichten. Was er meinte: Baumgartner hatte bei Leipzigs 2:2 gegen den BVB am Samstag beide RB-Tore erzielt. Es war bereits der dritte Doppelpack des 26-Jährigen in dieser Bundesligasaison, insgesamt steht er bei zehn Treffern und ist damit der beste Torschütze des Tabellenfünften.
HSV-Lob für Baumgartner: „Ein fantastischer Spieler“
„Ein fantastischer Spieler“, staunte Polzin und fand damit ähnliche Worte wie Claus Costa, der am Sonntag im Sport1-„Doppelpass“ über Baumgartner gesagt hatte: „Es ist außergewöhnlich, wie er es immer wieder schafft, in die Tiefe zu laufen, in die Box zu kommen, immer wieder Abschlusssituationen zu finden. Er schafft Zuordnungsprobleme kurz vor dem Tor.“ Baumgartners Ausbeute sei für einen zentral-offensiven Mittelfeldspieler „schon außergewöhnlich“, befand der HSV-Sportdirektor anerkennend.

Zudem warnte Costa vor Flügelflitzer Yan Diomande, der im Sommer für 20 Millionen Euro aus der zweiten spanischen Liga nach Leipzig gewechselt war und laut transfermarkt.de jetzt bereits 45 Millionen Euro wert ist. Seine Zwischenbilanz: acht Tore, sechs Vorlagen, und damit ligaweit Rang sieben in Bezug auf die Scorerpunkte. „Ein toller, außergewöhnlicher Spieler“, sagte Costa über den 19-jährigen Ivorer. „Wir müssen uns hoffentlich nicht so von seinen Qualitäten am Wochenende überzeugen.“ Das wird vor allem die Aufgabe der Hamburger Außenverteidiger sein.
RB-Torwart Gulácsi verletzt – Vandevoordt übernimmt
Polzin und sein Trainerteam werden aufgrund der individuellen Klasse aller RB-Profis auf viele Individualanalysen setzen müssen. Das betrifft sämtliche Mannschaftsteile. „Sie haben einen Torwartwechsel vornehmen müssen“, weiß Polzin um den Ausfall von RB-Stammkeeper Péter Gulácsi, der einen Innenbandriss im Knie erlitt. „Wenn ich aber sehe, was der andere Kollege im Tor am Fuß macht …“ – damit meinte Polzin die spielerische Stärke von Leipzigs Torwart-Youngster Maarten Vandevoordt. Der 23-Jährige wird im Sommer den 35-jährigen Routinier Gulácsi als Nummer eins ablösen.
Polzin nannte aber noch weitere Namen. „Ob das dann Willi Orbán ist, David Raum oder Ridle Baku – das sind alles fantastische Spieler“, lobte der HSV-Coach und verwies außerdem auf eine Leihgabe vom FC Brighton: „Im Mittelfeld hatten sie noch mal eine Nachverpflichtung im Winter mit Brajan Gruda.“ Und ganz vorne, da sorgten in der bisherigen Saison eben vor allem Baumgartner und Diomande oft für den Unterschied. „Es wäre vermessen, zu sagen, wir würden uns nur auf den einen oder die zwei, drei Spieler konzentrieren, weil es einfach eine richtig gute Mannschaft mit einem super Trainer ist“, sagte Polzin deshalb, auch in die Richtung seinen Kollegen Ole Werner.
HSV-Trainer Polzin lehnt die Favoritenrolle gegen Leipzig ab
Der RB-Coach war zuletzt unzufrieden mit der Nachlässigkeit seiner Profis, die gegen Dortmund zum wiederholten Male eine Führung leichtfertig aus der Hand gaben. Das ließ auch Kapitän Raum fassungslos zurück. Der DFB-Verteidiger kritisierte am Samstagabend: „Ich bin schwer enttäuscht, richtig wütend und sauer, wie wir das Spiel wieder herschenken. Wir müssen da mehr Drecksack sein, wir müssen unser Ego hinten anstellen. Denn wenn wir so wie heute am Ende spielen, sind unsere Ziele gefährdet.“ In Leipzig steht die Champions-League-Qualifikation auf dem Spiel. Der HSV wiederum kämpft weiterhin um den Klassenerhalt, deshalb ist die Ausgangslage für Polzin trotz der Heimstärke seines Teams klar.

„Es wäre vermessen, zu sagen, dass wir gegen RB Leipzig als Favorit ins Spiel gehen“, stellte der 35-Jährige klar. „Davon sind wir noch ganz weit entfernt, das ist aber auch okay. Wir wissen, was uns ausmacht, wir wissen aber auch, welche Probleme wir haben, wenn wir bei der Intensität nicht bei 100 Prozent sind und unseren Plan nicht verfolgen.“ Beim Hinspiel in Leipzig setzten die HSV-Profis die Vorgaben der Coaches gut um und hätten fast für eine Überraschung gesorgt. Und auch der Trend der vergangenen Wochen mit sechs ungeschlagenen Partien in Serie spricht für die Hamburger.
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„Das ist aber keine Garantie dafür, dass es auch am Sonntag so funktionieren wird“, warnte Polzin – und lobte zum Abschluss noch mal RB: „Wir spielen gegen eine Mannschaft, die richtig gut ist. Sie wird vielleicht mit ein bisschen Wut im Bauch hier auflaufen, weil die Ergebnisse in den letzten Wochen vielleicht nicht so waren, wie sie sich das vorgestellt haben.“ Trotzdem bleibe ein Bundesliga-Heimduell mit Leipzig für den HSV ein „absolutes Highlightspiel“.
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